Alte Rollenbilder: Brandenburger Frauenwoche blickt auf Superheldinnen

Alte Rollenbilder: Brandenburger Frauenwoche blickt auf Superheldinnen

Beruf, Kinderbetreuung, Haushalt, Familie: Wie belastet sind Frauen in der Corona-Pandemie, und wie gerecht ist die Arbeitsverteilung zwischen Mann und Frau?

Ursula Nonnemacher spricht auf einer Pressekonferenz

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Ursula Nonnemacher spricht auf einer Pressekonferenz.

Die Brandenburger Frauenwoche schaut in diesem Jahr noch einmal anders auf die Gleichstellung der Frau in der Gesellschaft. Unter dem Motto «Superheldinnen am Limit» sind über 50 Veranstaltungen im ganzen Land geplant - darunter Ausstellungen und digitale Diskussionsrunden. Weitere Veranstaltungen sollen im Laufe des Jahres folgen. Die Frauenwoche startet mit einem virtuellen Auftakt an diesem Donnerstag (04. März 2021) in Oranienburg und soll nach Angaben des Sozialministeriums am 10. Dezember, dem Tag der Menschenrechte, enden. Damit solle verdeutlicht werden: Frauenrechte sind Menschenrechte, hieß es.

Doppel- und Dreifachbelastungen in der Pandemie

Wie unter einem «Brennglas» mache die Pandemie deutlich, in welchen Bereichen Frauen doppelt und dreifach belastet seien, sagt die Landesgleichstellungsbeauftragte Manuela Dörnenburg der Deutschen Presse-Agentur. «Kinder betreuen, arbeiten gehen, Wäsche machen und vielleicht auch noch tolle Geliebte sein - und das alles in Corona-Zeiten», zählte sie auf.
Dörnenburg hat «alte Rollenbilder» ausgemacht, die mit der Pandemie noch deutlicher hervorgetreten sind. Frauen seien trotz Arbeit häufiger zu Hause geblieben und hätten Homeoffice, Haushalt und Kinderbetreuung «gewuppt», während Männer den «Außenbereich» außerhalb der Familie viel stärker genutzt hätten. «Die Pandemie macht sehr deutlich, wo der Mangel bezüglich der Geschlechtergleichheit in unserer Gesellschaft ist - gerade was die Verteilung der Sorgearbeit zwischen den Geschlechtern anbetrifft.»

Frauen arbeiteten mehrheitlich in systemrelevanten Berufen

Durch die Pandemie sei zudem klar geworden: Frauen arbeiteten mehrheitlich in systemrelevanten Berufen, etwa in der Pflege und der Kinderbetreuung. «Frauen halten die Gesellschaft in der Corona-Pandemie trotz schlechter Bezahlung am Laufen», sagte die Gleichstellungsbeauftragte. Da passe das Bild der «Frau mit den tausend Händen». Das habe für Frauen auf Dauer gesundheitliche Folgen. Nach der Pandemie dürfe das nicht aus dem Blick verloren werden.

Strukturelle Problemlagen bestehen weiterhin

Auch für Frauenministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) wird die besondere Belastung von Frauen in der Pandemie deutlich, das weise auch klar auf strukturelle Problemlagen bei der Gleichstellung der Geschlechter hin. «Unsere Aufgabe muss es sein, Strukturen und Entscheidungskulturen zu ändern. Es bedarf der Mitbestimmung von Frauen und zwar überall.»
Die Corona-Eindämmungsmaßnahmen haben nach Einschätzung von Verena Letsch vom Frauenpolitischen Rat Frauen und ihre Familien besonders betroffen - gleichzeitig würden sie in den bislang geplanten Maßnahmen zur Bewältigung der Corona-Folgen nicht ausreichend berücksichtigt. Es brauche gesamtgesellschaftliche Lösungen, neue Rollenbilder und Anreize für Männer, partnerschaftlich Sorgearbeit zu übernehmen. «Wir sagen deutlich: Applaus allein reicht nicht.»
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Quelle: dpa

| Aktualisierung: Mittwoch, 3. März 2021 08:27 Uhr

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