Charlottenburg-Wilmersdorf: Grünanlagen - Rüdesheimer Platz

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Umgebungsplan Rüdesheimer Platz
Bild: Michael Richert © OpenStreetMap-Mitwirkende CC-BY SA
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So erreicht man den Rüdesheimer Platz

U-Bahn U 1 Rüdesheimer Platz

Bus 186 Rüdesheimer Platz

Fotodokumentation

Wissenswertes zum Gartendenkmal Rüdesheimer Platz

Das so genannte Rheingauviertel zwischen Laubacher und Binger Straße ist ein Versuch der ausgehenden Kaiserzeit, den Charakter englischer Gartenstädte mit großstädtischer Dichte zu verbinden. Der Plan zu einer einheitlichen Bebauung des Viertels stammt von 1906. Die viergeschossigen Mietshäuser sind in Anlehnung an den englischen Landhausstil erbaut. Vor allen Häusern befinden sich ansteigende Rasenvorgärten und in den Erdgeschossen Rankgerüste. 1909 erhielt der Platz seinen Namen. Straßennamen und Skulpturenschmuck beziehen sich auf das damals beliebte Reiseziel Rheingau. Mittelpunkt ist der Rüdesheimer Platz.

Nach Vertrag von 1906 hatte die Terraingesellschaft Berlin-Südwesten die Plätze zu entwerfen und nach Genehmigung durch die Gemeinde auszuführen. Die Gesellschaft schrieb einen hoch ausgepreisten Wettbewerb aus, an dem sich über 300 Künstler beteiligten. Die Ergebnisse wurden deutschlandweit beachtet und 1911 in den Zeitschriften Gartenkunst und Gartenwelt publiziert. Den ersten Preis erhielt die Arbeitsgemeinschaft des Gartenarchitekten Heinrich Berg und des Architekten H. von Hoven, beide Frankfurt am Main. Der Entwurf sah eine Dreigliederung des Platzes vor: Im Westen eine erhöhte Terrasse mit einem Springbrunnen an der Kante, dessen Wasser sich über die Stützmauer in ein darunter befindliches rechteckiges Becken ergoss. Die Terrasse war mit würfelförmig geschnittenen Bäumen bepflanzt. Der Mittelteil bestand aus einer schmucklosen Rasenfläche. Im Osten war ein Baumhain vorgesehen. Dieser Teil schloss mit einer halbrund vorspringenden Balustrade gegen die Rasenfläche ab.

Ein nicht näher bezeichneter Entwurf wurde im Februar 1911 genehmigt. Die Akte mit dem Planungsvorgang fehlt. Der Plan der Wettbewerbssieger wurde für die Ausführung stark modifiziert. Möglicherweise hat der Architekt Paul Jatzow oder der Wilmersdorfer Stadtgarteninspektor Rudolf Thieme an den Änderungen mitgewirkt. In einem Artikel von 1943 heißt es sogar, Thieme habe den Platz wie den Olivaer Platz selbst angelegt. Nach Angaben der Berlinischen Bodengesellschaft erfolgte hingegen die Ausführung des Platzes durch sie. Viele Details sprechen dafür, dass Thieme Planung und Bauleitung machte und die Gesellschaft die Aufträge vergab. In den westlichen Ecken der großen Rasenfläche finden wir quadratische Blumenbeete mit dreifach gestaffelter Bepflanzung, innen Rhododendron. Dieses Element hatte Thieme identisch auf dem Brabanter und auf dem Olivaer Platz verwendet. Die erhöhte Terrasse sprang jetzt ähnlich wie beim Olivaer Platz im Bogen in den Platz vor, auch das Wasserbecken folgte dem Bogen. Efeu hing die Stützmauer hinab wie auf dem Olivaer Platz. Zur Straße hin finden wir steile Rasenböschungen, begleitet von geschnittenen Säuleneichen, am oberen Böschungsrand standen Rosenbögen, alles Motive wie auf dem Olivaer Platz.

Der Baumhain im Osten wurde abweichend vom Wettbewerbsentwurf in der Mitte durch ein kleines Rasenparterre unterbrochen, um die Blickbeziehung zur Landauer Straße freizugeben. Auf die Balustrade an dieser Seite wurde verzichtet, der Vorplatz schwingt nur im leichten Bogen zum Rasenraum vor.

Bereits im Juni 1911 wurde der Platz mit einem Gartenfest eingeweiht. Statt des Springbrunnens wurde eine monumentale Skulptur eines rossebändigenden Siegfrieds von Emil Cauer ausgeführt. Seitlich lagerten zwei Flussgötter (Vater Rhein und Weinbaugöttin, irrtümlich auch “Mosel” genannt). Acht Masken in der Stützwand spritzen Wasser in das Becken. 1913 übernahm die Stadt den Platz in ihre Pflege.

In der Folge gab es unablässig Probleme mit Kindern, die im Brunnen spielten.

1978 wurde anstelle des Rasenparterres ein Blumengarten von Landschaftsarchitekt Prof. Eberhard Fink angelegt. Er besteht aus Blumenfeldern in der Mitte und Rosenbeeten am Rand. Dazwischen befinden sich Rasterflächen auf denen weiße tragbare Gartenstühle und Oleander aufgestellt wurden. Ziel der Umgestaltung war die Gewinnung eines vom Ballspiel ungestörten Aufenthaltsraumes.

1988 wurde der Platz als wichtiges Zeugnis der Reformgartenkunst kurz nach 1900 unter Denkmalschutz gestellt.

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