Brandenburg will afghanische Ortskräfte dauerhaft aufnehmen

Brandenburg will afghanische Ortskräfte dauerhaft aufnehmen

Brandenburg will die im Land angekommenen Ortskräfte aus Afghanistan auch dauerhaft aufnehmen. Das erklärte Innenminister Michael Stübgen am Dienstag. «Wir hoffen, damit einen Beitrag leisten zu können, die weiteren Belastungen für die geretteten Menschen möglichst gering zu halten und aufwendige Bürokratie zu vermeiden.» Die Verteilung aller in Deutschland angekommenen Ortskräfte obliege aber dem Bundesinnenministerium, so Stübgen weiter. Brandenburg tausche sich dazu eng mit dem Bund und den anderen Bundesländern aus. Zunächst hatten die «Potsdamer Neuesten Nachrichten» berichtet, dass Land wolle 300 Ortskräfte dauerhaft aufnehmen.

Brandenburgs Innenminister Michael Stübgen (CDU)

© dpa

Brandenburgs Innenminister Michael Stübgen (CDU).

Nach Angaben des Innenministeriums sind mittlerweile 265 Menschen, davon 125 Kinder und Jugendliche, in Brandenburg angekommen und werden erstversorgt. «Wir wollen, dass die Menschen zur Ruhe kommen können und kümmern uns um die Erledigung aller notwendigen Formalitäten der Erstaufnahme», sagte Stübgen.
Der Leiter der Zentralen Ausländerbehörde in Brandenburg (ZABH), Olaf Jansen, sprach von 266 Menschen, die in Brandenburg aufgenommen wurden. Allen gehe es gesundheitlich gut. Unter den Aufgenommenen gebe es einen positiven Corona-Fall, der aber rechtzeitig erkannt worden sei, berichtete er der Deutschen Presse-Agentur am Dienstag. Die betroffene Frau sei getrennt untergebracht worden.
Die Erwachsenen werden Jansen zufolge derzeit sozialpädagogisch betreut. «Ihre Wünsche in Hinblick auf ihre weiteren Aufenthalte in Deutschland werden gerade aufgenommen.» Über die Art der Verteilung entscheide der Bund in den kommenden Tagen. Nicht jeder der Aufgenommenen wolle in Brandenburg bleiben, manch einer habe in anderen Bundesländern eine familiäre oder berufliche Anbindung. Die Menschen seien aufgrund ihrer Vorgeschichte leichter zu integrieren, einige Kommunen hätten sich schon gemeldet, Menschen aufzunehmen.
CDU-Fraktionschef Jan Redmann zeigte sich über die Bemühungen des Innenministeriums, die aufgenommenen afghanischen Ortskräfte im Land zu behalten, erfreut. «Das sind Menschen, die in der Vergangenheit sehr eng bereits mit deutschen Behörden, mit der Bundeswehr zusammengearbeitet haben. Sie verfügen in aller Regel über sprachliche Fähigkeiten im Deutschen oder Englischen, sind also auch gut qualifiziert und sind, denke ich, auch eine Bereicherung für unser Land.»
SPD-Fraktionschef Erik Stohn unterstrich die Notwendigkeit der Unterstützung bei der Aufnahme von Ortskräften. «Wir sind da bereit noch mehr zu organisieren, das hat der Innenminister ja auch deutlich gemacht.» Afghanistan und die Nachbarländer müssten unterstützt werden, um darauf zu reagieren, dass Menschen von dort flüchteten.
Auch die Grünen im Landtag begrüßten die Ankündigung des Innenministers. «Ob Wohnen, Sprache, Arbeit oder Teilhabe in den aufnehmenden Kommunen: Nun kommt es auch darauf an, dass die Integration gelingt», erklärte Fraktionschefin Petra Budke. Es müssten weiterhin alle Anstrengungen unternommen werden, um möglichst viele Menschen aus Afghanistan zu retten.
Die oppositionelle Linksfraktion hatte angesichts der dramatischen Lage ein Landesaufnahmeprogramm für mindestens 500 Flüchtlinge gefordert.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Dienstag, 24. August 2021 17:27 Uhr

Weitere Meldungen aus Brandenburg