Badetod einer Grundschülerin: Angeklagte schweigen

Badetod einer Grundschülerin: Angeklagte schweigen

Die Mutter nimmt regungslos am Prozess teil. Ihren Kopf hat sie in die Hände gestützt. «Meine Mandantin ist nur körperlich anwesend», sagt am Donnerstag ihr Anwalt Kerem Türker. Dass die juristische Aufarbeitung des Todes eines siebenjährigen Kindes nach mehr als viereinhalb Jahren noch nicht abgeschlossen ist, sei für die Familie sehr belastend.

Eine Statue mit verbundenen Augen am Eingang eines Gerichts

© dpa

Eine Statue der Justitia mit verbundenen Augen am Eingang eines Gerichts.

Das Mädchen war im Juni 2016 während einer Klassenfahrt beim Baden im Werbellinsee (Barnim) verunglückt und noch am Abend im Krankenhaus gestorben. «Sie wollen wissen, wer für den Tod ihres Kindes verantwortlich ist», sagt der Strafrechtler mit Blick auf die Familie.
Auf der Anklagebank sitzen am ersten Prozesstag drei Lehrerinnen und eine Erzieherin. Um die Corona-Abstände einhalten zu können, findet der Prozess auf den Dachboden der Nebenstelle des Amtsgerichtes Eberswalde (Barnim) statt. In dem kahlen Raum mit Betonboden sind Tische gestellt worden, die durch Plexiglasscheiben voneinander getrennt sind.
Der Prozess musste im ersten Anlauf vor rund einem Jahr nach wenigen Sitzungen wegen der Corona-Pandemie ausgesetzt werden. Nun wird er neu aufgerollt.
Die Frauen im Alter von 30 bis 51 Jahren sind wegen fahrlässiger Tötung durch Unterlassen angeklagt. Sie sollen das Mädchen während des Badens nicht ausreichend beaufsichtigt haben, so der Vorwurf. Die Angeklagten schweigen zu Prozessbeginn und erklären durch ihre Verteidiger, dass sie keine Angaben machen wollen.
Das Mädchen sei mit den anderen Kindern im Wasser gewesen, so die Anklage. Es habe sich auf das Absperrseil zwischen Nichtschwimmer- und Schwimmerbereich gesetzt, dabei sei es mit dem Kopf unter Wasser geraten und habe keine Luft mehr bekommen.
Unter pflichtgemäßer Ausübung ihrer Sorgfalt hätte der Tod des Kindes vermieden werden können, sagt Staatsanwältin Ricarda Böhme. An dem Tag habe an der Badestelle ein hoher Lärmpegel geherrscht. Rund 100 Menschen hätten in dem Nichtschwimmerbereich gebadet. Die Sicht sei wegen der niedrigen Sonne schlecht gewesen. Die Frauen hätten die Situation im Wasser nicht mehr unter Kontrolle gehabt, so Böhme. «Im Wasser waren viel zu viele Kinder.»
Ein Polizist und ein Sachverständiger sind am Donnerstag als Zeugen geladen. Sie versuchen zu erklären, wie das Kind unter Wasser geriet. «Nach meiner Erkenntnis war die Sonne nicht hinderlich in der Erkennbarkeit dieser Badestelle», sagt Ingenieur Christoph Raschke.
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In dem Prozess, für den mehr als zehn Tage angesetzt sind, sollen Rettungsschwimmer, Kinder, Lehrer sowie der Vater des Kindes gehört werden. Hilfreich seien aus Sicht von Staatsanwältin Böhme die Gedächtnisprotokolle, welche die vier Frauen bei der Schulleitung abgegeben haben. Die Protokolle habe die Schulleitung nach Angaben der Staatsanwaltschaft nicht herausgeben wollen, sie wurden durch die Polizei beschlagnahmt.
Am zweiten Prozesstag am Freitag soll der Vater des Kindes als Zeuge gehört werden. Ob er kommen kann, war am Donnerstag noch offen. «Wir wissen nicht, ob seine Verfassung es zulässt», sagt Anwalt Türker. Möglicherweise soll die Öffentlichkeit für seine Vernehmung ausgeschlossen werden. Nach Gerichtsangaben könnte im Mai - dann fast fünf Jahre nach dem Tod des Mädchens - ein Urteil ergehen.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Donnerstag, 11. Februar 2021 16:54 Uhr

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