Eine Million Impfungen: Schülervertreter forden Impfangebot

Eine Million Impfungen: Schülervertreter forden Impfangebot

Brandenburg kommt beim Impfen weiter voran. Die Zahl der Coronaschutzimpfungen erreichte am Dienstag eine Million, wie Innenminister Michael Stübgen (CDU) in Potsdam berichtete. Das sei eine erfreuliche Nachricht, gebraucht würden aber insgesamt vier Millionen Impfungen im Land, schränkte er ein. In der vergangenen Woche seien 130 000 und damit 30 Prozent mehr Impfdosen verabreicht worden, als noch eine Woche zuvor. «Wir haben viel erreicht, aber wir müssen noch viel mehr erreichen.» Bei den Zweitimpfungen liegt das Land im Bundesvergleich auf dem siebten Platz, bei den Erstimpfungen dagegen auf dem vorletzten Rang.

Impfung

© dpa

Eine Flüssigkeit tropft aus der Kanüle einer Spritze.

Der eingrenzende Faktor sei nicht mehr der mangelnde Impfstoff, der in diesem Monat gut vorhanden sei, sagte Stübgen. Jetzt würden impfende Ärzte gebraucht. Die Impfstoffmengen müssten so schnell wie möglich verabreicht werden. Es gebe die echte Chance, zum Sommerende diese Pandemie endgültig zu brechen, zeigte sich der Innenminister überzeugt. Die Landesregierung will das Impfen gegen Corona mit den kommenden Impfstofflieferungen deutlich verstärken. Dazu sollen Arztpraxen und auch die Kommunen stärker eingebunden werden. Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) hatte nach einem Impfgipfel mit Vertretern von Regierung, Kassenärzten und Kommunen am Montag in Potsdam angekündigt, die Zahl der Impfungen auf mindestens 200 000 pro Woche zu erhöhen. Damit soll das Ziel erreicht werden, dass bis September jeder in Brandenburg ein Impfangebot bekommt.
Unterdessen fordern Schülervertreter in Brandenburg ein Impfangebot auch für alle Schülerinnen und Schüler, sobald ein Impfstoff für jüngere Altersgruppen zugelassen ist. «Die meisten in unserem Alter verstehen nicht, warum uns das nicht auch zugute kommen soll», sagte die Vorsitzende des Landesschülerrats, Katharina Swinka, am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. Schulen seien auch Infektionsherde. Um Bildung aber trotzdem weiter zu gewährleisten, sollte den Lernenden so bald wie möglich ein Impfangebot gemacht werden, sagte Swinka.
Die Grünen-Fraktionschefin im Brandenburger Landtag, Petra Budke plädierte dafür, dass Schüler vorrangig geimpft werden, sobald ein Impfstoff für Kinder ab 12 Jahren freigegeben wurde. Die Schüler sollten noch vor den Sommerferien ein Impfangebot erhalten, damit danach wieder sicherer Unterricht und soziale Kontakte für die Jugendlichen möglich werde. Budke schlug vor, dass mobile Impfteams Schulen anfahren.
Die AfD-Fraktion forderte angesichts der geplanten Beschleunigung der Impfkampagne, dass Familien mit Kindern ohne Rücksicht auf den Impfstatus eine gleichberechtigte gesellschaftliche Teilhabe ermöglicht werden müsse. In einem Antrag für die Plenarsitzung in der kommenden Woche bezieht sich die AfD-Fraktion auf ein Beschlussprotokoll des Deutschen Ärztetags, wonach das Recht auf Bildung mit Kita- und Schulbesuch im kommenden Winter nur mit einer rechtzeitigen Covid-19-Impfung gesichert werden könne.
Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hält es für möglich, dass bis zum Ende der Sommerferien den 12- bis 18-Jährigen in Deutschland ein Impfangebot gemacht wird. Das hänge aber in erster Linie von der Zulassung der Impfstoffe für Jugendliche ab, sagte Spahn am Dienstag im Deutschlandfunk. Mit den Ländern sei vereinbart, dass die Impfungen für Jugendliche dann umgesetzt werden - etwa durch Reihenimpfungen in Schulen oder durch Einladung in die Impfzentren. Bis zum Ende der Sommerferien könnten so alle 12- bis 18-Jährigen ein Angebot bekommen und mindestens eine Impfung - idealerweise beide. Dann könne auch der Schulbetrieb nach den Sommerferien wieder normaler beginnen, so Spahn.
Der Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg (KVBB), Peter Noack, hält eine Aufhebung der Impfreihenfolge für sinnvoll, wenn genügend Impfstoff zur Verfügung stehe. Dann könne auch an die Jüngeren gedacht werden und nicht mehr nur an Priorisierung, sagte er am Dienstag in Potsdam. Innenminister Michael Stübgen kündigte an, die Impfpriorisierung drei vollständig zu öffnen. Darüber werde am Mittwoch im Impflogistikstab beraten. Einen genauen Zeitpunkt nannte er nicht. In der kommenden Woche sollen nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums eine Million Astrazeneca-Dosen an die Arztpraxen in Deutschland geliefert werden, die dann ohne Priorisierung vergeben werden. Nach Aussage von Stübgen ist ohnehin geplant, Mitte Juni bundesweit alle Priorisierungen zu öffnen.
Nach Einschätzung des Deutschen Ethikrats wird die Aufhebung von Corona-Auflagen für Geimpfte und Genesene in der Gesellschaft zu Konflikten führen. Die Vorsitzende Alena Buyx hatte den Zeitungen der Funke-Mediengruppe gesagt: «Kinder, Jugendliche, Auszubildende und Studentinnen sind nicht geschützt und dürfen weniger. Geimpfte dagegen haben den doppelten Vorteil: Sie sind geschützt und dürfen mehr.» Damit gebe es ein echtes Solidaritäts- und Gerechtigkeitsproblem mit sozialer Spannung, so Buyx.
Nicht wenige Jugendliche in der Corona-Pandemie hätten sich sehr zurückgezogen und monatelang kaum Kontakte gehabt, gab die Vorsitzendes des Landesschülerrates zu bedenken. Gerade für junge Menschen sei das eine enorme Belastung, weil Austausch und Erfahrungen sammeln in diesem Alter so wichtig sei. Mit dem Impfangebot könnten auch jüngere Altersgruppen wieder «Freiheiten» haben, wie andere bereits geimpfte Menschen auch, sagte Swinka.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Dienstag, 11. Mai 2021 18:12 Uhr

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