Abwasserhauptpumpwerk Charlottenburg

Mit der massiven Bevölkerungszunahme Ende des 19. Jahrhunderts wuchs das Problem der Abwasserentsorgung. Deshalb dachte der Magistrat der Stadt Charlottenburg bereits in 70-er Jahren des 19. Jahrhunderts über Lösungsmöglichkeiten nach.
Der Antrag des Magistrats, die Abwässer in die bereits bestehenden Anlagen der Stadt Berlin einzuleiten, wurde vom Magistrat der Stadt Berlin abgelehnt. Nur Randgebiete der Stadt, wie zum Beispiel die Gegend um den Nollendorfplatz und die Kurfürstenstraße oder Martinikenfelde, heute Moabit, wurden entwässerungstechnisch an das Berliner Radialsystem VII und VIII angeschlossen. Radialsysteme sind Pumpwerke, die an verschiedenen tiefen Punkten in der Stadt gebaut wurden und zu denen das Abwasser fließen konnte. In den Radialsystemen wurde das Abwasser dann gesammelt und auf die Rieselfelder außerhalb Berlins gepumpt. Die Stadtverordnetenversammlung Charlottenburg beschloss daraufhin 1885 eine eigene Kanalisation zu bauen, orientierte sich aber am System der Berliner.

Im Zweiten Weltkrieg wurde das Pumpwerk zerstört und nach dem Krieg wieder aufgebaut. Das Hauptpumpwerk Charlottenburg ist im Moment das einzige noch mit Personal besetzte Pumpwerk in Berlin.

Heute gibt es ähnliche Herausforderungen wie Ende des 19. Jahrhunderts. Berlin wächst, und auch die Wasserbetriebe investieren, damit die Infrastruktur auf dem neuesten Stand bleibt. Insgesamt werden in den kommenden Jahren zwei Milliarden Euro in die Werke und Netze fließen. Auch hier am Standort ist viel geplant.

Das seit 1890 an der Sophie-Charlotten-Straße 114 betriebene Abwasserhauptpumpwerk Charlottenburg – es ist das zweitgrößte seiner Art in Berlin – soll bis 2021 durch einen Neubau auf dem schräg gegenüber befindlichen früheren Güterbahnhofsgelände ersetzt werden. Damit der Übergang vom alten auf das neue Werk nahtlos klappt, müssen zahlreiche Leitungen von Trinkwasser bis Gas um- und neu verlegt werden.

Neben dem neuen Pumpwerk entsteht gleichzeitig auch deutlich mehr Speicherkapazität für Abwasser bei Starkregen, um Überläufe in die Spree stark zu verringern. So wird ein 7.000 Kubikmeter fassendes Regenbecken gebaut und ein bereits vorhandener, 2,40 Meter mächtiger Abwasserkanal um 210 Meter verlängert, damit er künftig als Stauraumkanal genutzt werden kann.

In alle Neu- und Umbauten von Werken, Becken und Leitungen an der Sophie-Charlotten-Straße investieren die Berliner Wasserbetriebe mehr als 60 Millionen Euro.