Historiker beleuchten Flughafenareal Schönefeld zur NS-Zeit

Historiker beleuchten Flughafenareal Schönefeld zur NS-Zeit

Der Flughafenstandort Schönefeld bei Berlin hat eine dunkle Vergangenheit - eine, die ihren Anfang in der nationalsozialistischen Herrschaft hat. Die Verwaltung des heutigen BER-Flughafens sitzt auf dem Gelände und in Gebäuden der einstigen Henschel Flugzeug-Werke. Sie zählten während der NS-Zeit zu den bedeutendsten Rüstungsfabriken für Kampfflugzeuge und Bomben. Eine Gruppe von Historikerinnen und Historikern hat die Geschichte des Standortes erforscht und ihr Ergebnis am Montag als Buch präsentiert.

Verwaltung der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH

© dpa

Das Verwaltungsgebäude aufgenommen im April 2017.

«Das dunkle Kapitel über die Zeit der Henschel Flugzeug-Werke darf nicht in Vergessenheit geraten. Mit diesem Buch wollen wir aufklären und erinnern», teilte Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup mit.
Mit der Gründung der Flugzeug-Werke stieg der Henschel-Konzern 1933 in den Flugzeugbau ein. Es hatte zuvor vor allem Züge, Lastwagen und Busse gebaut. Wie die Autoren berichten, ergab sich so die Chance, vom Luftrüstungsprogramm der neuen Regierung zu profitieren. Nazi-Diktator Adolf Hitler und sein Luftfahrtminister Hermann Göring unterzeichneten die notwendigen Dokumente für den Bau der Flugzeugfabrik.
Im Mai 1935 konnten die ersten Flugzeuge produziert werden, zu Kriegsbeginn 1939 war das Werk vollendet. Die Fabrik wurde allerdings auch danach ausgebaut, da im Laufe des Krieges der Bedarf an Flugzeugen wuchs. Kampfbomber, Schlachtflugzeuge, Bomben - produziert für den Zweiten Weltkrieg, wie es in der Publikation heißt. Es entstanden neue Montagehallen, Luftschutzkeller und auch Barackenlager für Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene.
Henschel setzte angesichts des starken Facharbeitermangels mit ungelernten Arbeitskräften zunehmend auf Fließbandproduktion. Zunächst wurden deutsche Arbeitskräfte, ab 1938 nach und nach Fremdarbeiter eingesetzt. Dazu zählten niederländische Zivilarbeiter, aber auch sowjetische, polnische, französische und ukrainische Kriegsgefangene, in den letzten beiden Kriegsjahren auch KZ-Häftlinge. Sie alle leisteten, wie die Historiker betonen, gegen ihren Willen Zwangsarbeit. Bis 1943 wuchs die Belegschaft auf bis zu 13.000 Mitarbeitende an. Zahlreiche Menschen seien an Entkräftung und Krankheiten gestorben.
Mit den in Schönefeld hergestellten Flugzeugtypen und Bomben tötete die Luftwaffe nach Angaben der Autoren Soldaten wie Zivilisten und zerstörte viele Städte wie etwa in Spanien, in den Niederlanden, in England, Polen, auf dem Balkan und in der Sowjetunion.
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Viele Gebäude der Henschel Flugzeug-Werke sind heute noch erhalten. Im Verwaltungsbau sind die Geschäftsführung und verschiedene Bereiche der Flughafengesellschaft untergebracht. Sie zogen nicht zum BER-Terminal um, der Ende Oktober 2020 eröffnet wurde. In Nebengebäuden befinden sich Büros, Werkstätten, Konferenzräume oder die Kantine, die von vielen Mitarbeitenden täglich genutzt werden.
«Doch die meisten von uns wissen nur wenig über die damalige Funktion der Gebäude und Anlagen», sagte Lütke Daldrup. Mit dem Buch wolle man aufklären und ein Signal setzen. Heute stehe der Standort Schönefeld und der Flughafen für ein friedliches Miteinander der Menschen, für Freiheit und Völkerverbundenheit, für Toleranz und Respekt.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Montag, 16. August 2021 13:01 Uhr

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