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Info-Tafeln in Ex-Stasi-Zentrale und im Lichtenberger Straßenraum übergeben

Pressemitteilung vom 11.05.2022

Kooperationsprojekt mit Informationen zur Geschichte, zur heutigen Nutzung und zu vertiefenden Angeboten

Berlin, 11. Mai 2022 – Ein neues Informations- und Leitsystem mit Geschichtstafeln ist heute in der Stasi-Zentrale. Campus für Demokratie und im Stadtgebiet von Lichtenberg in Betrieb gegangen. Dazu gehören 21 digitale und analoge Tafeln im Innenhof der ehemaligen Stasi-Zentrale, im umliegenden Straßenraum sowie am benachbarten Roedeliusplatz. Die Tafeln geben einen Überblick über die Geschichte des Areals, bieten Informationen zur heutigen Nutzung der Gebäude und erleichtern die Orientierung auf dem großen Gelände. Das Projekt ist eine Kooperation des Stasi-Unterlagen-Archivs im Bundesarchiv (BArch), des Berliner Beauftragten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur (BAB) und des Bezirks Berlin-Lichtenberg. Die vorläufigen Gesamtkosten belaufen sich auf ca. 438.000 Euro. Die Laufzeit des Projekts betrug rund zwei Jahre. Die Erarbeitung der Inhalte auf den Tafeln wurde durch zivilgesellschaftliche Vereine unterstützt. Das System wird ergänzt durch einen Online-Rundgang, der über QR-Codes vor Ort abrufbar ist.

„Mit dem Wegeleitsystem ist ein wichtiger nächster Schritt in der Entwicklung der ‚Stasi-Zentrale. Campus für Demokratie‘ getan“, erklärt Alexandra Titze, Vizepräsidentin des Bundesarchivs. „Es macht das Gelände für Besuchende erfahrbarer und es zeigt eine weitere Stärke des Campus: Die Zusammenarbeit vieler verschiedener Akteure aus Land, Bund und Zivilgesellschaft.“

„Ein so politisch besetzter Ort muss in seiner Besonderheit erhalten und für Menschen sichtbar gemacht werden“, so Berlins Senator für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, Andreas Geisel. „Es geht hier um zentrale Fragen der Stadtplanung, der Kultur- und Erinnerungspolitik. Ich möchte, dass möglichst viel von der bau- und zeitgeschichtlichen Substanz genutzt werden kann. Orte wie der ‚Campus für Demokratie‘ haben nationale Bedeutung. Ihn zu gestalten, ist eine städtebaulich und baukulturell anspruchsvolle Aufgabe. Aus diesem Grund habe ich entschieden, den laufenden Bebauungsplan auf die Landesebene zu ziehen und von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen weiter bearbeiten zu lassen.“

Katrin Budde, Vorsitzende des Bundestagsausschusses für Kultur und Medien, sagte: „Bei der Novellierung des Stasi-Unterlagen-Gesetzes wurde der Auftrag der Vermittlung des besonderen Charakters und Symbolwerts der Stasi-Unterlagen am historischen Ort berücksichtigt. Der Campus für Demokratie, dieser wichtige Ort der Erinnerungskultur bekommt die Aufmerksamkeit und die Achtung, die er verdient. Das neue Informations- und Leitsystem, welches heute vorgestellt wird, ist ein wichtiger Schritt, um noch mehr Besucherinnen und Besucher herzulocken.“

Der Berliner Beauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Tom Sello, freut sich über den Abschluss des Projekts: „Die neuen Informationstafeln erleichtern den Zugang zur besonderen Geschichte des Ortes und den vielfältigen Angeboten vor Ort. Sie zeigen das große Potential des Areals als Erinnerungsort und lebendiges Zentrum in Lichtenberg. Deshalb gilt es in einer gemeinsamen Anstrengung von Berlin und Bund die Entwicklung des Campus für Demokratie energisch voranzubringen.“

Bezirksbürgermeister Michael Grunst sagte: „Der ‚Campus für Demokratie‘ muss noch stärker ein Ort werden, der über Diktatur und Widerstand aufklärt, und für Demokratie und die europäische Idee wirbt. Mit dem Info-Tafeln wird ein weiterer Schritt getan, damit der “Campus für Demokratie” in der öffentlichen Wahrnehmung sichtbarer wird. Die Tafeln sind Ergebnis eines breiten Beteiligungsprozesses. Ich danke allen, die sich daran beteiligt haben.“

Die Eröffnung fand gemeinsam mit Projektbeteiligten vor dem Besucherzentrum des Campus für Demokratie statt.

Zum Hintergrund:
Ziel des Leitsystems ist es, allen, die das Gelände besuchen, eine gute Orientierung zu bieten, auf aktuelle Angebote hinzuweisen und die Bedeutung des historischen Ortes kompakt zu vermitteln. Bereits 1945 hatte die Sowjetische Militäradministration rund um den Roedeliusplatz einzelne Gebäude beschlagnahmt und sie für ihren Unterdrückungsapparat genutzt. Ab 1950 organisierte auf dem rund sieben Hektar großen Gelände eine stetig wachsende Zahl an Stasi – Mitarbeitern (zuletzt fast 7.000) vom Hauptsitz des Ministeriums für Staatssicherheit aus die Überwachung und Unterdrückung der DDR-Bevölkerung. Durch seine zweifache Repressionsgeschichte vermittelt das Gelände mit vielen Dutzend Gebäuden eindrucksvoll die Mechanismen von Diktaturen. Zudem ist das Gelände ein wichtiger Ort der Friedlichen Revolution und deutscher Demokratiegeschichte. Im Januar 1990 drangen ostdeutsche Demonstranten in die Zentrale der DDR-Geheimpolizei ein und entrissen der SED endgültig ihr wichtigstes Machtintstrument. Die Öffnung der Stasi-Akten wurde nach monatelangen Diskussionen durch eine Besetzung des Archivs der Staatssicherheit im September 1990 entscheidend befördert.