Ende der Durststrecke: Brandenburger können wieder ausgehen

Ende der Durststrecke: Brandenburger können wieder ausgehen

Die Tische sind gedeckt, die Fässer angeschlagen: Nach fast einem halben Jahr können die Brandenburger wieder ausgehen. Wegen gesunkener Corona-Zahlen ist die Außengastronomie erlaubt. Erste Gäste waren schon am Freitag unterwegs, nun setzen die Gastwirte auf das Pfingstwochenende. Ausflügler und Biergartenbesucher werden aber möglicherweise nicht alle Lieblingsadressen wieder aufsuchen können, denn nicht alle Betriebe hätten die Krise überlebt, hieß es beim Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) Brandenburg. Und für Hoteliers lohne es sich meist nicht, ihre Restaurants nur draußen zu öffnen.

Öffnungen der Gastronomie

© dpa

Romy Wismer, Kellnerin, schreibt in Potsdam einen Hinweis zur Reservierungs- und Schnelltestpflicht auf eine Tafel.

«Es überwiegt die Freude, dass alle die Chance haben, öffnen zu können», sagte Dehoga-Hauptgeschäftsführer Olaf Lücke. Dass Speisen und Getränke für die Kunden nun deutlich teurer werden, sei nicht zu erwarten. Wegen der Abstandsvorgaben müssten die Wirte ihren Umsatz jetzt jedoch mit nur der Hälfte der Plätze erwirtschaften. Zudem werde Personal für Terminvergabe und Kontakterfassung benötigt. «Jeder muss das für sich selbst kalkulieren.»
Der DGB Berlin und Brandenburg forderte zukunftssichere Tarifverträge für die Beschäftigten. «Betriebe, deren Geschäftsmodelle sich überwiegend auf Niedriglöhne und prekäre Arbeitsverhältnisse stützen, bieten ihren Beschäftigten keine verlässliche Perspektive», hieß es.
In fast allen Landkreisen und kreisfreien Städten in Brandenburg entwickelt sich derweil die Zahl der Corona-Fälle weiter positiv. Bis auf Cottbus und den Landkreis Elbe-Elster gelten deshalb seit diesem Freitag Lockerungen - etwa die Öffnung der Außengastronomie mit negativem Test und Termin. Auch Veranstaltungen wie Konzerte oder Theatervorstellungen draußen mit Negativtest und bis zu 100 Leuten sowie das Übernachten in Ferienwohnungen, auf Campingplätzen und Charterbooten sind möglich.
«Es ist nicht so das megaknallige Ausflugswetter. Gleichwohl werden sich sicherlich viele Menschen auf den Weg machen», sagte Patrick Kastner, Sprecher der Tourismus-Marketinggesellschaft des Landes. Erstmals seit langem ist das Übernachten in Ferienwohnungen, auf Campingplätzen und Charterbooten wieder zugelassen. «Es ist erstmals Kurzurlaub wieder möglich, das wird sicher gut genutzt werden», prognostizierte Kastner.
Der Dehoga fordert nun, zügig auch Hotelübernachtungen und Innengastronomie wieder zuzulassen. Wenn die Zahl der Corona-Neuinfektionen je 100 000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen unter 50 verharre, sei die Schließung nicht mehr zu rechtfertigen. «Die Regierung muss jetzt langsam Farbe bekennen», sagte Lücke. Ähnlich äußerte sich die CDU-Fraktion im Landtag.
Ein Streitthema bleibt das Impfen. Arztpraxen erhalten nach eigenen Angaben noch immer nicht die gewünschte Menge an Impfstoff gegen das Coronavirus. «Regelmäßig müssen bereits vereinbarte Termine abgesagt werden», teilte die Kassenärztliche Vereinigung des Landes (KVBB) mit. Das führe zu Ärger und Frust. Sie wies den Vorwurf zurück, Ärzte riefen Impfstoff nicht ab oder lagerten ihn über längere Zeit in der eigenen Praxis. Man lasse sich nicht den Schwarzen Peter zuschieben, hieß es. Die Impflogistik sei allein die Aufgabe der staatlichen Organisationen.
Der zuständige Innenminister Michael Stübgen (CDU) hatte zuvor in den «Potsdamer Neuesten Nachrichten» (Freitag) von Anlaufschwierigkeiten in den Arztpraxen gesprochen. «Aber die KVBB muss dafür sorgen, dass in kürzester Frist jeder Impfstoff, der für Brandenburg bereitsteht, auch abgerufen und verimpft wird.»

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Freitag, 21. Mai 2021 17:56 Uhr

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