Arbeitsschwerpunkte

Einführung

Charlottenburg-Wilmersdorf ist ein Bezirk im Berliner Westen. Hier leben mit insgesamt 338.400 Menschen 9,1% der gesamten Berliner Bevölkerung. Mit einem Durchschnittsalter von 45,5 Jahren ist Charlottenburg-Wilmersdorf nach Steglitz-Zehlendorf der zweitälteste Bezirk Berlins.

Charlottenburg-Wilmersdorf ist ein Bezirk der Vielfalt. Diese Vielfalt drückt sich zum einen in verschiedenen Kiezen und Wohnsituationen aus: Von dem an den Grunewald angrenzenden Schmargendorf mit seinen Botschaften über den Wilmersdorfer Kurfürstendamm, das Charlottenburger Westend bis hin zur industriell geprägten Mierendorff-Insel und den ehemaligen Arbeitersiedlungen in Charlottenburg-Nord. Zum anderen leben hier Menschen mit verschiedenen Biographien, familiären Hintergründen, Lebensentwürfen, Religionszugehörigkeiten, sexuellen Orientierungen, finanziellen Möglichkeiten und politischen Meinungen zusammen.

Migrationsbiographien sind ein wichtiger Bestandteil dieser Vielfalt. 40% aller Menschen (137.000 Personen) in Charlottenburg-Wilmersdorf haben einen sogenannten Migrationshintergrund. Damit liegt Charlottenburg-Wilmersdorf mehr als 8% – Punkte über dem Berliner Durchschnitt von 32,5%. Zu dieser Gruppe zählen auch die 24,4% (82.700 Personen) der Bevölkerung, die keine deutsche Staatsbürgerschaft haben.

Menschen mit Migrationshintergrund (gemäß §2 PartIntG Berlin):

  1. Personen, die keine deutsche Staatsangehörigkeit haben,
  2. im Ausland geborene und nach 1945 nach Deutschland zugewanderte Personen und
  3. Personen, bei denen mindestens ein Elternteil die Kriterien von Punkt (2) erfüllt.

Integration: eine Begriffsbestimmung

Das Integrationsbüro Charlottenburg-Wilmersdorf orientiert sich am Integrationsbegriff des Gesetzes zur Regelung von Partizipation und Integration in Berlin (PartIntG):

Integration (gemäß §1 PartIntG Berlin):

  1. Das Land Berlin setzt sich zum Ziel, Menschen mit Migrationshintergrund die Möglichkeit zur gleichberechtigten Teilhabe in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens zu geben und gleichzeitig jede Benachteiligung und Bevorzugung gemäß Artikel 3 Absatz 3 Satz 1 des Grundgesetzes und Artikel 10 Absatz 2 der Verfassung von Berlin auszuschließen.
  2. Integration ist ein gesamtgesellschaftlicher Prozess, dessen Gelingen von der Mitwirkung aller Bürgerinnen und Bürger abhängt. Erfolgreiche Integration setzt so- wohl das Angebot an die Bevölkerung mit Migrationshintergrund zur Beteiligung als auch den Willen und das Engagement der Menschen mit Migrationshintergrund zur Integration voraus. Art und Umfang der Partizipationsmöglichkeiten und der Integrationsförderung richten sich nach dem rechtlichen Status und dem Bedarf der Menschen mit Migrationshintergrund.

Im Kern geht es also darum, für Menschen mit Migrationshintergrund einen gleichberechtigten Zugang zu den Ressourcen unserer Gesellschaft sicherzustellen. Erfolgreiche Integration ist nie ein einseitiger Prozess, sondern verändert die Gesellschaft als Ganzes: Sie spricht alle Bevölkerungsgruppen an und nimmt davon Abstand, in pauschalen „Opfer-“ und „Tätergruppen“ zu denken. Sie führt zu mehr Vielfalt und verbessert die Widerstandsfähigkeit gegen Ausgrenzung und Extremismus.

Gemäß dieser Begriffsbestimmung wird davon ausgegangen, dass Menschen mit unmittelbarer oder familiärer Migrationsgeschichte nach wie vor einen eingeschränkten Ressourcenzugang in unserer Gesellschaft aufweisen – sei es aufgrund der Sprache, ökonomischer Verhältnisse oder aufgrund von (teils subtilen) vorurteilsbezogenen Ausgrenzungsmechanismen im Alltagsleben (z.B. in der Schule oder auf dem Arbeitsmarkt). Dennoch muss betont werden, dass der Begriff „Menschen mit Migrationshintergrund“ eine sehr heterogene Bevölkerungsgruppe beschreibt. Pauschale Zuschreibungen sind hier fehl am Platz.

Arbeitsschwerpunkte in der bezirklichen Integrationsarbeit

Für das Integrationsbüro in Charlottenburg-Wilmersdorf gelten drei Arbeitsschwerpunkte:

1. Nachholende Integration

Die sog. „nachholende Integration“ spricht bestehende migrantische Communities (Bevölkerungsgruppen) an. Diese sind teilweise nach wie vor von aktiver Ausgrenzung betroffen, teilweise aber auch durch vergangene Fehlsteuerungen vom Rest der Gesellschaft abgegrenzt. Nachholende Integration meint auch, neue Integrationsangebote an Communities anzupassen, die seit langem in Deutschland leben.

2. Neuzuwanderung

Bestimmte Integrationsangebote müssen speziell auf die Bedürfnislagen neuzugewanderter Menschen eingehen. Insbesondere geflüchtete Menschen haben von der Flucht bis hin zur Notunterbringung in Deutschland (teils traumatische) Erlebnisse gemacht, die ihren Umgang mit der Gesellschaft prägen. Auf der anderen Seite sind sie keine passiven „Opfer“, sondern neue Mitglieder unserer Gesellschaft, die mit Ihrem Willen und Erfindungsreichtum viel zur Gestaltung Deutschlands beitragen können.

3. Zusammenleben in Vielfalt

Charlottenburg-Wilmersdorf ist ein Bezirk der Vielfalt. Diese Vielfalt gilt es positiv zu gestalten, indem ein Kennenlernen ermöglicht, Konflikte als Chance verstanden und Vorurteile abgebaut werden. Dazu gehört die Stärkung von Beteiligungsstrukturen ebenso wie das Engagement gegen Diskriminierung und Menschenfeindlichkeit.

Arbeitsschwerpunkte
Arbeitsschwerpunkte der bezirklichen Integrationsarbeit

Die Arbeit innerhalb eines Schwerpunktes kann dabei viele Überschneidungen zu den jeweils anderen aufweisen. Menschen mit Migrationshintergrund, die seit Jahrzehnten hier leben, verfügen z.B. über viel Wissen zum Thema „Neuzuwanderung“: was bedeutet es, in einem fremden Land anzukommen? Wie kann ich hier heimisch werden? Welche Hindernisse gab es damals und gibt es heute beim Thema Teilhabe und Integration? Gute Integrationsarbeit nutzt die gesammelten Erfahrungen aller Menschen in unserem Land, um vergangene Fehler nicht zu wiederholen, neue Herausforderungen früh zu erkennen und passgenaue, lokale Angebote zur Integration zu schaffen.