Flaggen wehen gegen Gewalt an Frauen

Flaggen wehen gegen Gewalt an Frauen

An verschiedenen Orten in Brandenburg haben am Mittwoch Flaggen zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen geweht. Im Innenhof des Landtages hissten Präsidentin Ulrike Liedtke und Sozialministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) gemeinsam mit den frauenpolitischen Sprecherinnen der Fraktionen und dem Frauenpolitischen Rat Brandenburg eine orange-farbene Flagge mit der Aufschrift «Wir sagen NEIN zu Gewalt gegen Frauen», wie die Beteiligten am Mittwoch mitteilten.

Rote Damenschuhe sind im Innenhof des Landtages zu sehen

© dpa

Rote Damenschuhe sind im Innenhof des Landtages zu sehen.

Im Innenhof wurden 135 Paar rote Schuhe für 135 Frauen aufgestellt, die 2019 in Deutschland von ihrem (Ex-)Partner getötet wurden oder an den Folgen von Misshandlung starben. Allein 117 davon wurden nach Angaben von Hilfsorganisationen von ihrem früheren Partner umgebracht. Lina Schwarz vom Netzwerk der brandenburgischen Frauenhäuser vermutet, dass die Dunkelziffer um ein Vielfaches höher ist. «Es kann nur erfasst werden, was Frauen auch melden.» Um das Dunkelfeld zu erhellen, müssten Polizisten und Mitarbeitende der Justiz im Umgang mit Betroffenen besser geschult werden. Daneben wäre laut Schwarz ein gesellschaftliches, grundsätzliches Umdenken nötig.
Von März bis Juli registrierte die Polizei in Brandenburg den Angaben zufolge 1840 Fälle häuslicher Gewalt - 22 Prozent (332 Fälle) mehr als im Vorjahreszeitraum. «Corona hat die Schwachstellen im Hilfesystem schonungslos aufgedeckt. Es bedarf dringend eines bundesgesetzlich festgeschriebenen Anspruchs für jede betroffene Frau auf unkomplizierten, schnellen Zugang zu Hilfsangeboten», erklärte Sozialministerin Nonnemacher. Gewalt an Frauen sei keine Privatsache.
In Brandenburg stehen nach Ministeriumsangaben 22 Frauenhäuser und Schutzwohnungen sowie zwei zusätzliche Fachberatungsstellen für Gewaltbetroffene bereit. Insgesamt gebe es 286 Plätze in 127 Räumen für schutzbedürftige Frauen und ihre Kinder.
Für Claudia Sprengel, Sprecherin des Frauenpolitischen Rates, ist klar: «Um Gewalt gegen Frauen bis hin zu ihrer Tötung (Femiziden) zu bekämpfen, braucht es nachhaltige Präventionsarbeit. Wenn die Frage kommt «Warum ist sie nicht früher gegangen?» darf die Antwort niemals sein «Weil kein Platz frei war».» Mit einem Frauenhaus-Finanzierungsgesetz könnten flächendeckend Beratungsangebote bereitgestellt werden.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Mittwoch, 25. November 2020 15:25 Uhr

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