Tesla will ausbilden: Minister für weniger Bürokratie

Tesla will ausbilden: Minister für weniger Bürokratie

Tesla plant in den kommenden Jahren für die Produktion seiner Elektrofahrzeuge in Grünheide bei Berlin eine verstärkte Ausbildung von Fachkräften. Etwa 150 Azubis in circa zehn gewerblich technischen Berufen sollen nach Angaben der Industrie- und Handelskammer (IHK) Ostbrandenburg ab 2022 bei Tesla ausgebildet werden, unter anderem Mechatroniker. Nach Angaben des Unternehmens soll bereits in diesem Jahr ein entsprechendes Programm beginnen.

Tesla-Logo

© dpa

Das Logo des Autoherstellers Tesla.

Für das Werk sollen zunächst Lagerlogistiker und Fachinformatiker im Bereich Systemintegration eine Ausbildung beginnen können. Nach IHK-Angaben sind diese Angebote bereits in der Lehrstellenbörse zu finden. Ausbildungsverträge lägen der IHK aber noch nicht vor, wie Sprecherin Norma Groß mitteilte. Auch ein duales Studium im Bereich Logistik will der Autobauer nach eigenen Angaben anbieten.
Trotz Verzögerungen beim Bau setzt Brandenburgs Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) auf einen Start der Produktion in diesem Jahr. «Ich habe die Hoffnung, dass das erste Auto, das vom Band läuft, das Geburtsjahr 2021 haben wird», sagte Steinbach dem «Handelsblatt» (Montag). Tesla wollte ursprünglich im Juli 2021 beginnen und gibt die Inbetriebnahme der Autofabrik nun für Ende dieses Jahres an. Die abschließende umweltrechtliche Genehmigung fehlt, Tesla baut über vorzeitige Zulassungen. Steinbach nannte als Gründe die Corona-Pandemie, eine Anhörung von Kritikern und den Erweiterung des Bauantrags um eine Batteriefabrik.
Derzeit gehen die Grüne Liga und der Naturschutzbund Nabu in Brandenburg rechtlich gegen eine vorzeitige Teilzulassung vor. Der Minister hält eine Beschränkung der Klagerechte für Umweltverbände für bedenkenswert. «Ich halte es zum Beispiel für fragwürdig, mit welcher Berechtigung sich ein bayerischer Umweltverein hier in Brandenburg gegen die Tesla-Ansiedlung engagiert», sagte er. «Da mache ich mal ein Fragezeichen. Auch die Länge der juristischen Verfahren gehört auf den Prüfstand.» Der Verein für Landschaftspflege und Artenschutz in Bayern hatte mit der Grünen Liga Brandenburg 2020 vergeblich versucht, eine vorzeitige Rodung zu stoppen.
Steinbach rief dazu auf, nach Abschluss des Tesla-Verfahrens mit dem Bund das Planungs- und Genehmigungsrecht in Deutschland auf den Prüfstand zu stellen. Tesla hatte im April das Genehmigungsverfahren für sein Werk kritisiert.
Bewerbungen für den Start des Werks in diesem Jahr konnten Tesla zufolge bis Ende Juni über die Webseite des Unternehmens eingereicht werden. Für den Ausbildungsstart 2022 können sich Interessierte voraussichtlich im Spätsommer bewerben, wie es weiter hieß. Tesla überlegt zudem nach eigenen Angaben, mit öffentlichen Auftritten Interessenten die Chance zu geben, direkt mit dem Unternehmen in Kontakt zu treten.
Für die Stadt Frankfurt (Oder) hat die Ansiedlung des US-Unternehmens bereits positive Effekte. Es gebe ein «erheblich» gestiegenes Interesse an Wohnbebauung und Gewerbeflächen, sagte Oberbürgermeister René Wilke (Linke). Er sieht aber auch Probleme. Der Zuwachs an Einwohnern in den kommenden Jahren basiere bislang nur auf einer Prognose. Demnach wird in der ersten Ausbaustufe der Autofabrik mit einem Zuwachs von etwa 800 Menschen gerechnet, in der letzten Ausbaustufe sogar mit 2400. «Jeder Schritt zuviel und zu schnell bringt das Risiko mit sich, dass wir in Vorleistung gehen, was dann nicht gebraucht wird», sagte Wilke. Sorge macht ihm auch die Autobahn 12 Richtung Berlin mit Bauarbeiten und Lkw-Verkehr.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Montag, 5. Juli 2021 15:01 Uhr

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