Drucksache - 0270/4  

 
 
Betreff: Projekt "Männer gegen Gewalt" auch in Charlottenburg-Wilmersdorf
Status:öffentlich  
 Ursprungaktuell
Initiator:SPD/Grüne/CDU 
Verfasser:Wuttig/Hansen/Dr. Vandrey/Kaas Elias/Klose 
Drucksache-Art:AntragVorlage zur Kenntnisnahme
Beratungsfolge:
Bezirksverordnetenversammlung Beratung
14.06.2012 
10. Öffentliche Sitzung der Bezirksverordnetenversammlung Charlottenburg-Wilmersdorf von Berlin überwiesen   
Ausschuss für Gender Mainstreaming Beratung
17.10.2012 
9. Öffentliche Sitzung des Ausschusses für Gender Mainstreaming mit Änderungen im Ausschuss beschlossen   
Ausschuss für Soziales, Gesundheit und Arbeit Beratung
27.09.2012 
8. Öffentliche Sitzung des Ausschusses für Soziales, Gesundheit und Arbeit vertagt   
18.10.2012 
9. Öffentliche Sitzung des Ausschusses für Soziales, Gesundheit und Arbeit mit Änderungen im Ausschuss beschlossen   
Bezirksverordnetenversammlung Beratung
25.10.2012 
13. Öffentliche Sitzung der Bezirksverordnetenversammlung Charlottenburg-Wilmersdorf von Berlin ohne Änderungen in der BVV beschlossen   

Sachverhalt
Anlagen:
Antrag
Dringlichkeitsbeschlussempfehlung
Beschluss
Vorlage zur Kenntnisnahme

Die BVV möge beschließen:

Projekt "Männer gegen Gewalt" auch in Charlottenburg-Wilmersdorf

 

 

Die BVV beschließt:

 

Das Bezirksamt wird gebeten, sich beim Bezirksamt Neukölln und dem Verein "Aufbruch Neukölln" über das Projekt "Männer gegen Gewalt" zu informieren, um ggf. ein ähnliches Projekt im Bezirk einzurichten.

 

Der BVV ist erstmalig zum 31.01.2013 zu berichten.

 

Das Bezirksamt teilt dazu mit:

 

Die Abteilung Soziales und Gesundheit hat sich wunschgemäß beim Bezirksamt Neukölln und dem Verein Aufbruch Neukölln e.V. über das Projekt "Männer gegen Gewalt" informiert und teilt dazu folgendes mit:

 

Der Verein Aufbruch Neukölln e.V. stellt sich als gemeinnütziger Verein mit Sitz in Berlin vor. Die Vereinsräume befinden sich im Familienkompetenzzentrum in der Falkstraße 27, 12053 Berlin. Er zählt nach eigener Angabe derzeit 40 Mitglieder (beitragsfrei), stammend aus 22 Ländern. Für den Verein sind derzeit circa 150 Männer und Frauen ehrenamtlich tätig.

Der Verein finanziert seine Arbeit aus privaten Spenden, Spendenmitteln der Wirtschaft (Philip Morris), Preisgeldern und finanziellen Mitteln, die der Vorsitzende des Vereins einbringt.

 

Der Verein setzt sich in Neukölln für die Bewohnerinnen und Bewohner des Bezirks ein und ist überwiegend präventiv in sozialen, schulischen, erzieherischen und familiären Bereichen tätig. Fachlichen Bezug hat die Tätigkeit des Vereins dort zu der für Jugend, Familie und Schule zuständigen Abteilung des Bezirksamtes.

 

Der Verein hat im Rahmen seiner vielfältigen Projekttätigkeit auch das Thema Gewalt in den Fokus gestellt und mit vorwiegend türkischen Männern Aktionen zum Thema geplant und durchgeführt.

 

Ein Schwerpunkt ist die Sensibilisierung türkischstämmiger Schülerinnen, Schüler und deren Eltern an als problematisch angesehenen Schulen des Bezirks Neukölln für einen Verzicht auf Gewaltanwendung bei der Auseinandersetzung in privaten sozialen Bezügen, vornehmlich im familiären Bereich.

Hintergrund ist der Umstand, dass aus Sicht des Vereins die Scheidungsraten in den Familien mit Migrationshintergrund sehr hoch sind. Insbesondere die Männer kommen mit Trennungs- und Scheidungssituationen oft nicht gut zurecht und leiden unter psychischen Problemen. Hinzu kommen der Verlust von Respekt innerhalb der Familie und die erkennbare und wachsende Distanz der Kinder zum Kulturursprung der Eltern, mit verursacht durch externe Einflüsse in der Sozialisation. Dies führt oft zu Gewalt in den Familien als auch mittelbar zu Gewalt an Schulen oder in anderen sozialen Bezügen der Kinder.

 

Multikulturelle Elternarbeit hat im Bezirk Neukölln das Ziel, Familien und Menschen in anderen Beziehungskonstellationen bei der Bewältigung schwieriger Lebenssituationen zu helfen, die bilinguale Sprachkompetenz (Deutsch/Türkisch) zu fördern und mangelhafte Alphabetisierung zu überwinden. Über diesen Weg versucht der Verein, türkischstämmige Bürgerinnen und Bürger des Bezirks zu einem toleranten und gewaltfreien Leben zu bewegen.

 

Der Verein unterhält nach eigener Auskunft derzeit über 30 Projekte für Mütter, Väter und Eltern, deren Kinder Schulen und/oder Kindertagesstätten besuchen.

 

Der Vereinsvorsitzende Herr Erdogan hat angeboten, die Arbeit seines Vereins interessierten Bezirksverordneten persönlich vorzustellen und die Möglichkeit des Aufbaus von Gruppen im Bezirk zu diskutieren.

 

Bei der Prüfung, ob ein Projekt "Männer gegen Gewalt" analog dem in Neukölln hier einzurichten wäre, hat sich ergeben, dass die Gruppe der Menschen türkischer Herkunft mit 11 % die zweitgrößte Migrantengruppe nach der aus der ehemaligen Sowjetunion und Nachfolgestaaten (12,9 %) und vor der polnischer Herkunft (10,1 %) sowie 4.018 der 18-65jährigen Männer einen türkischen Migrationshintergrund haben (im Vergleich: 11.933 in Neukölln).

 

Daraus folgt, dass die Charlottenburg-Wilmersdorfer Problemlagen mit den "Neuköllnäquivalenten" Problemlagen nur bedingt vergleichbar sind. Besonders hohe Scheidungsraten in Familien türkischer Herkunft sind hier nicht bekannt.

 

Das Jugendamt und seine Erziehungs- und Familienberatungsstelle haben einige Mitarbeiter/innen mit türkischer Kultur- und Sprachkompetenz. Weiterhin hält die EFB (Erziehungs- und Familienberatung) der Caritas Beratungskompetenzen in unterschiedlichen Sprachen vor. Darüber hinaus steht das Berliner Zentrum für Gewaltprävention e.V. in der Leibnizstr. in Charlottenburg mit seinem Anti-Gewalttraining für Männer und Frauen und seinem Angebot zur Verfügung, um einzeln oder in Gruppen Menschen jedweder Herkunft bei der Entwicklung gewaltloser Lebensperspektiven in Partnerschaft, Familie und Gesellschaft zu unterstützen.

 

Bereits jetzt sind kulturelle Vielfalt und gute vernetzte soziale Angebote ein Markenzeichen des Bezirks. Die Erweiterung der Angebote für Migrantinnen und Migranten entsprechend dem Profil des Projekts "Männer gegen Gewalt" könnte ein weiterer Baustein für Integration und Förderung der Kultursensibilität sein.

 

Verbunden wäre die Einrichtung einer solchen geführten Gruppe laut Vereinsvorsitzenden mit einem finanziellen Aufwand von ca. 4.300 Euro pro Jahr. Darin sind enthalten: Honorare für je eine weibliche und männliche Fachkraft (Gruppenleitung) in Höhe von 25 ? pro Stunde, 300 ? für Kaffee, Tee und Gebäck. Bei dieser Kalkulation wird davon ausgegangen, dass die Räume für die Gruppenarbeit in bezirkseigenen Einrichtungen kostenfrei zur Verfügung gestellt werden, dies dürfte inzwischen immer schwieriger sein und wäre noch zu prüfen.

 

Aufgrund der fehlenden Haushaltsmittel sieht das Bezirksamt derzeit keine Möglichkeit, ein solches Projekt im Bezirk einzurichten.

 

Das Bezirksamt bittet, den Beschluss als erledigt anzusehen.

 

 

 

Reinhard Naumann                                                                                    Carsten Engelmann

Bezirksbürgermeister                                                                                    Bezirksstadtrat

 

 

 
 

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