Neuer Name: Johanna-Moosdorf-Bibliothek

Pressemitteilung vom 19.09.2008

Die Stadtteilbibliothek Neuwestend, Westendallee 45, 14052 Berlin wird am Mittwoch, dem 24.9.2008, um 17.00 Uhr feierlich nach der Schriftstellerin Johanna Moosdorf benannt.
Nach einführenden Worten des Bezirksstadtrats für Weiterbildung, Marc Schulte und der BV-Vorsteherin Dr. Marianne Suhr hält Dr. Regula Venske den Festvortrag “Johanna Moosdorf – Schriftstellerin gegen das Vergessen”.
Johanna Moosdorf (geb. 1911 in Leipzig) lebte von 1959 bis zu ihrem Tode am 2.6.2000 in Charlottenburg-Wilmersdorf in der Kastanienallee 27, wo eine Gedenktafel an sie erinnert. Ihre schriftstellerische Karriere begann erst in den 50er Jahren, nachdem sie während des Nationalsozialismus nicht veröffentlichen konnte und die DDR nach wenigen Jahren als Redakteurin verlassen musste.
Bereits ihre frühen Romane wurden von den Zeitgenossen in eine Linie mit den Werken von Wolfgang Koeppen und Heinrich Böll gestellt. 1961 gelang ihr mit dem Roman “Nebenan”, für den sie zwei Jahre später den Nelly-Sachs-Preis erhielt, der literarische Durchbruch. Ihr wichtigstes Werk ist der 1989 erschienene Roman “Jahrhundertträume”, in dem sie die Geschichte ihres eigenen Lebens literarisch verarbeitet. Ein zentrales Thema der Schriftstellerin, deren erster Ehemann von den Nationalsozialisten ermordet wurde, war der im Alltagsleben nach 1945 unaufgearbeitete Nationalsozialismus. Besondere Aufmerksamkeit fand ihre Darstellung unkonventioneller Frauengestalten, mit denen sie die Emanzipation der Frauen unterstützte und vorwegnahm. Auch gleichgeschlechtliche Beziehungen zwischen Frauen thematisierte sie in ihrem Roman “Die Freundinnen”, der erst 1977 erschien.

Marc Schulte
“Nachdem zunächst engagierte Frauen dafür sorgten, dass am Wohnhaus Kastanienallee 27 eine Gedenktafel angebracht wurde, hat nun die Bezirksverordnetenversammlung beschlossen, Johanna Moosdorf zu würdigen, indem man die im Stadtteil Neu-Westend beheimatete Stadtteilbibliothek nach ihr benennt. Besonders freue ich mich, dass wir die Autorin und Publizistin Dr. Regula Venske dafür gewinnen konnten, uns in ihrem Festvortrag die Biografie und das Werk Johanna Moosdorfs in Erinnerung zu rufen.”

Im Auftrag

Metzger