Rekord bei Corona-Infektionen: Brandenburger in Kauflust

Rekord bei Corona-Infektionen: Brandenburger in Kauflust

Trotz schärferer Beschränkungen in Landkreisen und Städten Brandenburgs nimmt die Zahl der Corona-Ansteckungen weiter zu. Am Samstag wurde nach Angaben des Gesundheitsministeriums ein neuer Höchststand erreicht. Innerhalb eines Tages kamen 1019 Infektionen hinzu. Im Corona-Hotspot Oberspreewald-Lausitz erreichte die Zahl der Corona-Infektionen pro 100 000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen mit 560,5 einen Rekordwert. Am Freitag lag der Wert in dem südlichen Landkreis an der Grenze zu Sachsen bei 465,4. Für ganz Brandenburg stieg die Sieben-Tage-Inzidenz von 182,4 auf 195,8.

Coronavirus

© dpa

Ein Wattestäbchen eines Corona Abstriches wird im Labor bearbeitet.

Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19 nahm dem Ministerium zufolge um 17 auf 559 zu. Erkrankt sind aktuell 9566 Menschen - ein Anstieg um 730. Insgesamt haben sich damit seit März 28 302 Menschen in Brandenburg mit dem Coronavirus angesteckt. 18 177 Menschen gelten als genesen - 272 mehr als einen Tag zuvor.
Die Rekordzahlen bei den Corona-Infektionen in Brandenburg könnten aus Sicht von Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher zu einer Überlastung der Krankenhäuser führen. «Es ist jetzt schon so eng, dass wir uns ganz, ganz große Sorgen machen müssen», sagte die Grünen-Politikerin am Samstag dem Inforadio des RBB.
Beim Höchstwert von 972 gemeldeten Neuinfektionen am Freitag im gesamten Land seien zwei Landkreise mit ihrer Zahl der Ansteckungen noch gar nicht erfasst worden. Sie gehe deshalb von über tausend neuen Erkrankungen aus, sagte Nonnemacher weiter. Das mache sich aber erst in 10 bis 14 Tagen in den Intensivstationen der Kliniken bemerkbar, warnte sie. Die Kliniken im Süden schlagen bereits Alarm. Das größte Krankenhaus, das Cottbuser Carl-Thiem-Klinikum und auch das Klinikum Niederlausitz in Senftenberg (Landkreis Oberspreewald-Lausitz) starteten einen Hilfeaufruf an die Bevölkerung, weil sie zur Versorgung von Covid-Patienten Personal brauchen.
Unterdessen laufen die Vorbereitungen für die Impfungen gegen das Coronavirus auf Hochtouren. Laut Gesundheitsministerium werden zunächst mobile Teams mit dem Impfen beginnen - die Impfzentren sollen erst Anfang Januar starten. Nach dem Vorschlag der Ständigen Impfkommission sollten zuerst die über 80-Jährigen geimpft werden und dann erst das medizinische Personal, erklärte Gesundheitsstaatssekretär Michael Ranft am Samstag auf dpa-Anfrage.
Als Grund für die Verschiebung des Starts der Impfzentren nannte Ranft den Umstand, dass das Zulassungsverfahren für den Impfstoff noch nicht abgeschlossen sei und das Land erst Anfang Januar mit ersten Impfdosen rechnen könne. Dazu müsse im Dezember noch kein Impfzentrum eröffnen. Insgesamt sind laut Ministerium elf Impfzentren im Land geplant. Mit der Metropolis-Halle in Potsdam und der Messehalle in Cottbus stehen bereits zwei Impfzentren fest.
«Der zunächst vorgesehene Termin des Starts Mitte Dezember hat uns alle unter Druck versetzt, wir haben aber viel geschafft», sagte Ministeriumssprecher Gabriel Hesse am Samstag zu den Vorbereitungen. Sollte die Impfzulassung erfolgt sein - wahrscheinlich Ende Dezember - würden die Impfzentren stufenweise in allen Regionen öffnen, so Hesse. Nach einem Bericht der RBB-Sendung «Brandenburg aktuell» haben sich bereits 700 Ärzte freiwillig für die Impfzentren gemeldet.
Mit Blick auf die Diskussion um ein «Böllerverbot» zu Silvester verwies Ministerin Nonnemacher noch einmal auf den Personalmangel im Gesundheitsbereich. Sie sei in ihrem Leben als Ärztin oft Notdienste gefahren. Die Krankenhäuser seien jetzt schon überlastet, in der Silvesternacht gebe es erfahrungsgemäß einen «Massenanfall» an zu behandelnden Verletzten, schätzte Nonnemacher ein. Sie forderte zum «Böllerverbot» eine deutschlandweit einheitliche Linie.
Die Länderchefs wollen an diesem Sonntag (ab 10.00 Uhr) mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) über schärfere Corona-Regeln beraten. Brandenburg plant Ausgangsbeschränkungen, die Schließung von Läden außer solchen mit wichtigen Dingen für den täglichen Bedarf und von Schulen für den Präsenzunterricht ab der siebten Klasse. Darauf hatte sich das Kabinett am Freitag verständigt.
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Vor den erwarteten schärferen Corona-Maßnahmen haben viele Brandenburger den Samstag noch einmal zu Weihnachtseinkäufen genutzt - ein Ansturm blieb aber aus. In der Potsdamer Innenstadt war es voll, viele Menschen kauften ein, wie ein dpa-Reporter berichtete. Auch in Cottbus und Frankfurt (Oder) waren die Einkaufszentren nach dpa-Informationen voll.
Der stellvertretende Geschäftsführer beim Handelsverband Berlin-Brandenburg (HDE), Günter Päts, rechnet mit einem guten Umsatz in den großen Shopping-Centern. Insgesamt zeichnete er aber mit Blick auf die erwarteten schärferen Corona-Beschränkungen ein eher düsteres Bild für die Branche. «Die umsatzstärksten Wochen waren immer die Wochen vor Weihnachten», sagte Päts der Deutschen Presse-Agentur. Nun fielen auch die verkaufsoffenen Sonntage weg. Leidtragende seien vor allem die Facheinzelhändler in den Innenstädten. Er rechnet mit einem Umsatzrückgang von bis zu 30 Prozent und befürchtet Auswirkungen für den Einzelhandel auch auf das kommende Jahr.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Samstag, 12. Dezember 2020 17:39 Uhr

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