Altes Café des Westens ("Café Größenwahn")

1893-95 als hochherrschaftliches Wohnhaus am Kurfürstendamm mit Attikageschoss erbaut. Im Erdeschoss erstes Kaffeehaus des Neuen Westens: “Kleines Café”; von Anbeginn Treffpunkt von Künstlern und Intellektuellen; seit 1898 “Café des Westens”. Geburtsstätte des deutschen Kabaretts nach Pariser Vorbild: 1901 gründeten hier Ernst von Wolzogen das “Überbrettl” (Domizil in der Alexanderstraße 40) und Max Reinhardt “Schall und Rauch” (Domizil Potsdamer Platz). 1904 Umbau und Vergrößerung (Spiel- und Billardsäle im 1. Obergeschoss) durch den Eigentümer Ernst Pauly. Im Café des Westens verkehrten neben vielen anderen: Richard Strauss, Alfred Kerr, Maximilian Harden, Christian Morgenstern, Frank Wedekind, Carl Sternheim, Emil Orlik. In den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg wurde das Café des Westen zum Mittelpunkt des literarischen Expressionismus: Else Lasker-Schüler, Herwarth Walden, René Schickele, Roda Roda, Erich Mühsam, Paul Scheerbarth u.v.a. Hier entstanden 1910 “Der Sturm” und 1911 “Die Aktion”.
1913 gründete Ernst Pauly das neue Café des Westens im Hause des Union-Kino-Palastes; zwei Jahre existierten beide Cafés nebeneinander, 1915 Schließung des alten Café des Westens; ein Versuch, es 1928 wieder erstehen zu lassen, scheiterte. 1920-22 Kabarett “Größenwahn” im ersten Obergeschoss.
1932 Filiale von Restaurant und Konditorei Kranzler ; Ausstattung im Biedermeierstil, 1938 Erweiterung, April 1945 Zerstörung; Neubau nach dem Krieg. Die “Kranzler-Ecke” wurde zum wohl populärsten Fotomotiv West-Berlins.