Erster Zwischenbericht zur Sanierung und Rekonstruktion des Rathauses Charlottenburg

Ornamentmalerei - Arbeiten Kuppelraum 3. Obergeschoss

Es galt, den bauzeitlichen Gestaltungswillen wiederzubeleben, erfahrbar zu machen und ins rechte Licht zu setzen. Dafür musste der im letzten Jahrzehnt angewachsene bauliche Sanierungsrückstau abgearbeitet werden.

Verklärende Objektzustände, wie u. a. die Verschmutzung von Wand- und Deckenoberflächen wurden denkmalgerecht entfernt und die wertvolle Substanz malermäßig überarbeitet.

Bauliche Veränderungen sind nach historischen Vorbildern zurückgebaut worden, wie z.B. an den Bodenfliesen deutlich zu erkennen ist.
Bei der Beleuchtung war eine Anpassung an die moderne Lichttechnik auch unter energiewirtschaftlichen Erwägungen erforderlich. Durch eine sorgfältig ausgewählte Farbtemperatur wird nunmehr das Architekturerleben behutsam unterstützt.

Allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die zu diesem baulichen Zwischenergebnis beigetragen haben, gilt mein persönlicher Dank; insbesondere Frau Lohse UD, Herrn Dipl.-Rest. Grell, dem Architektenbüro Saalbach AIV und dem Oberbauleiter Herrn Dipl.-Ing. Schultze.

Wolfgang Daus

Farbbefunduntersuchung

Haupttreppenhaus TH A mit den angrenzenden Flügeln der drei Obergeschosse

Farbbefunduntersuchung

Die farbtechnische Untersuchung der gesamten Raumschale sah vor, neben der Analyse der Farbschichtenabfolge eine Zuordnung der Renovierungsphase zu erstellen und sämtliche Hinweise auf eine bauzeitliche Gestaltung zu finden.
Mit der Auswertung von 40 Befundstellen konnte nachgewiesen werden, dass die früheste Farbgebung nur den nachkriegszeitlichen Wiederaufbau darstellt.
Aufgrund der lang anhaltenden freien Bewitterung der Ruine bis in die Wiederaufbauphase um 1952 musste eine vollständige Neuverputzung aller Wand- und Deckenbereiche vorgenommen werden.
In der Befundstellenauswertung ist ein Sondierungsschnitt des Wandaufbaus im ersten Obergeschoss dargestellt. An der roten Punktmarkierung ist die Entnahme einer Materialprobe für die mikroskopische Querschliffauswertung zu erkennen.
Im rechten Bildrand zeigt sich der mikroskopische Farbschichtenaufbau.
Mit der Abfolge von acht Schichten können drei Renovierungsphasen ermittelt werden.

Ornamentmalerei Kuppelraum 3. Obergeschoss

Ornamentmalerei - Kuppelraum 3. Obergeschoss

Zur Baufertigstellung im Jahre 1905 gab es noch keine ornamentale Ausgestaltung der Decken- und Wandoberflächen.

Eine ursprünglich vorgesehene Monumentalmalerei wurde wegen Einsparungen am Bauprogramm zurückgestellt.

Mit fotografischen Bildquellen der Nachkriegszeit lagen Hinweise auf die dekorative Ausgestaltung vor. Aus den Schwarz-Weiß-Aufnahmen konnte die Anordnung von Schablonendekoren im Gewölbe ermittelt werden.

Ornamentmalerei

Die exakte Zuordnung von vermutlich vier variierenden Motiven wie auch der konstruktive Aufbau erschien wegen der eingeschränkten Bildqualität und infolge der durch freie Bewitterung der Ruine beeinflussten Oberflächen unmöglich.

Für das Deckengewölbe wurde ein Blütenmotiv individuell neu entwickelt. Es sollte sich in Art und Dimension an die Fotovorlage anlehnen und die historische Flächenverteilung wieder aufgreifen.

  • *historisches Foto der Rankenmalerei der Portalsupraporte*<br /> Die Rankenmalerei der Portalsupraporte konnte deutlich aufgeschlüsselt werden. <br /> Die Farbuntersuchung ergab, dass in den betreffenden Objektbereichen keine Befunde zur Farbigkeit erhoben werden konnten. <br /> <br /> "Vollbild":/ba-charlottenburg-wilmersdorf/ueber-den-bezirk/sonstiges/bezirk-von-a-bis-z/mdb-bacharlottenburg-wilmersdorf-bezirk-rathaeuser-rathauscharlottenburg-sanierunghth-historisches_foto_der_rankenmalerei_der_portalsupraporte.jpg

  • Mit dem Wunsch, die Dekoration wiederzubeleben, wurde die Rekonstruktion konzeptionell auf Basis einer Grauwertdifferenzierung realisiert.<br /> <br /> "Vollbild":/ba-charlottenburg-wilmersdorf/ueber-den-bezirk/sonstiges/bezirk-von-a-bis-z/mdb-bacharlottenburg-wilmersdorf-bezirk-rathaeuser-rathauscharlottenburg-sanierunghth-fertiges_dekor.jpg

  • Das Dekor der Supraportenmalerei wurde mittels Projektion lichttechnisch auf einer Trägerplatte simuliert und gemäß den Umrisslinien rekonstruiert. Über fünf Farbwertstufen wurde die Ranken- und Blütenmalerei ausgeführt.<br /> <br /> "Vollbild":/ba-charlottenburg-wilmersdorf/ueber-den-bezirk/sonstiges/bezirk-von-a-bis-z/mdb-bacharlottenburg-wilmersdorf-bezirk-rathaeuser-rathauscharlottenburg-sanierunghth-das_dekor_der_supraportenmalerei_wurde_mittels_projektion_lichttechnisch_auf_einer_tr__gerplatte_simuliert_und_gem_____den_umrisslinien_rekonstruiert..jpg

Natursteingliederung

Unnatürliche Verbräunung durch frühere Reinigungsmaßnahmen

Natursteinausstattung

Die sehr wertvolle Natursteinausstattung des Charlottenburger Rathauses ist stilistisch durch Jugendstilformen geprägt. Von dem namhaften Bildhauer Hermann Gieseke wurde die durch Linien betonte Werksteingliederung vielseitig mit Ornamenten belegt. Die aus dem maritimen Formenrepertoire stammenden Vorbilder wurden stark stilisiert in die wuchtigen Pfeiler- und Bogenelemente integriert. Das Ornament findet grundlegend als integraler Bestandteil des Architekturgerüstes Verwendung.

negativ verstärktes Erscheinungsbild

Mit der Beseitigung von Kriegsschäden fand eine deutliche Vereinfachung und Reduktion der bildhauerischen Gestaltung statt.
Eine grobe Sandstrahlbehandlung reduzierte ebenso erheblich die feine Werksteinbearbeitung.

Maßgeblich wurde aber der hellgraue Sandsteincharakter durch ein später eingesetztes Nassreinigungsverfahren mit Säuren beeinflusst. Eisenverbindungen des Sandsteines wurden durch saure Bestandteile mobilisiert und lagerten sich oberflächennah mit der Trocknung als verklärende Braunverfärbung ab.

Im Ergebnis liegt ein negativ verstärktes Erscheinungsbild vor, in dem Vertiefungen des Reliefs hell und die Höhen dunkel sind.

wieder hergestellter ursprünglicher Charakter

Mit einem speziell konfektionierten Kompressenverfahren werden die Verbräunungen nachhaltig beseitigt und der ursprüngliche Charakter wieder hergestellt. Hierbei werden die Eisenverbindungen angelöst und bauphysikalisch über einen verschobenen Verdunstungshorizont in der Kompressenauflage aufgefangen. Mit der anschließenden Trocknung wird die Kompresse abgenommen und die Sandsteinoberfläche mit einem schonenden Feinstrahlverfahren im Niederdruckbereich nachgereinigt.

Instandsetzung der Bodenfliesen in allen drei Geschossebenen des Haupttreppenhauses

alter Zustand der Bodenfliesen

Die vorhandenen Bodenfliesen zeigten in allen Etagen zum Teil erhebliche Risse, Abplatzungen, einen hohen Verschmutzungsgrad und unterschiedliche Formatgrößen.

Nach denkmalgerechter Vorgabe gliedert sich die Bearbeitung wie folgt:
  • Reinigung
  • Ausbesserungen einzelner Fliesen
  • Rekonstruktion größerer Bodenflächen

Einsetzung neuer Bodenfliesen, umliegend ist der gereinigte Zustand der alten Fliesen zu sehen.

Die “neuen” Bodenfliesen wurden nach den originalen Vorlagen gefertigt und der Unteren Denkmalbehörde in mehreren Schritten zur Begutachtung vorgelegt, d.h., die Rezeptur der Grundstoffe und der Farben musste mit dem Hersteller entsprechend abgestimmt werden. Die Fliesen wurden im Einbrandverfahren bei 1200° C gebrannt und aus vorab hergestellten Basisfliesen per Hand nach dem historischen Rosenspitzmuster geschnitten und gefast.Die “neuen” Bodenfliesen wurden nach den originalen Vorlagen gefertigt und der Unteren Denkmalbehörde in mehreren Schritten zur Begutachtung vorgelegt, d.h., die Rezeptur der Grundstoffe und der Farben musste mit dem Hersteller entsprechend abgestimmt werden. Die Fliesen wurden im Einbrandverfahren bei 1200° C gebrannt und aus vorab hergestellten Basisfliesen per Hand nach dem historischen Rosenspitzmuster geschnitten und gefast.

Beleuchtung

Beleuchtungskonzept

Das neu entwickelte Beleuchtungskonzept sah vor, eine gleichmäßige Ausleuchtung der Deckengewölbe anzustreben. Hierfür wurden die vorhandenen Deckenleuchten aus den 50er Jahren durch Schalenleuchten ersetzt, die sich formal an einer Lampenschale aus der Gedenkhalle des Seeling – Anbaues von 1916 orientieren.

Montage der Deckenbeleuchtung

Sie sind, wie die Wandleuchten und die Beleuchtungskörper der Stützenkapitelle, aus einem faserverstärkten Gips gefertigt und bilden die Grundlage für ein neues Architekturerlebnis der gewölbten Deckenflächen.

Eine Weiterverwendung der ehemaligen Leuchten ist nach deren Reinigung und Instandsetzung vorgesehen.

Fotos: W.& E. Daus
Fachliche Texte: Dipl.- Rest. Grell