Länder forcieren gemeinsame Waldpolitik

Länder forcieren gemeinsame Waldpolitik

Angesichts immenser Schäden infolge von Klimakrise und Schädlingen wie dem Borkenkäfer wollen Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Brandenburg ihre Wälder robuster machen. Dazu haben sie am Freitag im westsächsischen Werdau eine gemeinsame Strategie vereinbart. Sie setzt auf mehr Mischwald, natürliche Verjüngung, den vorrangigen Einsatz heimischer Baum- und Straucharten, eine stärkere Jagd, besseren Schutz vor Waldbränden sowie mehr Totholz und Feuchtbiotope wie Moore. Auch soll bei der Holzernte der Boden mehr geschont und der Wald als CO2-Speicher gestärkt werden.

Gemeinsame Erklärung zum Waldschutz

© dpa

Unterzeichnung der Erklärung zur Waldpolitik der Zukunft von Sachsen, Brandenburg, Thüringen und Sachsen-Anhalt im Werdauer Wald.

«Die Klimakrise spiegelt sich in voller Dramatik in unseren Wäldern wider», betonte Thüringens Umweltministerin Anja Siegesmund (Grüne) bei der Unterzeichnung der Erklärung unter freiem Himmel. So seien in ihrem Bundesland nur noch etwa 15 Prozent des Waldes vital und ohne Schäden. Der Wald brauche «unseren Schutz und eine Bewirtschaftung, die sich an die Klimakrise anpasst». Sie verwies auf die jüngsten Hochwasserkatastrophen. Der Wald sei ein wichtiger Wasserspeicher bei starken Niederschlägen - diese Funktion gelte es zu stärken.
Probleme beim Waldumbau bereiten Experten zufolge hohe Wildbestände - etwa Rehe, die sich an den Trieben junger Bäume laben und die zarte Rinde schädigen. «Wir haben in Brandenburg im Landesschnitt rund 50 Prozent Verbiss», erklärte Forst- und Umweltminister Axel Vogel (Grüne). Das sei doppelt so hoch wie im Bundesschnitt. Das Wild müsse so weit reduziert werden, dass sich der Wald auf natürlichem Wege verjüngen könne. Derzeit müssen häufig Flächen eingezäunt werden, um junge Bäume vor dem Wild zu schützen. Das verteure und bremse den Waldumbau erheblich, beklagte Vogel.
«Wald ist mehr als eine Vielzahl von Bäumen, sondern ein Ökosystem», betonte Gastgeber Wolfram Günther (Grüne). Ein vielfältiger Wald helfe auch gegen das Artensterben. Dazu seien Bäume unterschiedlicher Altersphasen nötig. Zugleich verwies Sachsens Umweltminister auf die Bedeutung des Waldes als CO2-Speicher. Durch eine Verbesserung von Holz-Wertschöpfungsketten gelte es, diese Wirkung zu erhöhen. Dazu soll der gemeinsamen Strategie zufolge einem Einsatz von Holz für langlebige Produkte etwa in der Bau- und Möbelwirtschaft der Vorrang vor der Verwendung als Energieholz oder Zellstoff gegeben werden.
Am Waldumbau komme niemand vorbei, konstatierte der Staatssekretär im Magdeburger Umweltministerium, Ralf-Peter Weber. «Nur mehrschichtige Mischwälder mit standortangepassten Arten werden dem Klimawandel trotzen können.» Ganz will sein Bundesland beim Waldumbau aber nicht auf Baumarten verzichten, die dort eigentlich nicht heimisch, aber möglicherweise an das veränderte Klima besser angepasst sind. Zumindest in Mischungen sei dies möglich, erklärte Weber. Damit auch die vielen privaten Waldbesitzer den Waldumbau vorantreiben können, wollen sich die vier Länder bei ihren Amtskollegen von Bund und Ländern für eine ökologische Waldprämie stark machen.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Freitag, 23. Juli 2021 15:13 Uhr

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