An der Ellen-Key-Schule in Friedrichshain hat die Juristin im Rahmen von Projekttagen drei Tage lang Schüler*innen zum Thema Finanzen unterrichtet. Die Jugendlichen aus zehnten und elften Klassen seien extrem gut informiert und sehr zahlenaffin gewesen. Am ersten Tag ging es um die Entstehungsgeschichte des Geldes und die Fragestellung „Wie könnte eine Welt ohne Geld aussehen?“. Tag 2 drehte sich um den Haushaltsplan. Die Schüler*innen sollten sich damit auseinandersetzen, wie viel Geld sie haben und sich die Einnahme- und Ausgabeseite anschauen. Fragen waren: Welche Kosten habe ich und in welcher Höhe? Özlem Yanilmaz-Supko ließ die Schüler*innen schätzen, wie viel Miete man in Berlin durchschnittlich bezahlt oder wie die Einkommen einzelner Berufsgruppen sind. „Hier lagen die Jugendlichen vielfach sehr weit weg von der Realität. Damit sie ihre Vorstellung mit den Gegebenheiten abgleichen konnten, habe ich ihnen Statistiken gezeigt.“ An Tag 3 wurde dann das Sparen bearbeitet und besprochen, wie man Geld anlegen und investieren kann. Jeder Tag wurde mit einem Finanzspiel abgeschlossen.
Finanzbildungsprojekt der Volkshochschule
Bild: Masa Yuasa
Die Volkshochschule Friedrichshain-Kreuzberg hat im Vorjahr ein neues Finanzbildungsprogramm entwickelt. „GELD- Finanzbildung für alle“ richtet sich an Jugendliche und junge Erwachsene auf dem Weg in Ausbildung und Unabhängigkeit ebenso wie Menschen in wirtschaftlich prekären Lebenslagen. Durch Finanzbildung können die Menschen lernen, sich finanziell sicher einzurichten und Schuldenfallen zu entgehen. Die Themen reichen von Handyvertrag bis zum ETF. Die Volkshochschule kooperiert hierfür mit der Ellen-Key-Schule– und dem Dütti-Treff.
Özlem Yanilmaz-Supko hat die Workshopreihe für Multiplikator*innen im Dütti-Treff im Graefekiez durchgeführt. Zehn Mitarbeiter*innen und ehrenamtlich Tätige aus Nachbarschaftseinrichtungen, die selbst keine Fachkenntnisse im Bereich Finanzen haben, wurden von der Finanzexpertin ausgebildet. Die Workshopteilnehmer*innen wurden fit gemacht, um künftig Finanzbildungsbedarfe bei den Gästen ihrer Einrichtungen zu erkennen und selbst Vorträge zum Thema anbieten zu können. Ihre Multiplikatorenschulung war der Auftakt für eine regelmäßige Fortbildungsreihe zum Thema Finanzen, die nun im Dütti-Treff angeboten wird. Das Projekt läuft noch bis Ende des Jahres.
Haushaltsplan als Grundlage für finanzielle Entscheidungen
Hierfür hat die Dozentin entsprechende Unterrichtsmaterialien erstellt. Das 100-seitige Dokument richtet sich an die Multiplikator*innen. Sie enthalten Steckbriefe für potenzielle Interessent*innen und erfundene Beispielfälle, mit denen gearbeitet werden kann. Auch für einen Haushaltsplan, den sie jedem und jeder – ganz unabhängig von der Höhe des Einkommens – empfiehlt, um einen klaren Überblick über die eigenen Finanzen zu haben, gibt es in ihren Schulungsunterlagen eine Vorlage. „Ein Haushaltsplan ist die Grundlage für finanzielle Entscheidungen.“
Özlem Yanilmaz-Supko ist Diplom-Juristin und hat jahrelange Berufserfahrung als Schulden- und Insolvenzberaterin. Nach ihrer Elternzeit machte sie sich als Finanzcoachin selbstständig. Sie spezialisiert sich auf Finanzbildung und Schuldenprävention. Als Dozentin an Berliner Volkshochschulen hat sie jahrelang zum Thema Finanzen unterrichtet. In verschiedenen Bezirken bietet sie Onlinekurse zum richtigen Umgang mit Geld an. Dieser Kurs richtet sich an Menschen mit Schulden ebenso wie an solche, die für das Alter vorsorgen oder einen Notgroschen sparen wollen. Der Kurs spreche eine sehr gemischte Klientel an. Frauen seien meist in der Überzahl. Über diese Tätigkeit kannte sie auch die Programmbereichsleiterin für den Bereich Arbeit und Beruf in der Volkshochschule Friedrichshain-Kreuzberg, mit der sie gemeinsam das Finanzbildungsprojekt entwickelte.