Kita-Check»: Streit um Kriterien für gute Erziehung

Kita-Check»: Streit um Kriterien für gute Erziehung

Der für diesen Herbst von Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) angekündigte Start des Brandenburger «Kita-Checks» ist nun für das kommende Jahr geplant. Dies teilte das Bildungsministerium in Potsdam der Deutschen Presse-Agentur mit. Die Corona-Pandemie habe im zuständigen Arbeitsbereich zu deutlichen Zeitverlusten geführt. Derzeit werde noch intensiv an den Unterlagen zur europaweiten Ausschreibung gearbeitet.

Kita-Symbolbild

© dpa

Kinderhände und ein Regenbogen sind an einer Kita zu sehen.

Ende 2017 hatte der Landtag das Ministerium beauftragt, «wissenschaftlich fundierte Prozesse» zu entwickeln, um die Qualität der frühkindlichen Bildung zu stärken. Dazu sollte ein Dialog mit den Trägern der Kitas «multiperspektivisch und multimethodal» geführt werden. Im Vorjahr einigten sich SPD, CDU und Grüne in ihrer Koalitionsvereinbarung darauf, das Kita-Gesetz zu überarbeiten und darin Qualitätsanforderungen für die frühkindliche Bildung festzuschreiben.
Bislang nutzen die mehr als 750 Brandenburger Kita-Träger verschiedene Systeme zur Qualitätssicherung - ohne Landeszuschüsse. Das Bildungsministerium will nun alle Kitas nach einem neuen System mit dem Titel «Kita-Check Brandenburg» überprüfen, das vom Institut für angewandte Familien-, Kindheits- und Jugendforschung der Uni Potsdam entwickelt wird. Dafür sind allein im kommenden Haushalt 1,48 Millionen Euro vorgesehen.
Die Spitzenverbände der Wohlfahrtspflege sowie Träger verschiedener Einrichtungen erheben seit Monaten Einwände gegen dieses Vorgehen. Sie befürchten, dass bisher erfolgreich angewandte externe Prüfverfahren durch ein einziges neues Messverfahren ersetzt werden, das der Vielfalt der Kita-Konzeptionen nicht entspreche. Nach ihrer Ansicht fehlt bislang ein landesweit gültiger Rahmen für anerkannte und messbare Qualitätskriterien einer guten Arbeit in Kindertageseinrichtungen.
Massive Kritik am Vorhaben des Ministeriums üben auch vier Potsdamer Professoren aus dem Bereich der frühkindlichen Bildungsforschung in einer gemeinsamen Stellungnahme. Die darin vorgeschlagenen Instrumente seien ungeeignet, der aktuelle Stand der Diskussion bleibe unberücksichtigt. Ziel müsse ein Verfahren auf der Basis bestehender Prüfsysteme sein, das in Kooperation mit den Trägern entwickelt werde und eine Vielfalt an standardisierten und wissenschaftlich überprüfbaren Instrumenten enthalte.
Ein solches Verfahren wird beispielsweise in Berlin angewandt. Dort haben sich Ende 2017 Senat und Kita-Träger darauf geeinigt, die internen pädagogischen Konzepte alle fünf Jahre durch einen anerkannten Anbieter für externe Fachprüfungen durchchecken zu lassen. Durch den Blick von außen sollen Empfehlungen für die internen Qualitätsprogramme der Kita-Träger ausgesprochen werden. Die Vereinbarung gilt für alle öffentlich finanzierten Kindertagesstätten in Berlin.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Mittwoch, 2. Dezember 2020 06:07 Uhr

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