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Verbotene Bilder: Eisenbahnfotografie in der DDR

BAB fördert Foto-Ausstellung

Transportpolizist mit Schäferhund auf dem Bahnhof Schöneweide im Oktober 1976
Transportpolizist mit Schäferhund auf dem Bahnhof Schöneweide im Oktober 1976
Bild: DDRFotoerbe/Karl Düker

Samstag, 19. November 2022 – Samstag, 7. Januar 2023

Freitags: 14 – 19 Uhr
Samstags: 11 – 14 Uhr

Vernissage: Samstag 19. November 2022, 18 bis 21 Uhr

Veranstaltungsort:

DDR Fotoerbe
Pfarrstraße 113
10317 Berlin

Die Ausstellung „Verbotene Bilder: Eisenbahnfotografie in der DDR“ erzählt die Geschichte zweier Fotografen, die durch ihre Leidenschaft für Lokomotiven in den Blick des DDR-Ministeriums für Staatssicherheit gerieten. Der Berliner Beauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur hat die Ausstellung gefördert.

Einer der beiden Fotografen ist Karl Düker. Nachdem in der Bundesrepublik Deutschland der Dampflokbetrieb 1977 eingestellt worden war, suchte einige westdeutsche Eisenbahnliebhaber nach Fotomotiven in der DDR. So auch Düker, dessen Fototouren die Stasi bis ins kleinste Detail dokumentierte.

Die Stasi vermutete Militärspionage

An den Bahntrassen und Bahnhöfen war die Transportpolizei im Einsatz. Die Polizisten befragten Düker regelmäßig und führten Protokoll über seine Aktivitäten. Als westdeutscher Tourist, der sich für das Thema Eisenbahn interessierte und mit West-Equipment fotografierte, war er für das MfS verdächtig – vermutete man doch das er militärische Objekte und Anlagen ausspionieren wollte. Im Gegensatz zu anderen hatte Düker jedoch immer Glück – er wurde nie lange festgehalten.

Blick aus geöffneten S-Bahn-Türen auf eine Dampflok BR 52 Altbau mit schwerem Kohlenzug Höhe Pankow Heinersdorf Juni 1976
Blick aus geöffneten S-Bahn-Türen auf eine Dampflok BR 52 Altbau mit schwerem Kohlenzug Höhe Pankow Heinersdorf Juni 1976
Bild: DDRFotoerbe/Karl Düker

Der Ost-Berliner Fotograf Klaus D. Friede kam nicht so glimpflich davon. Auch er entdeckte in den 1980er Jahren seine Leidenschaft für Dampflokomotiven. Als Geschäftsreisender kam er in der DDR herum, fotografierte in der Lausitz, in Thüringen und im Erzgebirge.

Die Stasi hatte den Fotografen im Blick

Friede besaß eine Fotoerlaubnis der Deutschen Reichsbahn, eine Seltenheit in der DDR. Trotz dieser Erlaubnis wurde er regelmäßig schikaniert. Ohne genau zu wissen worum es sich handelte, fotografierte er regelmäßig die geheimen „Wismut-Transporte“ oder die Transporte der Armee. Für die besten Fotos kletterte er auf Loks und Wagen, häufig wurde er deswegen von der Transportpolizei abgeführt. Mitarbeiter des MfS konfiszierten sein Fotomaterial und durchsuchten seine Wohnung. Klaus D. Friede beantragte nach dem Ende der DDR seine Stasi-Akten und erfuhr erst beim Lesen der Akten, dass er kurz vor der Verhaftung stand.

Die Ausstellung der Initiative DDR Fotoerbe zeigt mit Bildern und Schautafeln anhand der Biografien beider Fotografen, wie schnell Menschen durch ein auf den ersten Blick unverfängliches Hobby in den Blick der Stasi geraten konnten.

Die Schau in der Pfarrstraße 113 im Kaskelkiez (Victoriastadt) öffnet am 19. November 2022 um 18 Uhr mit einer Vernissage in Anwesenheit der beiden Fotografen und kann dann bis zum 07. Januar 2023 jeweils freitags von 14 bis 19 Uhr und samstags von 11 bis 14 Uhr kostenlos besucht werden. Weitere Informationen und eventuelle Änderungen der Öffnungszeiten finden Sie unter www.ddrfotoerbe.de.

Plakat Ausstellung "Verbotene Bilder: Eisenbahnfotografie in der DDR
Bild: DDRFotoerbe, Foto: DDRFotoerbe/Karl Düker