Distanz und Fantasie: Weihnachtsgottesdienste während Corona

Distanz und Fantasie: Weihnachtsgottesdienste während Corona

Singen vom Balkon, Beten im Freien und viel Distanz - zu Weihnachten stellen sich die Kirchen in Berlin und Brandenburg auf Maßnahmen gegen Corona-Infektionen ein. Die Teilnahme an den Gottesdiensten ist in den meisten evangelischen und katholischen Gotteshäusern nur mit Anmeldung möglich. In vielen Kirchen sind die Plätze schon lange vergeben.

Weihnachtsgottesdienst

© dpa

Zahlreiche Menschen nehmen an einem Weihnachtsgottesdienst teil.

Weihnachten nicht wie gewohnt feiern zu können, sei für ihn an schwer zu ertragender Gedanke, sagte Berlins katholischer Erzbischof Heiner Koch am Montag. Wegen der Pandemie sei aber eine Begrenzung der Kontakte nötig, erklärte Koch als Vorsitzender der Kommission Ehe und Familie der Deutschen Bischofskonferenz. Er rief dazu auf, Familienfeste und Gottesdienste besonnen zu feiern. Der Schutz der Menschen habe Vorrang.
Der evangelische Landesbischof Christian Stäblein sprach von der Schwierigkeit, den richtigen Weg zu finden, ob Gottesdienste gefeiert werden sollten oder nicht. Hier gehe ein Riss durch die Gemeinden. Der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) hatte am Samstag im Deutschlandfunk gesagt, er könne beide Seiten verstehen - sowohl jene, die freiwillig auf Gottesdienste verzichteten, als auch jene, die mit öffentlichem Gebet für die Gesellschaft da sein wollten.
Bei den Katholiken sind Gottesdienste auf eine Höchstdauer von 45 Minuten begrenzt. Die Feiern sollen zudem an möglichst vielen Orten stattfinden, um Fahrten und Ansammlungen zu vermeiden. Wo angesichts der Lage vor Ort keine Gottesdienste möglich seien, sollten die Kirchen über einen längeren Zeitraum geöffnet und Seelsorger ansprechbar sein.
Die EKBO hatte bereits eine Verschärfung der Hygieneregeln angekündigt. So soll in der Kirche nicht gesungen werden. Während des ganzen Gottesdienstes gilt die Maskenpflicht. Egal ob drinnen oder draußen soll höchstens ein Lied gesungen werden. Wie in Berlin ist auch in den evangelischen Sprengeln Potsdam und Görlitz der Kirchenbesuch nur nach Anmeldung möglich.
Ob als Streaming über YouTube, wie die Katholische Kirchengemeinde Maria unter dem Kreuz in Wilmersdorf oder der Aufruf der evangelischen Kirche, an Heiligabend «Stille Nacht, Heilige Nacht» vom Balkon zu singen - mit neuen Formaten und viel Fantasie suchen die Gemeinden dennoch nach Wegen, das Weihnachtsfest in Gemeinschaft zu feiern.
Die Gemeinde Prenzlauer Berg Nord bietet Weihnachtsboxen für zuhause an. Darin enthalten ist unter anderem ein Liederheft. Wer mit Begleitung singen möchte, kann dabei auf die Gemeinde-Homepage klicken, wo die Lieder eingespielt werden. In der Gethsemane-Kirche, die zur Gemeinde gehört, sind die Gottesdienste zu Heiligabend abgesagt, die Feiern an Weihnachten ausgebucht.
Ausgebucht sind auch die Plätze im Berliner Dom. Doch die Vesper an Heiligabend und am ersten Weihnachtstag bietet der Dom im Livestream an. Auch in der katholischen Kirche St. Joseph in Wedding, der Ersatzkirche für die geschlossene Hedwigs-Kathedrale, sind die Christmetten bereits belegt.
Am Heiligabend strahlt um 15.00 Uhr der Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) einen ökumenischen Gottesdienst mit den beiden Bischöfen Stäblein und Koch aus. Das Motto: «Weil wir Hoffnung brauchen».

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Montag, 21. Dezember 2020 14:17 Uhr

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