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Schülersprecher*innen SV, BSA, LSA

Berlin, November 2019

Demokratie in der Schule - Engagement und Beteiligung der Schüler*innen entwickeln und fördern

Zur Demokratie gehört die Zivilgesellschaft, gehören Bürger, die sich einmischen und versuchen, die Gemeinschaft betreffende Entscheidungen mitzubestimmen.

Bürger sind auch Kinder und Jugendliche.

Sie können zwar in Berlin mit dem 16. Lebensjahr an BVV-Wahlen teilnehmen, aber was haben sie vorher gelernt, um aktive Staatsbürger zu werden?
Was tut die Schule, um Engagement und Beteiligung in den Kindern und Jugendlichen zu entwickeln und sie für die Zivilgesellschaft vorzubereiten?
SuS erleben die im Schulgesetz verankerten Beteiligungsgremien SV, die Bezirksgremien (BSA, BSB) und Landesgremien (LSA, LSB). Darüber hinaus Mitwirkungsmöglichkeiten in der Schulkonferenz und in anderen schulischen Strukturen.

Reichen diese aus, um die Schülerschaft, nach zehn oder zwölf bzw. dreizehn Schuljahren als mündige Bürger zu entlassen?
Nein, weil nur ganz wenige SuS aktiv werden können.

Dabei sollte die jugendliche Entwicklungsphase Möglichkeiten zur Verantwortungsübernahme und zur Herausbildung sozialer Kompetenz bieten.
Z.T. geschieht es an Schulen, die Mediatoren ausbilden, einen Schulsanitätsdienst organisieren und Schülerzeitungen gestalten.
Auch Schulen, die Service Learning „Lernen durch Engagement“ betreiben, wirken positiv auf die jugendliche Entwicklung ein.

Das bisher Genannte ist aber zu wenig und erreicht die meisten Schüler*innen nicht.

Es gibt aber Instrumente, um die gesteckten Ziele besser zu erreichen

  • Schülerhaushalt
  • Klassenrat
  • Bildung von lokalen Bildungslandschaften. Vernetzung mit kommunalen Einrichtungen
  • Kinder- und Jugendbüros
  • Kinder- und Jugendparlament
  • Würdigung von Schülerengagement: Berliner Schüler-FreiwilligenPass
  • Demokratietag.

Im Folgenden wird aufgezeigt, wie die genannten Projekte, Programme, Institutionen in Berlin bzw. in Deutschland funktionieren und landesweite Ereignisse stattfinden.
Von größter Bedeutung ist, wie effektiv die verschiedenen Projekte in Schulen hineinwirken und Gremien/Organisationen mit ihnen kooperieren, wie Großveranstaltungen aufzeigen, wie bedeutend Engagement und Beteiligung ist.

Schülerhaushalt

2012 hat die Bertelsmann-Stiftung den Schülerhaushalt bekannt gemacht und angeregt, dass Kommunen dieses Instrument der Schülerbeteiligung finanziell unterstützen. (siehe Power-Point-Präsentation)
In Berlin hat 2015 die Servicestelle Jugendbeteiligung die Betreuung übernommen und im Bezirk Mitte werden seitdem Schulen bei der Durchführung unterstützt. Mittel in Höhe von 3-4000 EUR stellt das Schulamt zur Verfügung.
Schüler*innen aus jeder Klasse haben die Möglichkeit, Vorschläge zu unterbreiten und sie erleben es im gleichen Schuljahr, also zeitnah, Projekte auf dem Schulhof, in der Mensa, Cafeteria oder im IT-Bereich umgesetzt werden. Sie erleben Selbstwirkungserfahrung.
Weitere Informationen unter www.schuelerhaushalt.de/index.html

Klassenrat

Er ist das Instrument, um Probleme der Schüler untereinander, aber auch mit Lehrkräften zu behandeln und meistens auch zu lösen.
Erfurt und Winnenden wären vielleicht zu vermeiden gewesen, wenn damals Konflikte in den Klassen und in der Schule behandelt worden wären. Aber auch die jüngsten Beispiele des Suizids in einer Berliner Grundschule und der Vorfall in der Kennedy-Schule mit dem jüdischen Jungen zeigen, dass großer Handlungsbedarf besteht.
Das Wertvolle am Klassenrat ist außerdem, dass demokratische Spielregeln gelernt und praktiziert werden, dass Engagement und Beteiligung für Klassenaktivitäten und das Schulleben stattfinden.
Es gibt Grund- und auch Sekundarschulen, die den Klassenrat durchführen; die DeGeDe ist sehr bemüht, ihn zu institutionalisieren.
Entscheidend wäre, ihn in der Stundentafel zu integrieren, was besonders in Gymnasien ein Problem darstellen dürfte.
Weitere Informationen unter www.derKlassenrat.de

Bildung von lokalen Bildungslandschaften

Die Vernetzung der Schule mit kommunalen Einrichtungen (Kita, Hort, Seniorenheim,
Bahnhofsmission, Wärmestube, Suppenküche, Berliner Tafel, Behinderten-Einrichtung, DLRG, Sportvereine, Jugendfeuerwehr, THW-Jugend, Parteien, Kirchen u.a.) setzt voraus, dass Lehrkräfte den Kontakt herstellen und die SuS betreuen, besuchen und den Einsatz evaluieren und auswerten.
So etwas findet statt bzw. in Ansätzen von Schulen, die Service-Learning / Lernen durch Engagement durchführen.

An den Gymnasien tun das SuS aus eigenen Stücken in ihrer Freizeit nach dem Unterricht, am Wochenende oder in den Ferien.
Um Engagement und Beteiligung der Schülerschaft in und außerhalb der Schule zu fördern und zu betreuen, sollte die Bedeutung im Ethikunterricht thematisiert werden und mindestens zwei Lehrkräfte aus Poolstunden für ihren Einsatz mit Freistunden bedacht werden.

Kinder-Jugend-Büros / Kinder-Jugend-Beteiligungsbüros

KiJub, KJBb, KJBM, KJB, KiJuBü gibt es in den meisten Bezirken.
Sie sind personell in der Regel mit mindestens zwei Personen ausgestattet und behandeln eine Reihe von Projekten (Jugend-/Bürgerhaushalt, Kinder- & Jugendjury, U-18 Wahl, Kinderrechte, Feriensommer, …), die vor allen Dingen Jugendliche aus außerschulischen Organisationen und Einrichtungen ansprechen und aktivieren.
Aber es gibt auch einen engen, intensiven Kontakt zu den SV der Schulen durch die Betreuung und Beratung des BSA (Bezirksschülerausschuss) und damit zum BSB, LSA und LSB.
Nach der konstituierenden Sitzung durch Personen des Schulamtes übernimmt das Kinder- und Jugendbüro die Unterstützung.
Als intensives Instrument des Erfahrungsaustausches erweisen sich vom BSA organisierte SV-Vernetzungstage, die die Oberschulen zusammenführen.

Kinder- und Jugendparlament (KJP)
In Berlin gibt es lediglich zwei KJP, in Charlottenburg-Wilmersdorf (seit 2003) und Tempelhof-Schöneberg.
Ein Landes-Kinder-und Jugendparlament ist angedacht.
Das Besondere am KJP ist die Möglichkeit für Kinder und Jugendliche zu erleben, wie Anträge in die BVV (Bezirksverordnetenversammlung) zur Umsetzung und Realisierung weitergeleitet werden.
Das unterscheidet das KJP gravierend vom BSA, BSB und den Landesgremien.

Deutschlandweit gibt es KJP in mehreren Bundesländern auf verschiedenen Ebenen. Sie funktionieren unterschiedlich.
Das KJP Marburg führt die Sitzungen nachmittags erst ab 16:30 Uhr durch und verhindert so Unterrichtsausfall. Bei fünf und mehr Sitzungen ist das besonders für Gymnasiasten in den oberen Klassen durchaus ein Punkt. Außerdem liegt echtes Engagement vor, wenn es zum Nachmittagseinsatz kommt.
Die Wahl ins KJP erfolgt auf verschiedenen Wegen. Am sinnvollsten erscheint sie, wenn sie aus der SV heraus geschieht und nicht getrennt. Sie ermöglicht dann einen viel intensiveren anregenderen Informationsfluss in beide Richtungen. (KJP SV)

Würdigung von Schülerengagement: Berliner Schüler-FreiwilligenPass
In Berlin wird bürgerschaftliches Engagement seit 2005 durch eine Urkunde des Regierenden Bürgermeisters (Berliner FreiwilligenPass) gewürdigt. Zuständig für die Ehrungsveranstaltung ist die Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales und wurde zunächst zweimal im Jahr, im Frühjahr und Herbst, durchgeführt.
Seit 2014 kommt es zu reinen Schülerveranstaltungen am Ende des Schuljahres und zu einer Kooperation mit der Senatsverwaltung Bildung, Familie und Jugend und der Senatskanzlei.

Demokratietag
Mehrere Bundesländer veranstalten für Kinder- und Jugendliche den Demokratietag.
In Rheinland-Pfalz hat er eine lange Tradition und fand zum 13. Mal statt.
Dass er für die Schülerschaft und Jugend in Rheinland-Pfalz ein ganz besonderes Ereignis darstellt, ist die Tatsache, dass es sich die Ministerpräsidentin und die mit Schule und Jugendarbeit beschäftigten Minister*innen nicht nehmen lassen, der Veranstaltung von 9:00-16:00 Uhr ein besonderes Gepräge zu geben.

Der Demokratietag gliedert sich in drei Teile: Aktionsbühne (Grußworte, Diskussionen, Schülerdarbietungen usw.), Workshops mit 30 Organisationen und Markt der Möglichkeiten mit über 60 Ausstellern.
Er wird unterstützt vom Landtag, der Staatskanzlei, mehreren Ministerien, Institut für Lehrerfort- und -weiterbildung, ZDF, SWR, DeGeDe, Bertelsmann-Stiftung, Ebert-Stiftung, Deutsche Kinder- und Jugendstiftung, Landesjugendring u.a.
Es nehmen seit Jahren über 600 SuS / Jugendliche teil und wirken mit den gemachten Erfahrungen in die Schulen und Jugendorganisationen hinein.
Großes Engagement und rege Beteiligung die Folge!

FAZIT

Die sieben behandelten Bereiche zeigen, dass in Berlin Handlungsbedarf besteht.
Will man die Zivilgesellschaft, dann muss in der Schule angefangen werden.

Es sind über 300 000 SuS, die erreicht werden können. Sie sind offen und begeisterungsfähig; sie wollen sich engagieren und beteiligen; sie stellen ein ganz großes Potential dar, das nicht weiterhin in ganz großen Teilen brach liegen bleiben darf.