Brandenburgs Kassenärzte-Chef fordert mehr Impfstoff

Brandenburgs Kassenärzte-Chef fordert mehr Impfstoff

Das Impfen soll in Brandenburg nach dem Willen der Kassenärzte schneller gehen - dafür ist aus ihrer Sicht aber mehr Impfstoff nötig. «Es muss jetzt mehr Impfstoff vom Bund kommen», sagte der Vorstandschef der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg (KVBB), Peter Noack, der Deutschen Presse-Agentur. «Wir können nur so viele Termine vergeben, wie gesichert Impfstoff vorhanden ist.» Irgendwann seien Krankenhäuser und Pflegeheime «durchgeimpft». «Dann muss so viel Impfstoff da sein, dass man dauerhaft die Impfzentren auf Volllast fahren kann.» Die KV organisiert gemeinsam mit dem Land die Impfzentren, in denen sich über 80-Jährige und medizinisches sowie Pflegepersonal impfen lassen können.

Peter Noack steht im Impfzentrum Cottbus

© dpa

Peter Noack steht im Impfzentrum Cottbus.

Der KV-Chef räumte einen problematischen Start bei der Terminvergabe für Impfzentren über die Rufnummer 116 117 ein, sieht aber Fortschritte. «Wir sind immer noch unzufrieden mit der Hotline, weil wir glauben, es geht noch besser. Aber wir können in den letzten Tagen eindeutig erkennen, dass das besser wird», sagte Noack. Am ersten Tag hätten rund 23 000 Menschen die Hotline angerufen, aber weniger als zehn Prozent der Anrufer seien durchgekommen. «Jetzt hat es sich eingependelt auf rund 3500 bis 3700 eingehende Anrufe pro Tag - und da haben wir eine Annahmequote von 85 bis 90 Prozent.» Der Anteil derer, für die Termine vergeben würden, liege zwischen 80 und 95 Prozent. «Es rufen also mittlerweile vor allem Menschen an, die die Voraussetzung für eine Terminvermittlung erfüllen.»
Bis Anfang Februar sollen elf Impfzentren im Land errichtet sein. Noack verwies darauf, dass es auch ein Konzept für eine Erweiterung gebe. Brandenburg lag bei den Impfungen pro 1000 Einwohner am Mittwoch mit 7,8 im unteren Mittelfeld. Bei der Impfung von Pflegeheimbewohnern war Brandenburg auf dem zweitletzten Rang. «Das liegt einfach daran, weil viele der anderen Länder sehr stark in das mobile Impfen investiert haben, da hängen wir ein bisschen zurück», sagte Noack. «Das organisiert das Deutsche Rote Kreuz, wir haben eine Impfpartnerschaft.» Für Pflegeheime sei Vorbereitung notwendig. «Mit dem, was jetzt geplant ist, wird das so stark intensiviert - ich glaube, da werden wir gut aufholen.»
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Bis zur Impfung eines Großteils der Bevölkerung ist es nach Ansicht des KV-Chefs noch ein längerer Weg. «Wir werden das Ziel der Herdenimmunität in Brandenburg nur erreichen, wenn wir in der Lage sind, alle Arztpraxen mit einem Impfstoff zu beliefern, der dort richtig verwendet werden kann», sagte Noack. «Da ist zur Zeit der beste von Astrazeneca, den kann man ganz einfach im Kühlschrank lagern.» Der Impfstoff von Biontech und Pfizer muss bei minus 70 Grad gekühlt werden, der von Moderna - der seit Dienstag in Deutschland verteilt wird - ist einfacher zu handhaben. Beide Impfstoffe sind in der EU zugelassen, das Vakzin von Astrazeneca noch nicht.
Der Hausärztliche Qualitätszirkel Potsdam sieht keine Besserung. Das Stimmungsbild sei, dass ältere Patienten keine freie Leitung über die Hotline bekämen und zunehmend Ängste wegen der Pandemie hätten, erklärten die Hausärzte Marion Kurzweil und Ulrich Wüllenkemper. Sie warben dafür, dass Hausärzte die Impfzentren entlasten und wiesen das Argument der KV zurück, dass Lagerung und Transport der Impfstoffe dagegen sprächen. «Die Ärzte haben eine wunderbare Logistik, ihre Praxen und Abläufe zu organisieren, die Patienten kennen uns, vertrauen uns und würden nebenbei rasch geimpft und aufgeklärt werden können», so die Mediziner.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Mittwoch, 13. Januar 2021 16:35 Uhr

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