Der Interreligiöse Dialog Charlottenburg-Wilmersdorf

Mitglieder des Interreligiösen Dialogs
Teilnehmer*innen des Interreligiösen Dialoges vom 20.11.2018 in der Berliner Moschee. v.l.n.r.: Petra-Beate Schildbach (Sufi-Bewegung), Therese Kupke (Christengemeinschaft), Andreas Komischke (kath. Erzbistum Berlin), Dr. Michael Seyfert (AFD Fraktion), Laura Löbner (Integrationsbüro), Janka Vogel (Integrationsbüro), Renata Mehrez (Seituna Moschee), Karim Gouider (Seituna Moschee), Sigmount Königsberg (jüd. Gemeinde zu Berlin), Mohamed Regab (Seituna Moschee), Amir Aziz (Berliner Moschee)

Die Religionen nehmen auch im 21. Jahrhundert im öffentlichen Leben einen wichtigen Raum ein und haben nach wie vor eine identitätsstiftende Relevanz. In einer interkulturellen Gesellschaft wie der in Charlottenburg-Wilmersdorf, wo Menschen aus mehr als 120 Nationen zusammen leben, spielt der Dialog eine entscheidende Rolle für ein friedliches Miteinander. Ein interreligiöser Dialog und eine interreligiöse Zusammenarbeit können helfen, religiösen Konflikten vorzubeugen. (Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann).

Nächste reguläre Treffen des Interreligiösen Dialoges

  • 26. November 2019 um 17.30 Uhr in der Synagoge Pestalozzistraße 12-24, 10625 Berlin. Informationen zur Gemeinde
    Um Anmeldung (mit Name, Geburtsdatum, Personalausweisnummer) über das Integrationsbüro wird bis zum 19.11.2019 gebeten.

Veranstaltungsreihe "Interreligiös für Frieden"

Interreligiös für Frieden
Bild: romanundbraun medienproduktion gbr

Interreligiöse Friedenspolitik und gesellschaftspolitische Verantwortung – das ist heute eine zentrale Aufgabe von Religionsgemeinschaften.

Anlässlich der 10. Weltversammlung der „Religions for Peace“ laden der Interreligiöse Dialog Charlottenburg-Wilmersdorf und das Berliner Forum der Religionen ein zur Veranstaltungsreihe „Interreligiös für Frieden“.

Menschen aus dem Kiez, dem Bezirk, aus ganz Berlin, Menschen mit und ohne Migrationsgeschichte, religiöse und nicht-religiöse Menschen sind herzlich eingeladen! Wir sprechen über die Frage, ob Religionen (wirklich) ein Schlüssel zum Frieden sind. Wir diskutieren darüber, wie Religionspolitik in der Zuwanderungsgesellschaft aussehen kann. Wir betrachten die besondere Rolle, die Frauen als Friedensstifterinnen spielen.

  • Di., 20.08.2019 – 19:30 Uhr – Haus der Nachbarschafft, Str. am Schoelerpark 37
    Sind Religionen (wirklich) ein Schlüssel zum Frieden? Religiöse Menschen im Gespräch
  • Mi., 21.08.2019 – 19:00 Uhr – Interkulturelles Stadtteilzentrum Divan, Nehringstr. 26
    Religion und Politik: Religionspolitik in der Zuwanderungsgesellschaft
  • Do., 22.08.2019 – 19:00 Uhr – Interkulturanstalten Ulme 35, Ulmenallee 35
    Das unterschätzte Potential: Frauen als Friedensstifterinnen in den Religionen

Als Gesprächspartner*innen sind u.a. eingeladen: Reinhard Fischer (Ev. Luisenkirche / Berliner Landeszentrale für politische Bildung), Karim Gouider (Seituna Kulturverein e.V.), Petra-Beate Schildbach (Arbeitskreis der Kirchen und Religionsgemeinschaften in Berlin / Sufi-Bewegung), Hanna Berg (Soziologin und Anthropologin), Leon Godeffroy (Integrationsbeauftragter Charlottenburg-Wilmersdorf) und Prof. em. Angela Mickley (Friedensforscherin).
Es moderiert Dr. Thomas Schimmel, Politikwissenschaftler und seit Jahren im interreligiösen Dialog in Berlin tätig.

Nach den Veranstaltungen sind Sie herzlich eingeladen, die Fragen und Anregungen aus den Impulsreferaten und Podiumsgesprächen bei Speis und Trank zu vertiefen – vielleicht ja mit Vertreter*innen einer Religionsgemeinschaft, die sie schon immer einmal kennenlernen wollten!?

Poster Interreligös für Frieden

PDF-Dokument (138.6 kB) Dokument: romanundbraun medienproduktion gbr

Flyer Interreligiös für Frieden

PDF-Dokument (158.3 kB) Dokument: romanundbraun medienproduktion gbr

Brunnenbau-Projekt im Jemen

Beim Treffen am 1. März 2018 regte der Pastor der Saint George’s Anglican Episcopal Church an, einen Brunnen im Jemen zu bauen. Im Land herrscht seit 2015 Krieg, die Zivilbevölkerung leidet unter der andauernden Hungersnot und hat kaum Zugang zu sauberem Trinkwasser.
Gemeinden, die sich am Interreligiösen Dialog beteiligen, haben daher Kollekten gesammelt und Benefizveranstaltungen organisiert. Bisher sind knapp 15.000€ Spenden für das Brunnenbau-Projekt gespendet worden.
Ein jemenitischer Freund des Interreligiösen Dialoges hat sich im Herbst auf den Weg in den Jemen gemacht, um die Umsetzung voranzubringen. Die Bohrung im Jemen hat begonnen, auch mit großer Unterstützung der örtlichen Behörden. Auch die jemenitischen Medien berichteten (deutsche Übersetzung des Videos).

Dialog am Ort der Glaubensvielfalt

Interreligiöser Dialog

In Charlottenburg-Wilmersdorf leben 338.923 Menschen aus 175 Nationen – es begegnen sich hier verschiedenste Glaubensrichtungen und Konfessionen: evangelisches, katholisches und orthodoxes Christentum, liberales und orthodoxes Judentum, sunnitischer und schiitischer Islam, Buddhismus und andere Ritusgemeinschaften. In den Moscheen, Kirchen, Tempeln und Synagogen wird Deutsch, Englisch, Russisch, Türkisch, Arabisch, Hebräisch, Rumänisch, Französisch, Schwedisch und Dänisch gepredigt. Es gibt Freikirchen und Nationalkirchen.

Die Gebetshäuser im Bezirk sind Heimat für Alt- und Neuberliner, für junge und ältere Personen, für Menschen jeden Geschlechts und jeder Nation. An über 70 Orten in Charlottenburg-Wilmersdorf begegnen sich Menschen, beten, singen, feiern und unterstützen einander. Ehrenamtliches Engagement ist aus den Gemeinden nicht wegzudenken. Die Gläubigen unterstützen Jugendliche, ältere Menschen, Menschen mit Fluchtgeschichte, Menschen mit geringem Einkommen, Schüler*innen, Studierende, junge Familien, Kranke.

Übersicht über die Gotteshäuser und Glaubensorte im Bezirk

Religionsgemeinschaften spielen neben ihrer spirituellen auch eine gesellschaftspolitische Rolle. Sie sind Akteurinnen in einer globalisierten, digitalisierten und sich rasant wandelnden Berliner Stadtgesellschaft. Dabei ist die freiheitlich-demokratische Grundordnung die Basis, auf der Vielfalt und Begegnung möglich sind.

Die Charlottenburg-Wilmersdorfer Religionsgemeinschaften treffen sich beim Interreligiösen Dialog, um einen aktiven Umgang mit Differenz zu üben und allen im Bezirk lebenden Menschen eine Integrationsperspektive zu eröffnen. Der Dialog ist kein klassischer Interreligiöser Dialog, wo theologische Themen auf der Agenda stehen. Vielmehr stehen der Gemeinwesenbezug und die gesellschaftspolitische Rolle der Gemeinden im Vordergrund.

Beim Dialog besuchen sich die Gemeinden gegenseitig, lernen die Geschichte und das Glaubensleben der jeweils anderen kennen und informieren sich über ihre aktuellen Anliegen. Der Interreligiöse Dialog dient auch dem Austausch über aktuelle religiöse Veranstaltung und der Initiierung gemeinsamer Aktivitäten. Außerdem stehen neben Berichten aus den Gemeinden und dem Bezirksamt immer wieder aktuelle gesellschaftspolitische Fragen auf der Tagesordnung.

Die Gemeinsame Erklärung des Interreligiösen Dialogs

Gemeinsame Erklärung zum Interreligiösen Dialog

Seit Herbst 2010 wurde an einer gemeinsamen öffentlichen Erklärung gearbeitet. Die Teilnehmer*innen wünschten sich eine gemeinsame Gesprächsgrundlage. Am 14. Juni 2012 wurde die erarbeitete Gemeinsame Erklärung des Interreligiösen Dialoges im Büro des Bezirksbürgermeisters von 14 Religionsgemeinschaften unterzeichnet. 2014 kam eine weitere Gemeinde dazu, 2016 unterzeichneten nochmals zwei Gemeinden die Gemeinsame Erklärung. Die Berliner Morgenpost berichtete..

Folgende Gemeinden haben die Erklärung unterzeichnet:

Weitere Unterzeichner*innen sind jederzeit willkommen. Voraussetzung dafür sind die Teilnahme an den Treffen des Interreligiösen Dialoges und die Zustimmung zu den in der Gemeinsamen Erklärung bekundeten Zielen.

Gemeinsame Erklärung des Interreligiösen Dialoges Charlottenburg-Wilmersdorf

Nicht barrierefrei

PDF-Dokument (3.2 MB)

Zur Entstehung des Interreligiösen Dialoges

Am 1. Dezember 2008 fand auf Initiative der damaligen Bezirksbürgermeisterin Monika Thiemen der erste Interreligiöse Dialog des Bezirkes Charlottenburg-Wilmersdorf statt. Ein Moschee-Bauvorhaben hatte zum Wunsch eines Austausches zwischen den Menschen im Bezirk, der Politik, Verwaltung und den Religionsgemeinschaften geführt. Es sollte eine Plattform geschaffen werden, bei der Fragen von gemeinsamem Interesse diskutiert, eigene Ideen eingebracht und bezirksweite Aktivitäten entwickelt werden. Mit der Dialogrunde wurde eine Struktur geschaffen, die im Bedarfsfall deeskalierend und dialogfördernd im Sozialraum agieren kann.

Mit der Koordination des Interreligiösen Dialogs Charlottenburg-Wilmersdorf war von 2008 bis 2014 das Mobile Beratungsteam “Ostkreuz” für Demokratieentwicklung, Menschenrechte und Integration der Stiftung SPI – Sozialpädagogisches Institut Berlin „Walter May“ beauftragt.
Im Zeitraum 2009 bis 2015 hat der damalige Integrationsbeauftragte, Turgut Ҫakmakoğlu, die Dialog-Runde wesentlich mitgeprägt. Reinhard Naumann, seit 2011 Bezirksbürgermeister, gestaltet den Dialog seither entscheidend mit.

Am 22. August 2013 veranstaltete der Interreligiöse Dialog eine Podiumsdiskussion mit den Direktkandidat*innen des Wahlkreises für die Bundestagswahl. Auf dem Podium diskutierten Ülker Radziwill (SPD), Klaus-Dieter Gröhler (CDU), Lisa Paus (Bündnis 90/Die Grünen), Marlene Cieschinger (Die Linke) und Siegfried Schlosser (Piraten) zum Thema „Religion und Gesellschaft“. Bei der gut besuchten Veranstaltung wurden auch schwierige Fragen debattiert.

2014 wurde die Moderation der Dialogrunde, die zunächst bei Herrn Naumann lag, an den Integrationsbeauftragten übergeben. Seither ist das Büro des Integrationsbeauftragten die Koordinierungsstelle des Interreligiösen Dialoges.

Seit 2015 werden die Dialogrunden von den Religionsgemeinschaften zusammen mit dem Büro des Integrationsbeauftragten, abwechselnd in den verschiedenen Religionsgemeinden durchgeführt.

Zur Woche der Brüderlichkeit 2016 zeigte der Interreligiöse Dialog den Film „Monsieur Claude und seine Töchter“. Vor der Filmvorführung stellten sich die beteiligten Religionsgemeinschaften aus dem Interreligiösen Dialog vor.

Am 16.09.2017 besuchten Teilnehmer*innen des Interreligiösen Dialoges die Sonderausstellung „Zeig mir, was du glaubst – Religiöse Vielfalt in Charlottenburg und Wilmersdorf“ im Museum Charlottenburg-Wilmersdorf in der Villa Oppenheim.
Weitere Informationen zur Ausstellung