Kranich und Nonnengans: Nationalpark Unteres Odertal

Kranich und Nonnengans: Nationalpark Unteres Odertal

Singschwäne, Wildgänse und «fliegende Edelsteine» können Besucher in diesen Tagen im Nationalpark Unteres Odertal (Barnim/Uckermark) entdecken. Bereits um den Jahreswechsel sind schon mehrere hundert Singschwäne unterwegs, wie Leiter Dirk Treichel sagte. Die Schwäne sind in Osteuropa und Sibirien zuhause und zählen zu den angestammten Wintergästen im Nationalpark, den es seit 25 Jahren gibt.

Nationalpark Unteres Odertal

© dpa

Der deutsch-polnische Grenzfluss Oder im Nationalpark Unteres Odertal.

Die traditionellen und bei Besuchern beliebten Singschwantage im Unteren Odertal fallen allerdings nun schon zum zweiten Mal aus. Sie waren vom 29. bis 31. Januar geplant und wurden wegen der Corona-Pandemie abgesagt. Anfang 2020 waren sie ausgefallen, weil kaum Vögel zu finden waren.
Doch es gibt im Unteren Odertal - mit seinen riesigen Wasserflächen Deutschlands einziger Flussauen-Nationalpark - derzeit eine Reihe weiterer Vögel zu sehen; darunter Eisvögel - wegen ihres juwelenhaft blauen Gefieders auch als fliegende Edelsteine bekannt -, Kraniche und Seeadler.
«Wer ein Fernglas oder Fernrohr dabei hat, kann auch einige Exoten entdecken», so Treichel. Laut dem 52-jährigen Nationalparkleiter haben Ranger vor rund zwei Wochen Rothalsgänse entdeckt. Der Vogel mit dem lateinischen Namen Branta ruficollis überwintert eigentlich viel weiter südlich, beispielsweise im Donaudelta. Nonnengänse, auch Weißwangengänse genannt, harren seit etwa 10 bis 15 Jahren in den Wintermonaten im Nationalpark aus.
Besucher könnten im Nationalpark auch dem Klingeln der Schellente lauschen, so Treichel. Die Entenart mit dem weißen Fleck im Gesicht oberhalb des Schnabels konzentriere sich stark im Unteren Odertal. Seinen Namen hat der Vogel, weil seine Flügel im Flug ein pfeifendes beziehungsweise klingelndes Geräusch erzeugen. Besucher könnten das hören, wenn die Enten über sie hinweg fliegen.
Der Nationalpark ist für Besucher jederzeit zugänglich - coronabedingt sind das Besucherzentrum und das Nationalparkhaus mit seiner Ausstellung aber derzeit geschlossen. Führungen werden nicht angeboten. Hunde sind im Nationalparkgebiet an der Leine zu führen, daneben gilt laut Treichel: «kein Lärm, kein Feuer, um die Vögel nicht zu beunruhigen».
Auch mehrere zehntausend Wildgänse wie Bläss- und Saatgänse seien im Unteren Odertal zu sehen. Und, recht unüblich für diese Jahreszeit, Graugänse. Eigentlich überwinterten sie in Frankreich oder Spanien, doch wegen des milden Klimas ziehen die Vögel nicht mehr ab, weiß Treichel. Derzeit gebe es mehrere hundert Kraniche im Park. Auch sie ziehen in den kalten Monaten eigentlich nach Südspanien oder sogar bis nach Südafrika. «Immer mehr entscheiden sich aktiv hier zu bleiben», so Treichel. Das sei ein gewisses Risiko, falls doch mal ein harter Winter komme. «Für die Kraniche, die aus dem Norden runterkommen, ist das hier schon Mallorca».

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Sonntag, 3. Januar 2021 08:19 Uhr

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