Impfgipfel berät über Impfzentren: Kassenärzte für Praxen

Impfgipfel berät über Impfzentren: Kassenärzte für Praxen

Die Kassenärzte in Brandenburg wollen das Impfen gegen das Coronavirus auf die Arztpraxen konzentrieren. Da dort sehr «bürgernah» und «bürgerfreundlich» geimpft werden könne, weil Ärzte die Patienten kennen, liege dort «das größte Potenzial», sagte der Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg (KVBB), Peter Noack, am Montag im RBB-Inforadio. Bisher impften in Brandenburg 1300 Praxen. Wenn demnächst auch die Fachärzte dazukämen, könnten weit mehr als 2000 Praxen mitmachen - dann sei ein Impfangebot von 100 000 bis 200 000 Impfungen pro Woche möglich. Die Kassenärzte wollen die Impfzentren zurückfahren, weil sie nur einmal - entweder in den Praxen oder den Impfzentren - impfen könnten.

Ein Mann steht hinter einer Bodenmarkierung "Impfen"

© dpa

Ein Mann steht am Covid-19 Impfcenter hinter einer Bodenmarkierung mit der Aufschrift "Impfen" und einer Spritze.

Auf einem Impfgipfel von Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) wollten Vertreter der Kommunen, der KVBB und des Deutschen Roten Kreuzes am Montagabend über die Zukunft der Impfzentren beraten. Eine sofortige Schließung der Zentren wollen die Kassenärzte angesichts vieler noch vereinbarter Termine aber nicht. Seit Ende Dezember haben in Brandenburg rund 726 000 Menschen eine Erstimpfung gegen das Coronavirus erhalten, das sind 28,8 Prozent der Bevölkerung. Rund 242 000 Menschen sind vollständig geimpft, das entspricht 9,6 Prozent.
In der abgelaufenen Kalenderwoche wurden fast 75 000 Menschen in Arztpraxen geimpft, rund 39 000 in Impfzentren und es gab mehr 10 000 Impfungen in Krankenhäusern und rund 6700 von mobilen Impfteams. Innenminister Michael Stübgen (CDU) will allen Brandenburgerinnen und Brandenburgern bis September ein Impfangebot machen - dafür müssen niedergelassene Ärzte pro Woche nach seinen Angaben 100 000 Impfungen schaffen. Er hofft, so viele Impfzentren wie möglich zu erhalten, möglicherweise auch mit Übernahme durch die Landkreise.
Geplant ist auch ein digitaler Impfpass in Zusammenarbeit mit anderen Kassenärztlichen Vereinigungen, so mit der in Thüringen. Ein festes Datum gebe es noch nicht, Plan sei aber Ende Mai, wie KVBB-Sprecher Christian Wehry auf Anfrage mitteilte. Nach der abgeschlossenen Impfung soll es demnach eine schriftliche Bescheinigung auf einem DIN A4-Blatt mit einem QR-Code geben. Nach Angaben der KVBB ist das «personenbezogen und fälschungssicher». Es solle auch eine Möglichkeit geben, alle bereits in den Impfzentren geimpften Bürger zu erreichen, damit sie einen digitalen Ausweis erhalten. Möglicherweise werden sie angeschrieben, wie es hieß.
Wer in Thüringen gegen Covid-19 geimpft ist, soll bereits in dieser Woche zusätzlich zum Eintrag im gelben Impfausweis einen elektronischen Nachweis dafür erhalten.
Die Chancen auf Öffnungen für Gaststätten und Tourismus ab Pfingsten in Brandenburg sind bisher gegeben. Die Zahl neuer Corona-Infektionen pro 100 000 Einwohner in sieben Tagen ging weiter zurück, aber nur leicht von rund 89 auf rund 88, wie das Gesundheitsministerium am Montag mitteilte. In sechs Landkreisen und der Stadt Potsdam stieg die Sieben-Tage-Inzidenz im Vergleich zum Vortag jedoch, in drei Kreisen stagnierte der Wert. Vor einer Woche betrug die Sieben-Tage-Inzidenz in Brandenburg noch rund 105.
Die rot-schwarz-grüne Landesregierung plant für die Zeit ab dem 21. Mai voraussichtlich die Öffnung von Gaststätten, Tourismus, Kultur und Sport unter bestimmten Voraussetzungen. Das Kabinett berät darüber am Dienstag. In Brandenburg kamen innerhalb eines Tages 142 neue Corona-Fälle hinzu. Das Bild ist aber unvollständig, weil es aus Cottbus und aus drei Landkreisen in der landesweiten Übersicht zunächst keine neuen Daten gab. Vor einer Woche waren landesweit 147 neue Corona-Fälle hinzugekommen.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Montag, 10. Mai 2021 18:16 Uhr

Weitere Meldungen aus Brandenburg