Haftstrafen für Hauptangeklagte im Cottbuser Drogen-Prozess

Haftstrafen für Hauptangeklagte im Cottbuser Drogen-Prozess

Es war ein außergewöhnlicher Prozess an ungewöhnlicher Stelle: Einer der größten Drogen-Prozesse der vergangenen Jahre in Brandenburg mit fünf Angeklagten fand wegen der Einhaltung der Corona-Hygiene-und Abstandsregeln am Montag in der Messehalle in Cottbus seinen vorläufigen Abschluss. Das Landgericht verurteilte die Hauptangeklagten zu hohen Haftstrafen. Die beiden beschuldigten Brüder müssen wegen gewerbsmäßigen Handelns mit Betäubungsmitteln für jeweils neun Jahre ins Gefängnis. Zwei Jahre davon kommen sie per Gerichtsurteil in eine Entzugseinrichtung.

Blick in einen Verhandlungssaal vom Landgericht Cottbus

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Blick in einen Verhandlungssaal mit dem Brandenburger Adler im Landgericht von Cottbus (Brandenburg).

Ein weiterer Angeklagter wurde wegen Beihilfe zu einer Haftstrafe von viereinhalb Jahren und der Unterbringung in einer Entziehungsanstalt verurteilt. Ein vierter Beschuldigter erhielt drei Jahre Haft. Die Lebensgefährtin eines der Hauptangeklagten kam als fünfte Angeklagte wegen Beihilfe mit einer Bewährungsstrafe davon, was sie mit sichtlicher Erleichterung aufnahm. Die Frau hatte laut Gericht bei der Verpackung der Drogen geholfen und eine Auslieferung begleitet, wurde vom Gericht aber nicht als Bandenmitglied gewertet. Gegen die Urteile kann Revision eingelegt werden, sie sind noch nicht rechtskräftig.
Das Gericht blieb damit unter den Forderungen der Staatsanwaltschaft, die Gefängnisstrafen zwischen zweieinhalb und 11 Jahren gefordert hatte. Die vier Männer und die Frau hatten laut Anklage bandenmäßig mit Hunderten Kilo Marihuana gehandelt. In den Jahren 2018 und 2019 hatten die Beschuldigten Marihuana in einer Gesamtmenge von etwa 750 Kilo gekauft und verkauft. Insgesamt ging es dem Landgericht zufolge um eine Menge von etwa einer Tonne Rauschgift, vor allem Marihuana.
Die Ermittler hatten die Drogenbande viele Monate observiert, unter anderem, in dem sie Telefongespräche zu Lieferungen abhörten - darunter nach Leipzig, Erfurt und Passau in Bayern. Zudem fanden sie heraus, wo die Drogen gelagert wurden, darunter auf dem Gelände eines früheren Munitionsdepots in Wolfsruh und in angemieteten Garagen, wie der Vorsitzende Richter weiter ausführte. Warenübergaben erfolgten auch auf der Trabrennbahn Hoppegarten. Am 14. Juni 2019 erfolgte dann der Zugriff durch die Polizei. Dabei waren drei der Angeklagten verletzt worden.
Landschaft in der Prignitz
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In seiner Urteilsbegründung sagte der Vorsitzende Richter, die beiden Hauptangeklagten hätten mit erheblicher krimineller Energie gehandelt. Strafmildernd sei gewesen, dass sie ein Geständnis abgelegt hatten. Trotz der nachgewiesenen Drogenabhängigkeit der Angeklagten sehe das Gericht sowohl bei den Hauptbeschuldigten als auch bei den Mittätern aber keine Verminderung der Schuldfähigkeit.
Der Prozess fand wegen der Corona-Pandemie an ungewohnter Stelle statt. Wegen der Vielzahl an Verteidigern der fünf Angeklagten war die Verhandlung in die Messehalle verlegt worden, um die Abstandsregeln von 1,50 Metern einhalten zu können.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Montag, 31. August 2020 17:25 Uhr

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