Rentnerin erstochen: Angeklagter wird freigesprochen

Rentnerin erstochen: Angeklagter wird freigesprochen

DNA-Spuren an der Leiche und an verschiedenen Gegenständen waren es, auf die sich die Ermittler im Fall eines Gewaltverbrechens aus Erkner (Oder-Spree) konzentriert hatten. Die Spuren führten sie zu einem 25-Jährigen. Am Dienstag sprach das Landgericht Frankfurt (Oder) denn Mann vom Vorwurf des Mordes frei (24 (Hi) KLs 1/20).

Auf der Richterbank liegt ein Richterhammer aus Holz

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Auf der Richterbank liegt ein Richterhammer aus Holz.

Die Richter folgten damit dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die Freispruch aus Mangel an Beweisen beantragt hatte, wie das Gericht mitteilte. «Nach einer umfangreichen Beweisaufnahme hatte das Gericht an der Täterschaft des Angeklagten erhebliche Restzweifel, so dass zu seinen Gunsten entschieden worden ist», sagte Gerichtssprecher Jasper Schüler-Dahlke nach der Urteilsverkündung. Auch die Verteidigung hatte Freispruch beantragt.
Die Staatsanwaltschaft hatte den 25-Jährigen wegen heimtückischen Mordes und Raubes angeklagt. Er sollte demnach eine damals 72-Jährige aus Habgier erstochen haben, als sie ihn im Juni 2015 bei einem Einbruch in ihre Wohnung überrascht hatte. Anschließend sollte er mit der Geldbörse der Frau geflohen sei. Der Deutsche hatte bestritten, die Frau getötet zu haben.
Laut Anklage kannten sich der 25-Jährige und die Rentnerin durch mehrere Besuche. Bevor die Polizei den Berliner fasste, wurde jahrelang vergeblich nach einem Täter gefahndet. Eine DNA-Spur, die der Angeklagte bei einem Einbruch in einer Schule hinterlassen haben soll, lieferte im Januar 2020 einen Treffer. Seitdem saß der Mann in Untersuchungshaft. Nun entschied das Gericht, die Beweise reichen nicht aus, um den 25-Jährigen zu verurteilen.
Die an der Toten, an einer Taschenlampe und einem Türrahmen gefundenen DNA-Spuren konnten zwar fast zweifelsfrei dem jungen Mann zugeordnet werden. Doch könnten die Spuren auf der Taschenlampe auch von einem früheren Besuch des 25-Jährigen stammen, bei dem er gemeinsam mit einem Verwandten der 72-Jährigen im Haus bei Arbeiten geholfen hatte. Und ob eben diese Spuren von der Lampe nicht auf andere Weise als durch den Angeklagten auf die Leiche gekommen seien, habe das Gericht nicht zweifelsfrei ausschließen können.
Neben den Spuren habe es so gut wie keine anderen Beweise gegeben, so Schüler-Dahlke. Auch sei der Angeklagte nicht vorbestraft.
Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Da jedoch auch die Anklage den Freispruch beantragt hatte, ist es unwahrscheinlich, dass Rechtsmittel eingelegt werden.
Wie die zuständige Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder) im Fall nun weiter ermittelt, ob die Akte geschlossen wird oder weitere Beweise begutachtet werden, bleibe laut einem Sprecher abzuwarten. Nach dem Urteil könne man dazu noch keine Angaben machen.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Dienstag, 10. November 2020 15:12 Uhr

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