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Engmaschige Betreuung konnte den Tod von Mutter und Kind nicht verhindern

Pressemitteilung vom 07.12.2007

Reinhard Naumann, Bezirksstadtrat für Jugend, Familie, Schule und Sport und
Martina Schmiedhofer, Bezirksstadträtin für Soziales, Gesundheit, Umwelt und Verkehr nehmen wie folgt Stellung:

“Als für den Kinderschutz politisch Verantwortliche sind wir zutiefst betroffen, dass es trotz einer intensiven fachlichen Begleitung und medizinischen Unterstützung zu diesem Todesfall gekommen ist. Der Sachverhalt stellt sich wie folgt dar: Am 23.10.2007 brachte Frau A. ihre Tochter Alexandra per Kaiserschnitt zur Welt. Seit dem 19.9. war das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf von Berlin über diese Risikoschwangerschaft informiert. Frau A. war 24 Jahre alt, hatte die lettische Staatsbürgerschaft und lebte seit 2004 in Berlin. Sie war als Kokainkonsumentin bekannt und war mit einer niedrigen Viruslast HIV-positiv. Zudem war sie an Hepatitis C erkrankt. Seit dem 26.9. war sie in Kontakt mit dem Rudolf-Virchow-Klinikum, das auf die Betreuung HIV-positiver schwangerer Frauen spezialisiert ist. Es war weder eine Drogensubstitution der Mutter noch eine Entzugsbehandlung des Säuglings nach der Geburt erforderlich. Die Entscheidung, den Säugling nicht von der Mutter zu trennen, wurde in Übereinstimmung mit dem Sozialdienst des Rudolf-Virchow-Klinikums getroffen. Ausschlaggebend hierfür war, dass Frau A. von allen Fachkräften eine gute Prognose gestellt wurde. Eine engmaschige Betreuung von Mutter und Kind wurde wie folgt festgelegt:
  • Wöchentliche Kinderarztsprechstunde im Haus des Säuglings
  • Wöchentliche Hausbesuche durch eine Kinderkrankenschwester
  • Regelmäßige Urinkontrollen in der Infektionsambulanz des Rudolf-Virchow-Klinikums.
    Hinzu kam die regelmäßige kinderärztliche Untersuchung im Rudolf-Virchow-Klinikum.
    Am 30.10. fand die Entlassung des Säuglings aus der Klinik in den Haushalt der Kindesmutter statt. Unmittelbar zuvor erfolgte der erste Hausbesuch zweier Sozialarbeiterinnen. Die Wohnung war in einem guten, sauberen Zustand und auf die Versorgung des Säuglings vorbereitet.
    Frau A. wurde bei den verabredeten Hausbesuchen regelmäßig angetroffen, zuletzt am 26.11. (Montag). Die kinderärztliche Untersuchung des Gesundheitsamtes am 14.11. (Mittwoch) zeigte eine kindgerechte Entwicklung. Das Mädchen hatte 400 g zugenommen. Das von den Fachkräften erwartete gute Mutter-Kind-Verhältnis wurde bestätigt. Frau A. selbst war wie bei allen Hausbesuchen sehr gepflegt. Auch die am 22.11. (Donnerstag) zuletzt erfolgte Untersuchung in der kinderärztlichen Ambulanz des Rudolf-Virchow-Klinikums ergab kein anderes Bild.
    Am 30.11. (Freitag) hat Frau A. beim Hausmeister einen Handwerkertermin für den 3.12. (Montag) ausgemacht, an dem sie nicht angetroffen wurde.
    Bei dem als Folgetermin vereinbarten Hausbesuch am 5.12. (Mittwoch) wurde der Kinderkrankenschwester nicht geöffnet. Mehrfache Versuche der telefonischen Kontaktaufnahme schlugen fehl. Ebenso blieb ein erneuter Anruf am 6.12. (Donnerstag) um 9 Uhr erfolglos. Mittags wurde das Jugendamt vom Klinikum darüber informiert, dass Frau A. die für den Vormittag angesetzte kinderärztliche Untersuchung versäumt hatte. Unverzüglich suchten zwei Sozialarbeiterinnen die Wohnung erneut auf. Als wieder nicht geöffnet wurde, wurden Polizei und Feuerwehr eingeschaltet. Diese brachen die Wohnungstür auf, in der Mutter und Kind tot aufgefunden wurden.
    Bezüglich des vorläufigen Obduktionsbefundes wird auf die Presseinformation der Staatsanwaltschaft hingewiesen.”

Im Auftrag

Metzger