Ehemaliges Gaswerk Charlottenburg

am Charlottenburger Verbindungskanal zwischen Gaußstraße und S-Bahnstrecke
Der Reservoirturm ist als Baudenkmal geschützt.

1889-91 wurde das Gaswerk Charlottenburg nach Entwürfen des Architekten Paul Bratring errichtet. Nach Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg wurde es wieder aufgebaut und war damit eines von vier wieder in Betrieb genommenen Gaswerken West-Berlins. In den 1960er Jahren wurde die Gaserzeugung aus Kohle auf Gasproduktion durch Spaltung von Leichtbenzin umgestellt. 1974 wurde der erste, damals weltweit größte Kugel-Hochdruckbehälter in Betrieb genommen, der zweite folgte 1977. Die beiden 50 Meter hohen Stahlkugeln können jeweils 317.000 Kubikmeter Gas speichern. Sie prägen die Silhouette des Gewerbegebietes an der Gaußstraße. Mit der Umstellung der Gasversorgung Gesamt-Berlins auf Erdgas wurde das Gaswerk 1991 stillgelegt. Die beiden Kugeln wurden allerdings für eine zehnjährige Übergangszeit bei der Umstellung von Stadt- auf Erdgas noch benötigt.

Im Sommer 2006 wurden die beiden Kugeln der Dibag Industriebau AG aus München übergeben, die damit das gesamte Areal des alten Gaswerks besitzt.
Von den ehemals 33 Gaswerken in Berlin existiert keines mehr, von insgesamt 119 größeren Gasometern sind nur die vier modernen Kugel-Hochdruckbehälter in Charlottenburg und Mariendorf, sowie die zwei Niederdruckbehälter als Baudenkmale in Schöneberg und Mariendorf erhalten.

Ein kleiner Teil des Gaswerkes lag – zwischen Ringbahn und Sickingenstraße – östlich des Charlottenburger Verbindungskanals. Wahrscheinlich deshalb verblieb dieser Zipfel bei der großen Bezirksgebietreform von 1938 bei Charlottenburg, während das umliegende Areal (“Martinikenfelde”) an Moabit ging.

Lesen Sie dazu auch den (eher spekulativen) Beitrag von M. Roeder im Kiezer Weblog vom Klausenerplatz.

s. auch:
Erdgaslager, Glockenturmstraße