«Starke Typen»: Altes Museum zeigt griechische Porträts

«Starke Typen»: Altes Museum zeigt griechische Porträts

Antike griechische Porträts können in Sachen Idealisierung als Vorläufer des heutigen Selfie-Zeitalters gesehen werden.

Altes Museum

© dpa

Das Gebäude vom Alten Museum in Berlin-Mitte.

Parallelen und Unterschiede zwischen einem Halbgott in Stein und einem Schnappschuss auf Instagram macht das Berliner Alte Museum mit der Ausstellung «Starke Typen. Griechische Porträts der Antike» deutlich. Bis zum 2. Februar sind dort neben eigenen Beständen Leihgaben der Glyptothek München und des Liebieghaus Frankfurt zu sehen, die meisten Objekte als römische Kopien der griechischen Originale.

Antike Porträts: Es geht um den Typus, nicht das Individuum

Andreas Scholl, Direktor der Berliner Antikensammlung, wies am Dienstag (18. Juni 2019) auf die Eigenschaften solcher Porträts hin. Wiedergegeben werde der Typus, nicht das Individuum des Porträtierten. Kuratorin Nina Zimmermann-Elseify macht das am Beispiel einer Homer-Büste deutlich. Das Porträt sei erst rund 200 Jahre nach dem Tod des Dichters geschaffen worden. Niemand habe da mehr gewusst, wie Homer ausgesehen habe. Das Porträt hat geschlossene Augen, weil Homer blind gewesen sein soll. Auch das ist laut Zimmermann-Elseify nicht belegbar. Blinden sei aber ein besonderes Erinnerungsvermögen nachgesagt worden - was wieder zum antiken Dichter und dem gewünschten Porträt gepasst habe.
Die Ausstellung thematisiert so die Entwicklung des griechischen Porträts zwischen Ideal und Individualisierung, angenommener Identität und tatsächlicher Inszenierung.
Bildnis des griechischen Philosophen Sokrates – Bildnis des griechischen Philosophen Sokrates © Staatliche Antikensammlungen und Glyptothek München / Foto: Renate Kühling
© Staatliche Antikensammlungen und Glyptothek München / R. Kühling

Starke Typen

Das Porträt als Bildnis einer bestimmten, realen bzw. historischen Person ist eine wichtige Errungenschaft der griechischen Kunst. Sie wirkt über die römische Kaiserzeit und die Renaissance bis heute fort und bildet die Grundlage der westlich-abendländischen... mehr

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Mittwoch, 19. Juni 2019 15:19 Uhr

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