Schweinepest: Bauern und Jäger werfen Behörden Versagen vor

Schweinepest: Bauern und Jäger werfen Behörden Versagen vor

Brandenburger Landwirte und Jäger werfen den Behörden Versagen beim Kampf gegen die Afrikanische Schweinepest vor. «Wir fordern einen gemeinsamen und zentralen Krisenstab, der auch mit Kompetenzen ausgestattet sein muss», sagte Landesbauernpräsident Henrik Wendorff am Freitag in Teltow (Teltow-Fläming). Erneuert wurde der Appell, schnellstmöglich einen festen Zaun zu errichten, um eine Ausbreitung der Seuche zu verhindern. «Ich erwarte am Montag einen Anruf von einer von der Landesregierung berufenen Person, die künftig die Arbeit aller Behörden und beteiligten Ministerien koordiniert», forderte Präsident Wendorff. Derzeit seien die drei Landkreise Spree-Neiße, Oder-Spree und Dahme-Spreewald zuständig und deren Kompetenzen endeten jeweils an der Kreisgrenze.

Henrik Wendorff, Präsident des Landesbauernverbandes Brandenburg

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Henrik Wendorff, Präsident des Landesbauernverbandes Brandenburg.

Landes-Verbraucherschutzministerin Ursula Nonnemacher (Bündnis 90/Grüne) wies die Kritik zurück. «Nach Bekanntwerden des ersten amtlich festgestellten Verdachts haben das Land und die betroffenen Landkreise sofort und umfassend reagiert», betonte sie auf Anfrage. Die Krisenstrukturen auf Landes- und Kreisebene seien etabliert und zur Bewältigung solcher Tierseuchen geeignet. Das hätten sie zuletzt bei der Geflügelpest 2016/17 bewiesen.
Vergangene Woche war in Schenkendöbern im Landkreis Spree-Neiße der deutschlandweit erste Fall der Afrikanischen Schweinepest (ASP) amtlich bestätigt worden. Mittlerweile gibt es 13 Fälle der - für den Menschen ungefährlichen - Seuche bei Wildschweinen, die vom nationalen Referenzlabor im bundeseigenen Friedrich-Loeffler-Institut bestätigt wurden, wie das Bundesagrarministerium am Freitag mitteilte.
Nach den zuletzt bestätigten Fällen bei Neuzelle hat der Landkreis Oder-Spree das sogenannte Kerngebiet erweitert: Es hat nun einen Umfang von 60 Kilometern und nimmt 150 Quadratkilometer ein, wie das Landes-Ministerium mitteilte. Das erweiterte Kerngebiet wird seit Freitag mit mobilen elektrischen Weidezäunen eingezäunt. Das festgelegte gefährdete Gebiet mit einem Radius von etwa 20 bis 25 Kilometern um den ersten Fundort bei Schenkendöbern bleibt nach den Angaben unverändert. Um das gefährdete Gebiet herum wurde zudem eine Pufferzone mit einer Fläche von rund 2300 Quadratkilometern eingerichtet, die als seuchenfrei gilt.
«Die Stimmung ist äußerst schlecht. Es sind nicht wirklich Lösungssignale erkennbar», sagte Landwirt Bernd Starick aus Grießen, Landkreis Spree-Neiße. In einigen Betrieben musste angesichts des Totalverbots der landwirtschaftlichen Betätigung in der gefährdeten Zone Kurzarbeit beantragt werden. «Wir brauchen praktikable Lösungen, wollen die Felder bestellen und Tiere versorgen. Es geht nicht um Entschädigung», sagte er.
Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) hatte am Donnerstag im Bundestag den Landwirten zugesichert: «Wir lassen sie in dieser besonderen Situation nicht allein.» Es werde überlegt, welche Maßnahmen möglicherweise wann ergriffen werden könnten.
«Wir wollen helfen, müssen aber wissen, wo und wie», sagte Dirk-Henner Wellersdorf, Präsident des Landesjagdverbandes. Beispielsweise sei völlig unklar, wie Jäger, die bei der Suche nach verendeten Wildschweinen unterwegs seien, Fahrzeuge, Hunde und sich selbst desinfizieren sollen, wie gefordert.
Nach wie vor bemängeln Jäger und Landwirte auch die aus ihrer Sicht «dilettantisch in die Landschaft» gestellten Zäune, die für Wildschweine leicht zu überwinden seien. «Wir hätten erwartet, dass wirksame feste Wildschutzzäune bereit stehen», sagte Wellersdorf. Es sollten mindestens 1,50 Meter hohe Doppelgitterstäbe sein, die etwa 50 Zentimeter in der Erde verankert seien, hieß es. «Erst wenn wir das genaue Ausmaß des Kerngebietes, das ist das Hochrisikogebiet, kennen, kann ein fester Zaun gebaut werden», sagte dazu die Ministerin.
Unterdessen geht die intensive Suche nach totem Wild im betroffenen Landkreis Spree-Neiße weiter. Einsatzkräfte, die mit der Fallwildsuche beauftragt sind, nutzen GPS-Geräte, um bereits abgesuchte Areale zu erkennen. Am kommenden Montag wird im Landkreis eine spezielle Hundestaffel aus Schleswig-Holstein erwartet, die bei der Suche nach totem Wild helfen soll. Nach Aussage von Stefanie Hausser, Hundeausbilderin bei der Segeberger Kreisjägerschaft, sind die Hunde darauf trainiert, verendete Wildschweine aufzuspüren und lebende Schweine anzuzeigen, die eventuell geschossen werden müssen. Ein Hund ersetzt den Angaben zufolge etwa zehn Suchende.
«Die intensive Fallwildsuche ist das Gebot der Stunde!», betonte Nonnemacher. Hubschrauber mit Wärmebildkameras, Drohnen und geschulte Suchtrupps seien im Einsatz. Zudem gebe es für alle, die im gefährdeten Gebiet ein totes Wildschwein finden und melden, eine Aufwandsentschädigung von 100 Euro.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Freitag, 18. September 2020 18:40 Uhr

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