Zwei Brandenburger Impfzentren sollen am 5. Januar starten

Zwei Brandenburger Impfzentren sollen am 5. Januar starten

Als erste Brandenburger Impfzentren gegen das Coronavirus sollen die Standorte in Potsdam und Cottbus am 5. Januar starten. Das bestätigte der Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg (KVBB), Christian Wehry, am Mittwoch. Zuerst hatte der RBB berichtet. Im Laufe des Januars sollen laut Wehry dann neun weitere Zentren im Land öffnen. In jeder der Einrichtungen sei zunächst der Einsatz von sechs Teams mit jeweils einem Arzt und zwei medizinischen Mitarbeitern geplant. Hinzu komme an jedem Standort ein weiteres Team, das mobile Impfungen anbieten soll.

Ein Mann wird geimpft

© dpa

Ein Mann wird geimpft.

Der KVBB-Vorstandsvorsitzende Peter Noack sagte dem RBB, man sei bis zuletzt von einer Impfstoff-Zulassung am 29. Dezember ausgegangen. Daher hätten die beiden Zentren ihre Arbeit zunächst am 11. Januar aufnehmen sollen. Da die Zulassung des Impfstoffs nun aber auf den 23. Dezember vorgezogen werden solle, könnten auch die Impfzentren früher beginnen.
Die ersten beiden sollen in der Metropolishalle des Potsdamer Filmparks Babelsberg und in der Cottbuser Messehalle öffnen. Nach Angaben des Potsdamer Gesundheitsministeriums könnte jedes Impfteam in den Zentren täglich etwa 100 Impfungen vornehmen. Wehry erklärte, je nach Art und Verfügbarkeit des Impfstoffs könne die Zahl der Impfteams auch noch erhöht werden.
Unterdessen haben sich die Brandenburger mit dem ersten Tag des harten Lockdowns auf die neuen Anordnungen zur Eindämmung der Zahl der Corona-Infektionen eingestellt. Seit Mittwoch sollen die Menschen tagsüber nur noch in bestimmten Fällen nach draußen gehen. Das Haus verlassen darf man zum Arbeiten und Einkaufen oder zum Besuch von Schulen und Kitas, Ärzten und Behörden. Nachts gelten ab 22.00 Uhr bis 5.00 Uhr Ausgangsbeschränkungen. Joggen oder Spaziergänge etwa sind in diesem Zeitraum tabu - Gassi gehen mit dem Hund ist hingegen erlaubt.
Die Polizei hat derweil landesweit mit verstärkten Kontrollen begonnen. Dafür würden täglich unter anderem Bereitschaftspolizisten in einer Gesamtstärke von etwa 100 Beamten eingesetzt, sagte der Sprecher des Polizeipräsidiums, Torsten Herbst, auf Anfrage. Ziel sei es, bei festgestellten Verstößen unterstützend für die zuständigen Behörden tätig zu werden. Dazu gehörten auch Kontrollen im «kleinen Grenzverkehr» nach Polen. Dort sollen die Beamten bei Verstößen in Abstimmung mit den Ordnungs- und Gesundheitsämtern beziehungsweise mit der Bundespolizei und dem Zoll eingreifen.
Mit Stichproben kontrollieren Beamte des Hauptzollamtes Frankfurt (Oder), ob in Deutschland nicht zugelassene Böller aus Polen illegal eingeführt werden. «Es hat einige Fälle in den vergangenen Tagen gegeben», sagte die Pressesprecherin des Hauptzollamtes Frankfurt (Oder), Astrid Pinz. Die Knaller würden eingezogen und es drohe ein Strafverfahren wegen Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz. In Polen kann laut Pinz das ganze Jahr über Pyrotechnik gekauft werden.
Eine Verkäuferin im «Pyromarket» im polnischen Slubice sagte: «Gestern und vorgestern hatten wir hier einen großen Ansturm von Kunden aus Deutschland. Der ganze Parkplatz war voll, die Leute standen vor dem Laden lange Schlange.» Der Mittwoch sei hingegen total ruhig angelaufen - praktisch ohne Kunden.
Pawel Slawiak, Vorsitzender der Vereinigung der Markthändler in Slubice, sagte: «Besonders am Montag und Dienstag gab es Andrang bei Tankstellen, Zigarettenverkauf und vor den großen Supermärkten.» Auch die Anbieter von Dienstleistungen, etwa Friseure, hätten profitiert. Nun aber stünden die Händler vor schwierigen Wochen. «Vor Weihnachten ist sonst immer die beste Zeit, die Deutschen kaufen sehr viel», sagte Slawiak.
Der Übergang an der Stadtbrücke über die Oder nach Slubice ist trotz des Lockdowns weiter geöffnet - aber nur für einen ausgewählten Personenkreis: Lediglich Berufspendler und Schüler dürfen über die Grenze. Familienbesuche im jeweils anderen Teil der Stadt sind erlaubt. «Es ist zu bemerken, dass bedeutend weniger Menschen unterwegs sind», sagte der Pressesprecher der Stadt Frankfurt (Oder), Uwe Meier.
Die Brandenburger Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) forderte die Landesregierung auf, den Präsenzunterricht in den Schulen sofort zu beenden und auch in den Kitas nur noch eine Notbetreuung anzubieten. Im Bildungsministerium gelte das Prinzip «Augen zu und durch», erklärte der GEW-Landesvorstand in einer Mitteilung. Dies gefährde die Gesundheit aller Beteiligten und habe zu einem Chaos in den Schulen und Kitas in Brandenburg geführt. Das Ministerium hatte es den Eltern überlassen, ob sie ihre Kinder in dieser Woche zur Schule schicken oder nicht.
Der Präsident der Landesapothekerkammer, Jens Dobbert, bat um Verständnis, falls in der einen oder anderen Apotheke keine FFP 2-Masken vorrätig seien. Sie werden an über 60-Jährige und Risikopatienten kostenlos abgegeben. Die Beschaffung und Prüfung der Masken sei aufwändig, denn sie müssten auf dem freien Markt besorgt werden.
Die Zahl neuer Corona-Infektionen ist im Land gegenüber dem Vortag wieder deutlich gestiegen: Innerhalb eines Tages seien 913 von den Gesundheitsämtern gemeldet worden, teilte das Gesundheitsministerium in Potsdam mit. Am Dienstag waren es 642 neue Fälle. Die Zahl der Patienten, die in Kliniken behandelt werden, stieg um 43 auf 879. 156 Menschen lagen aktuell auf Intensivstationen und 111 von ihnen mussten beatmet werden. 634 Brandenburger sind bisher in Zusammenhang mit einer Corona-Infektion gestorben - 22 mehr als am Vortag.
Die Zahl neuer Ansteckungen je 100 000 Einwohner innerhalb einer Woche stieg für ganz Brandenburg auf 230,3 und liegt damit weiter deutlich über dem kritischen Wert von 200. Die höchste Sieben-Tage-Inzidenz wurde weiterhin im Landkreis Oberspreewald-Lausitz mit 570,5 registriert, gefolgt von den Landkreisen Elbe-Elster (500,8) und Spree-Neiße (431,8).

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Mittwoch, 16. Dezember 2020 18:01 Uhr

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