Wichtige Informationen für Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine und Helfende

Українська - Ukrainian Важлива інформація для біженців війни з України

Informationen zum Coronavirus

„Benjamin - wohin?“: Premiere des Deutsch-Jüdischen Theaters

Pressemitteilung vom 05.04.2018

Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann und Kulturstadträtin Heike Schmitt-Schmelz besuchen am Sonntag, dem 08.04.2018, um 19.00 Uhr die Premiere des Stücks „Benjamin – wohin?“ von Hermann Sinsheimer (1883-1950) im Theater Coupé, Hohenzollerndamm 177, 10713 Berlin.

Nach dem erfolgreichen Neustart des Deutsch-Jüdischen Theaters im Dezember 2017 präsentiert das neue Leitungsteam nun die erste Premiere mit einer Einführung der Literaturwissenschaftlerin und Herausgeberin der neuen Hermann-Sinsheimer Werkausgabe Dr. Deborah Vietor-Engländer.

Weitere Aufführungen finden statt am 12., 13., 14., 15.04. sowie a, 12. und 13.05.2018. Eintritt 25,00 Euro (ermäßigt 15,00 Euro).

Hermann Sinsheimer hat 1928 in seiner Münchner Zeit Hitler für eine “Saisonerscheinung” und lediglich für ein “historisches Exkrement” gehalten. Aber er hat dann nach Hitlers Machtergreifung schmerzlich begreifen müssen, dass Judesein und Deutschsein sich nicht verbinden ließen. Seine nichtjüdische Frau, die Schauspielerin Anny Balder, war auf ihre Muttersprache angewiesen. Ab 1. Januar 1934 durften jüdische Redakteure nicht mehr ins Theater, sodass er nicht mehr für das Berliner Tageblatt schreiben konnte. Er blieb zunächst in Deutschland, um seinem gefährdeten Bruder Ludwig zu helfen. Er beschäftigte sich mit Themen aus der jüdischen Geschichte und veröffentlichte 1934 und 1935 zwei kleine Romane: Maria Nunnez und Rabbi Golem Kaiser im jüdischen (im Dritten Reich zunächst zugelassenen) Philo-Verlag. Er berichtete für jüdische Zeitschriften über Aufführungen im Jüdischen Kulturbund und bearbeitete für Fritz Wisten „Benjamin – wohin?“. Im April bis Anfang Juni 1938 gelang es ihm, nach Palästina zu reisen, wo er aber feststellte, dass er in seinem prekären gesundheitlichen Zustand kein Auskommen finden konnte. Am 6. Juni 1938 kam er in London an. Dort erreichte ihn im Dezember das Telegramm über die erfolgreiche Aufführung seiner Bearbeitung von „Benjamin – wohin?“.
Das Staatliche Jüdische Theater Moskau hatte 1928 ein Gastspiel im Berliner Theater des Westens gegeben und dort ein Stück nach dem Buch von Mendele Mojcher Sforim „Die Fahrten Binjamins des Dritten” aufgeführt. Mendeles Buch war daraufhin in einem Berliner Verlag in deutscher Übersetzung erschienen, und Fritz Wisten (eigentlich Moritz Weinstein), Oberspielleiter des Theaters des Jüdischen Kulturbundes, hatte Sinsheimer gebeten, daraus ein Bühnenstück zu machen. Das Theater, das zu diesem Zeitpunkt nur noch jüdische Stücke zeigen durfte, denn Juden sollten keine deutschen Autoren spielen, war trotzdem und vielleicht auch gerade deshalb für viele noch in Berlin lebenden Juden ein geselliger und identitätsstiftender Ort. „Benjamin – wohin?“ von Hermann Sinsheimer erlebte seine erste Aufführung am 15. Dezember 1938, das war fünf Wochen nach der Pogromnacht.

Berlin hatte seit 2001 wieder ein Jüdisches Theater unter der Leitung von Dan Lahav. Mit dem Tod des israelischen Theaterschaffenden musste auch sein Haus geschlossen werden. Mit Unterstützung des Kulturamtes Charlottenburg-Wilmersdorf hat das Deutsch-Jüdische Theater seit Dezember 2017 eine neue Heimat. Das Coupé Theater ist ein kleines, gemütliches Theater im Herzen von Berlin, das 1994 nach den Entwürfen des Malers und Bühnenbildners Professor Viktor Müller-Staedt am Hohenzollerndamm 177 im Gebäude des Bürgeramtes und der Kommunalen Galerie realisiert wurde.
Geplant sind neue Projekte wie „Dibbuk-Besessen“ nach Salomon An-Ski, ein traditionelles jüdisches Motiv erlebt die Verbindung mit der Aktualität von 2018 und die Zusammenarbeit mit jungen israelischen Autoren.

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Marketing, Vertrieb: Bettina Exner, Tel 0176 72261305 oder E-Mail: dt.juedisches.theater.verein@gmail.com und unter www.djthe.de.

Im Auftrag
Gottschalk