Ganz Brandenburg ist Risikogebiet: Gastgewerbe will Hilfe

Ganz Brandenburg ist Risikogebiet: Gastgewerbe will Hilfe

Alle 14 Landkreise und vier kreisfreien Städte in Brandenburg sind inzwischen zum Corona-Risikogebiet geworden. Als letzter Kreis übersprang Märkisch-Oderland mit einem Wert von 61,8 neuen Ansteckungen je 100 000 Einwohner innerhalb einer Woche die Marke von 50, wie aus Zahlen des Gesundheitsministeriums vom Montag hervorgeht. Cottbus ist landesweit an der Spitze mit der Zahl von 126,4. Landesweit kamen von Sonntag zum Montag 162 neue Infektionen hinzu. Wegen des Wochenendes können die Meldungen zeitverzögert sein. In Krankenhäusern werden derzeit 224 Patienten behandelt. Seit Montag gelten schärfere Regeln im öffentlichen Leben gegen die Pandemie - Gaststätten, Theater und Kinos sind zu.

Coronavirus in Brandenburg

© dpa

Ein Plakat mit dem Aufdruck „Maskenpflicht“ und „Abstand halten“ hängt an einem Laternenmast in Potsdam.

Der Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) Brandenburg, Olaf Schöpe, warnte vor einem Kollaps der Branche. «Wir brauchen schnelle Hilfen», sagte Schöpe nach einem Austausch der Tourismusverbände mit Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD). Es könne sein, dass sich Betriebe vom Markt verabschieden müssten. Dabei habe die Branche die Hygieneregeln «vorbildlich umgesetzt». Der Geschäftsführer des Landestourismusverbands, Markus Aspetzberger, forderte, dass mehr Infektionen nachvollziehbar werden müssen. Dieter Hütte, Chef von Tourismus-Marketing Brandenburg, sagte, es gebe allerdings auch Gewinner der Corona-Krise wie etwa Campingplätze.
Steinbach gab den Verbänden mit Blick auf die Schließung von Gaststätten und dem vorläufigen Übernachtungsverbot für Touristen die Botschaft mit: «Ihr seid nicht schuld.» Nach den bisherigen Plänen der Bundesregierung sollen Solo-Selbstständige und Betriebe mit bis zu 50 Mitarbeitern ihre Umsatzausfälle im Umfang von 75 Prozent des Umsatzes aus dem November 2019 ersetzt bekommen, bei größeren Unternehmen soll es etwas weniger sein. Im Brandenburger Gastgewerbe arbeiten der Dehoga zufolge bis zu 60 000 Menschen, im gesamten Tourismus laut der Marketinggesellschaft 100 000 Beschäftigte.
Gegen die schärferen Corona-Beschränkungen regt sich Widerstand. Zwei Eilanträge seien bisher eingetroffen, sagte die Sprecherin des Oberverwaltungsgerichts (OVG) Berlin-Brandenburg, Christiane Scheerhorn. Dabei handle es sich um ein Tattoo- und ein Sonnen-Studio. Nach der neuen Brandenburger Corona-Verordnung dürfen Dienstleister der Körperpflege wie Kosmetik-, Tattoo- und Sonnenstudios bis Ende November zunächst nicht mehr öffnen. Auch im Brandenburger Gastgewerbe prüfen Betriebe, gegen die Schließung vorzugehen, wie Dehoga-Hauptgeschäftsführer Olaf Lücke sagte.
Seit Montag gelten in Brandenburg diese schärferen Regeln für das öffentliche Leben - vorerst bis Ende November:
GESCHLOSSEN: Gaststätten, Kinos, Theater, Museen, Sporthallen und Fitnessstudios sind zu. Gaststätten können Speisen und Getränke liefern oder abholen lassen. Kosmetik-, Tattoo- und Sonnenstudios müssen ebenfalls schließen.
TOURISMUS: Hotels und Pensionen dürfen keine Touristen übernachten lassen. Reisende, die geschäftlich oder aus anderen notwendigen Gründen unterwegs sind, dürfen aber dort schlafen.
HANDEL: Supermärkte und Einzelhandel bleiben offen - wenn nicht mehr als ein Kunde pro 10 Quadratmeter Verkaufsfläche im Geschäft ist.
MASKENPFLICHT: Mund-Nasen-Bedeckung muss in öffentlichen Bussen und Bahnen, im Einzelhandel, in Bürogebäuden und Gaststätten außerhalb des Platzes, Aufzügen und bei Besuchen in Krankenhäusern und Pflegeheimen getragen werden. Schüler müssen sie in Schulgebäuden tragen, im Unterricht gilt das nur für die Oberstufe in Gymnasien und Oberstufenzentren.
KONTAKT: Draußen dürfen höchstens zehn Menschen aus zwei Hausständen zusammenkommen. An privaten Feiern dürfen höchstens zehn Menschen aus zwei Hausständen teilnehmen.
SPORT: Freizeit- und Amateursport sind vorerst ausgesetzt, aber Joggen, Radfahren, Tischtennis sind zum Beispiel erlaubt.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Montag, 2. November 2020 18:36 Uhr

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