Gesundheitsministerin hält Lockerungen für zu weitgehend

Gesundheitsministerin hält Lockerungen für zu weitgehend

Brandenburgs Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) hat die jüngsten Lockerungen der Corona-Beschränkungen kritisch beurteilt.

Ursula Nonnemacher sitzt im Landtag

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Ursula Nonnemacher (Bündnis 90/Die Grünen), Ministerin Gesundheit, sitzt im Landtag.

«Wenn wir etwas öffnen, dann die Kinderbetreuung und die Schulen», sagte Nonnemacher dem «Spiegel» (Online). «Deswegen hätte man in anderen Bereichen strenger werden sollen und dort die Kontakte einschränken, um die Öffnungen in Kitas und Schulen zu flankieren.» Sie sehe das Risiko eines strengeren Lockdowns wegen wieder steigender Infektionszahlen. «Deswegen hätte ich die Lockerungen vorsichtiger dosiert, als es die Ministerpräsidentenkonferenz getan hat.» Seit Montag haben viele Geschäfte und die Museen mit Termin wieder offen.
Die Grünen-Ministerin reagierte auf Kritik von SPD-Ministerpräsident Dietmar Woidke an ihrem Impfmanagement. «Wir stehen nicht gut da, da gibt es keinen Grund, beleidigt zu sein», sagte sie. «Die Art der Kritik aus Koalitionskreisen über Pressemitteilungen finde ich etwas gewöhnungsbedürftig, hängt aber vielleicht auch mit den vielen Wahlen im Jahr 2021 zusammen. Da fliegen die einen oder anderen Tugenden schnell mal über Bord.» Woidke hatte mehr Tempo bei den Impfungen gefordert. Brandenburg liegt beim Anteil der Erstimpfungen an der Bevölkerung seit Tagen auf dem letzten Platz im Ländervergleich.
Nonnemacher wies Kritik zurück, dass Brandenburg zu lax mit der Corona-Notbremse umgeht. «Nähern wir uns auf Landesebene den 100 Fällen pro 100 000 Einwohnern, tritt sofort das Kabinett zusammen und überlegt, was wieder vom Netz genommen wird», sagte sie.
Bund und Länder hatten beschlossen, dass die jüngsten Lockerungen zurückgenommen werden, wenn der Wert neuer Infektionen pro 100 000 Einwohner binnen einer Woche über 100 steigt. Brandenburg nahm das nicht explizit in seine Verordnung auf, regelt aber für die Kommunen eine Notbremse von 200, was Kritik auslöste. Nonnemacher betonte: «Ich hatte einen Entwurf vorgelegt, in dem die 100er-Inzidenz drinstand. (...) Aber wir haben gemeinschaftlich entschieden, dass wir die Grenze politisch definieren.»

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Freitag, 12. März 2021 20:26 Uhr

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