Krankenhausgesellschaft: Situation «dramatisch» in Hotspots

Krankenhausgesellschaft: Situation «dramatisch» in Hotspots

In einzelnen Regionen Brandenburgs mit hohen Infektionszahlen ist die Lage in den Krankenhäusern aus Sicht der Landeskrankenhausgesellschaft sehr ernst. Bereits jetzt finden Verlegungen von Patienten in weniger belastete Gebiete des Landes statt, wie Geschäftsführer Michael Jacob am Donnerstag sagte. «Es wird geschaut, wo noch freie Kapazitäten sind im Land.» Zu den besonders betroffenen Regionen zählt vor allem die Niederlausitz. «Dort ist die Lage dramatisch», so Jacob.

Eine Corona-Patientin wird auf einer Intensivstation versorgt

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Eine Corona-Patientin wird auf der Intensivstation einer Uniklinik versorgt.

Wie aus dem Intensivregister der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) hervorgeht (Stand: 10.12., 12.19 Uhr), sind in Oberspreewald-Lausitz 25 Prozent der Intensivbetten mit Covid-19-Patienten belegt, Null Betten sind dort frei. In Oder-Spree sind es 24,62 und in Elbe-Elster 21,43 Prozent. Derzeit sind 153 der 757 Intensivbetten im Land frei.
Die Gesellschaft erwartet, dass sich die Lage weiter verschärfen wird. «Das, was wir heute im Krankenhaus sehen an schweren Fällen, das ist das Infektionsgeschehen von vor drei bis vier Wochen. Die Zahlen sind nicht runter gegangen», sagte Jacob. Es sei sehr wichtig, dass sich die Bevölkerung an alles hält, was das Infektionsgeschehen gering halte.
Damit die Krankenhäuser schwere Fälle sowie Corona-Infizierte versorgen können, sollten die 24 Reha-Kliniken im Land leichte und mittelschwere Patienten aufnehmen, teilte das Gesundheitsministerium Anfang der Woche mit. Noch sei es nicht so weit, sagte Jacob. Wenn die Krankenhäuser jedoch bald überlaufen, wäre das aber eine Maßnahme, die gezogen werden müsse.
Auch in den Reha-Kliniken gebe es ärztliche und pflegerische Kompetenz, allerdings deutlich weniger. «Dorthin kommen ja eigentlich mobile Menschen.» Inwieweit die Regelung praktikabel sei, müsse man dann sehen. «Wir brauchen alle Optionen, die entlasten.»
Kritisch sieht Jacob die unterschiedliche Finanzierung der Häuser. Mit dem neuen Bevölkerungsschutzgesetz erhalten viele Kliniken keine finanzielle Unterstützung des Bundes mehr - zum Beispiel diejenigen, in deren Umkreis das Infektionsgeschehen niedriger ist. Das torpediere aber die Verlegung von Patienten aus Corona-Hotspot-Regionen, die gerade sehr wichtig sei. Denn auch in niedriger belasteten Regionen würden Krankenhäuser runterfahren und nicht notwendige Operationen verschieben, um sich bereit zu halten, sagte Jacob. «Erhalten sie dafür keine Finanzierung, kommen sie schnell in Liquiditätsprobleme.»

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Donnerstag, 10. Dezember 2020 13:58 Uhr

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