Charlottenburg-Wilmersdorf: Grünanlagen - Volkspark Wilmersdorf

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Umgebungsplan Volkspark Wilmersdorf
Bild: Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf
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Bild: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen

So erreicht man den Volkspark Wilmersdorf

S-Bahn S 41, S 42, S 45, S 46, S 47 Bundesplatz

U-Bahn U 7 Blissestrasse, U 9 Bundesplatz

Bus 101, 249 Am Volkspark

Fotodokumentation

Wissenswertes zum Gartendenkmal Volkspark Wilmersdorf

Der Park folgt einer eiszeitlichen Wasserrinne, die sich bis zur Koenigsallee in Grunewald erstreckte.
Er war ein ehrgeiziges Projekt der wohlhabenden Gemeinde Deutsch-Wilmersdorf (Stadtrechte 1906). Die seit 1899 verfolgte Planung des „Seeparks“ lag seit 1904 in den Händen des Gemeinde-Obergärtner (seit 1906 Stadtobergärtner, 1920 Bezirksgartendirektor) Richard Thieme (1876-1948).

Zwischen Blisse- und Rudolstädter Straße wurde nach 1903 in der nicht bebaubaren Fennrinne ein Regenauffangbecken ausgehoben (Fennsee ). Der Wilmersdorfer See verlandete zunehmend.
Der Gesamtentwurf Thiemes von 1912 sah eine Gestaltung im gemischten Parkstil des 19. Jahrhunderts vor und war in drei Teile untergliedert.

Teil A vom bereits 1910-12 angelegten Rudolf-Wilde-Park in Schöneberg (Grenze: Kufsteiner Str.) über die Prinzregentenstraße bis zur Kaiserallee, 1913 ausgeführt
Teil B von der Kaiserallee bis zur Augustastraße (heute Blissestraße), erst 1933-36 nach neuem Entwurf ausgeführt
Teil C von der Augustastraße bis zur Rudolstädter Straße, 1913-1920 ausgeführt

Teil A.
Der Entwurf passte sich in seiner landschaftlichen Form dem existierenden Schöneberger Teil an. Er enthielt einen ovalen Kleinkinderspielplatz ganz im Osten. Die Wiese östlich der Prinzregentenstraße sollte Spielwiese sein. Von beiden Seiten der Prinzregentenstraße führten Natursteintreppen mit Balustraden und Vasen hinab. Der Teil westlich der Prinzregentenstraße war für Erwachsene bestimmt. Westlich dieser Straße lag ein achteckiger Blumengarten. Zur Kaiserallee hin öffnete sich ein halbkreisförmiger Platz, auf dem ebenfalls weiße Holzbänke mit Sprossen-Lehnen standen.

Teil B.
Teil B war als das am attraktivsten gestaltete Herzstück geplant. Thiemes Entwurf enthielt zu beiden Seiten der Kaiserallee (Bundesallee) geometrische Schmuckplätze, ein geometrisches Blumenparterre mit Blumenbeeten, eine große gebogene Wandelhalle mit einem Orchesterraum, Bedürfnisanstalt Erfrischungshalle. Von hier sollte man den Wilmersdorfer See als zentrales Element übersehen können, in dem sich die Auenkirche von 1897 spiegelte.
An der Augustastraße war eine strenger gefasste Spielwiese geplant mit Bänken für Zuschauer.

Teil C.
Für den schwierigen Geländeteil Teil C mit dem Auffangbecken verzichtete Thieme auf besondere Anziehungspunkte. Hier entstand 1913 im Zuge der Barstraße das Viadukt mit der U-Bahn. Die ursprünglichen monumentalen Arkaden mit zwei Wandelgängen für Parkspaziergänger müssen ein sehr attraktives Element gewesen sein. Die Wandelhallen hatten an den Enden Anschluss an die Parkwege. Im Westen endete der Park mit einer zentralen Freitreppe.

1917-1945 hieß der Park Hindenburgpark.
In der Mitte des Platzes an der Kaiserallee wurde 1921 der Speerwerfer von Karl Möbius in einem Blumenbeet aufgestellt (1954 neu gegossen).
Wegen Fäulnisgerüchen wurde der Wilmersdorfer See 1920-24 mit Müll und Schlacke verfüllt, sackte aber immer wieder ab.

1921 war Thieme genötigt, Teil B umzuplanen. Der Spielplatz im Osten, eine große rechteckige Spielwiese in der Mitte, im Westen eine Planschwiese waren als ein großer Raum an einer Achse aufgereiht. Wegen des Grundstücksverlaufs war die Achse abgeknickt. Sie leitete auf den Platz mit dem Speerwerfer über, so dass auch der Abschnitt A gestalterisch angebunden war.

Nach der „Machtübernahme“ wurde 1933-36 Teil B mit Nachdruck ausgeführt. Der Entwurf wurde nochmals überarbeitet. Die Hoffnung auf Erhaltung des Sees wurde begraben. Straffe Monumentalität war das Ergebnis. Erhalten blieb die Idee der abgeknickten Achse, die die Teile des Parks verband. Dabei entstanden eine Liegewiese, eine Blumenanlage, Sondergärten, ein Spielplatz, eine Platanenallee, anstelle des Sees ein Sportplatz, weiter östlich eine Spielwiese mit der umgesetzten Boxerplastik vom Fehrbelliner Platz sowie eine Sonnenuhr, die später an die verlängerte Uhlandstraße versetzt wurde. Westlich der Kaiserallee wurden zwei Unterstellhäuschen errichtet, das größere im Norden mit Milchausschank.

Nach Bauschäden durch Setzungen musste die Fennbrücke 1934-35 erneuert werden, wobei die Wandelgänge verschwanden. Der Park wurde dadurch um seine Hauptattraktion gebracht. Die notwendig gewordenen Änderungen waren gravierend. Auch der Durchgang unter der Brücke ist seitdem nicht mehr möglich. Die Wege mussten über die Barstraße geführt werden.

1952/53 wurde Teil B völlig umgestaltet. Dabei wurde im östlichen Teil ein größerer Wiesenraum und ein Stauden- und Blumengarten gewonnen, in den die beiden Unterstellhäuschen in vereinfachter Form übernommen wurden. Jeglicher gestalterischer Zusammenhang der Teile ist aber seitdem aufgegeben. Die von Thieme so weit wie möglich integrierten Sportplätze wirken nur noch als störende Barrieren. Die Rampen der Fußgängerbrücke beanspruchen einen großen Teil des Parks. Denkmalschutz seit 1995.

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