Schulalltag beginnt: Eltern und Schüler kritisieren Start

Schulalltag beginnt: Eltern und Schüler kritisieren Start

Wieder gemeinsam lernen und im Pausenhof stehen: In Brandenburg gehen seit Montag die fast 300 000 Schülerinnen und Schüler wieder regulär zum Unterricht - unter Corona-Bedingungen. Aus Sicht der Eltern- und Schülervertreter sind die Einrichtungen vor allem bei den Themen Digitalisierung, Luftfilter und Lernstandserhebungen nicht genügend auf das neue Schuljahr vorbereitet. «Wir sehen den Beginn mit einem lachenden und einem weinenden Auge», sagte der Sprecher des Landeselternrats, René Mertens, der Deutschen Presse-Agentur.

Corona und Schulen

© dpa

Ein Mund-Nasen-Schutz liegt auf dem Tisch einer Schülerin.

Er kritisiert vor allem, dass es noch immer keinen Fahrplan für die Digitalisierung des Unterrichts gebe. «Es ist alles irgendwo angeschoben, aber letztlich verlieren wir uns im Klein-Klein von Zuständigkeiten und gegenseitigem Blockieren - das kann's doch nicht sein», kritisierte er. Als Beispiel nannte der Landeselternvertreter die immer noch fehlenden Laptops für Lehrkräfte und die Schul-Cloud, die noch keine datenschutzrechtliche Genehmigung habe. Einzig positiv sei, dass ein Großteil der Lehrkräfte geimpft sei.
Jetzt erst unter den Schülern abzufragen, wer ein mobiles Endgerät brauche, komme viel zu spät, kritisierte die Sprecherin des Landesschülerrates, Katharina Swinka. «Das werden wir in den kommenden Monaten merken.» Sie macht sich zudem Sorgen um Lernende, die beim Schulstoff nicht mitkommen. Die Lernstanderhebungen, die in etwa zwei Monaten durchgeführt werden sollen, kämen viel zu spät. «Wenn wir die Ergebnisse haben, sind wir schon wieder im nächsten Halbjahr.» Die Schülerinnen und Schüler stünden so nur noch mehr unter Druck, schätzte sie ein.
Zu Beginn des Schuljahres soll zunächst der Lernstand der Schüler erhoben werden, als Grundlage für ergänzende Lernangebote unter dem Motto «Aufholen nach Corona». Dafür stehen in Brandenburg 68,7 Millionen Euro bereit. Damit werden für zwei Schuljahre zusätzlich 200 Lehrer, 400 Studierende als Assistenzkräfte und zahlreiche zusätzliche Sozialarbeiter finanziert.
In den ersten sechs Wochen nach den Ferien sollen die Lehrkräfte auf Klassenarbeiten und Klausuren verzichten. Insgesamt soll die Zahl der Klausuren im kommenden Jahr reduziert werden, damit mehr Zeit für das Aufholen von Lernrückständen bleibt.
Die Schulen unterrichten unter Corona-Bedingungen. In den Gebäuden sind Corona-Masken Pflicht, das gilt für die Grundschüler zum Schutz vor einem Risiko durch Reiserückkehrer nur für zwei Wochen. Für alle, die eine Schule betreten wollen, sind regelmäßige Tests vorgeschrieben - oder ein Nachweis der Corona-Impfung oder der Genesung liegt vor.
Auch das Thema Luftfilter für die Schulen wird nach Ansicht von Elternvertreter Mertens weit «weggeschoben». Da sei viel Angst vor den Folgekosten für die Kommunen im Spiel, schätzte er ein. Mobile Lüftungsgeräte könnten mit Blick auf den Herbst und Winter wichtig sein, um die Schulen sicherer zu machen. Noch wichtiger sei aber ein Investitionsprojekt für alle bestehenden Schulen mit Be- und Entlüftungstechnik, forderte Mertens. «Gute Unterrichtsluft brauchen wir nicht nur in der Pandemie sondern auch in Zukunft.» Da müsse der Mut aufgebracht werden, auch Geld in die Hand zu nehmen.
Unterdessen haben sich auch die Erstklässler am Montag auf ihren ersten Schulweg gemacht. Die Polizei kontrolliert zwei Wochen lang im Umfeld von Schulen, um Verkehrsunfälle zu verhindern. «Insbesondere an Grundschulen soll so für mehr Sicherheit gesorgt werden, denn Grundschulkinder nehmen häufig zum ersten Mal aktiv am Straßenverkehr teil», teilte Innenminister Michael Stübgen (CDU) mit.
Nach Angaben von Pressesprecher Mario Heinemann hat die Polizei bei landesweiten Kontrollen am Montag bis 11 Uhr 529 Ordnungswidrigkeiten festgestellt. Etwa die Hälfte davon seien Geschwindigkeitsüberschreitungen gewesen. Aber auch fehlendes Halten bei Fußgängerübergängen war ihm zufolge unter den Verstößen. Allein diese Auswertung zeige, wie wichtig kontinuierliche Kontrollen und Gespräche seien, so Heinemann. «Die Kinder schauen auf uns Erwachsene. Von uns lernen sie und wir sollten Vorbild sein.»
Banner mit dem Schriftzug «Aufgepasst Brandenburg!» sollen Autofahrer, Radfahrer und Fußgänger zur Vorsicht und zur gegenseitigen Rücksichtnahme auffordern. Die Kampagne ist zunächst für drei Jahre angelegt.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Montag, 9. August 2021 17:08 Uhr

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