Karnevalsverband Berlin-Brandenburg: Feiern «mit Bedacht»

Karnevalsverband Berlin-Brandenburg: Feiern «mit Bedacht»

Der Karnevalsverband Berlin-Brandenburg hat sich dagegen ausgesprochen, wegen der Corona-Pandemie die kommende Session abzusagen. «Die Karnevalszeit ist vom 11.11. bis zum Aschermittwoch festgeschrieben. Es wäre so, als ob Weihnachtsfest, Ostern oder Pfingsten ebenfalls aus dem Kalender gestrichen werden», so Präsident Fred Witschel am Mittwoch.

«Schon seit Monaten denken wir Karnevalisten darüber nach, wie wir die nächste Karnevalssaison feiern. Und das mit Bedacht», so der Karnevalist. «Die Besinnung auf den Ursprung des Karnevals, hin zu alten Bräuchen und Traditionen, weg vom Kommerz, dahin gehen unsere Überlegungen.» Gesundheit stehe bei den Karnevalisten an erster Stelle.
Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte sich zuvor wegen der Corona-Pandemie skeptisch dazu geäußert, ob im kommenden Winter Karneval stattfinden könne. Der Verband bezeichnete dies als «Schlag ins Gesicht». Tausende Karnevalisten, insbesondere Kinder und Jugendliche, engagierten sich das ganze Jahr in den Vereinen für das Brauchtum Karneval. «Ihr ehrenamtliches Engagement wird so mit Füßen getreten», so Witschel. Der Verband forderte Spahn auf, sich mit den Vereinen an einen Tisch zu setzen.
139 Karnevalsvereine existieren laut dem Verband in Brandenburg. Der «Zug der fröhlichen Leute» in Cottbus gilt als der größte Umzug in Ostdeutschland. «Keiner hat bis jetzt aufgegeben», sagte der Präsident des Karneval Verband Lausitz 1990, Matthias Schulze. Im Süden Brandenburgs bereiteten sich die Vereine trotz Pandemie auf die kommende Session vor. Sorge unter den Vereinen, dass die Karnevalszeit ausfallen könnte, bestehe dennoch. «Selbst wenn wir die Veranstaltungen durchführen, die Gäste aber aus Angst wegbleiben, haben wir Probleme mit der Finanzierung», sagte Schulze. Da stelle sich die Frage: «Können wir uns das überhaupt leisten?».
Der ehemalige Präsident und Mitglied des Vereins Cottbuser Karneval 1980, Siegfried Grawunder, sagte: «Egal in welcher Region, Karneval kann man nicht einfach verbieten. Das ist eine Tradition.» Natürlich könnten Veranstaltungen eingeschränkt stattfinden oder abgesagt werden. «Wir müssen uns an die Hygieneauflagen halten.» Wichtig sei aber, so Grawunder, dass etwas passiere. Traditionsmäßig sollte man sich auf jeden Fall treffen. Zum Beispiel beim Rathaussturm am 11. November. Das Event finde eh im Freien statt. Man müsste das Ganze eben mit etwas mehr Platz gestalten.
Landschaft in der Prignitz
© Antje Kraschinski/Berlinonline

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Aber wie lassen sich Karnevalsfeiern mit bis zu 2000 Menschen wie im Partyzelt im Anschluss an den Umzug in Cottbus mit Blick auf Corona sicher umsetzen? Für Präsident Schulze ist klar: «Karneval ist nichts für den Online-Bereich. Das muss mit den Menschen vor Ort gemeinsam gemacht werden». Ob und wie die Veranstaltungen stattfinden, ist nach Worten des Unternehmers derzeit jedoch noch offen. «Wir warten ab, was geschieht. Wenn wir aber weiterhin nur über Infektionen und nicht über tatsächliche Krankheiten sprechen, ist schon sicher, dass uns die Einschränkungen auch noch in den nächsten Jahren beschäftigen werden.»
Abgesagte Veranstaltungen wären für die Vereine ein Problem. «Wir haben zum Teil Fünf-Jahres-Verträge mit Hallen für mehrere Veranstaltungen jährlich», sagte er. Bei den Veranstaltungen auf Stadt- und Straßenfesten mache der Verein die meisten Einnahmen. Mitgliedsbeiträge deckten nur einen kleinen Teil der Vereinskosten ab.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Mittwoch, 19. August 2020 13:57 Uhr

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