Noch ein zartblaues Blütenmeer: Öllein bald zur Ernte reif

Noch ein zartblaues Blütenmeer: Öllein bald zur Ernte reif

Die vergangenen zwei Jahre mit extremer Trockenheit haben den Südbrandenburger Anbauern von Leinsamen zur Herstellung von Leinöl eine schlechte Ernte eingebracht - in diesem Jahr hoffen sie auf gute Erträge. Sie gehe wegen der derzeitigen günstigen Witterungsbedingungen von einer «sehr guten» Ernte aus, sagte die Vorstandsvorsitzende der Agrargenossenschaft Drebkau, Dagmar Schenke, der Deutschen Presse-Agentur am Dienstag. Der Betrieb baut in diesem Jahr auf 21 Hektar Leinsamen an. Im vergangenen Jahr waren es noch 39 Hektar. Der Ertrag sei mit 14 Tonnen aber schlecht gewesen, sagte Schenke. Zum Vergleich: Pro Hektar kann etwa eine Tonne Öl gewonnen werden.

Leinblüte

© dpa

Öllein.

Insgesamt fällt die Anbaufläche in diesem Jahr mit 140 Hektar deutlich geringer aus als 2019, wie Andreas Traube vom Spreewaldverein mitteilte. Da waren es noch 210 Hektar. Im Jahr 2018 hatte die Anbaufläche 225 Hektar betragen. Im vergangenen Jahr hatten noch sieben Landwirte die Pflanze angebaut, in diesem Jahr sind es nur fünf.
Die anhaltende Trockenheit der letzten zwei Jahre habe den Leinbauern zu schaffen gemacht, bestätigte Traube. Die Ernte der Leinsamen sei viel niedriger ausgefallen als erwartet. «Lein ist durch die kurze Vegetationszeit wesentlich empfindlicher als andere landwirtschaftliche Kulturen, wenn Niederschläge ausblieben», erklärte Traube. In der Regel vergingen bei Leinsamen nur 120 bis 125 Tage zwischen Aussaat und Ernte.
Derzeit verwandeln sich die Anbaufelder in Meere aus zartblauen Blüten. Spannend wird es nach dem Abblühen, dann beginnt sich die Pflanze Traube zufolge braun und gelb zu verfärben. Werde die Leinkapsel geschüttelt, könne man den Samen darin rascheln hören, berichtete er. Geerntet werden könne voraussichtlich Mitte August. Der Ertrag liege bei etwa einer Tonne Öl pro Hektar.
Während die Landwirte mit schwierigen Witterungsbedingungen zu kämpfen haben, hat die Corona-Pandemie auch die Ölmühlen hart getroffen. Sie vertreiben nach Angaben des Spreewaldvereins ihr Leinöl überwiegend über Direktvermarktung vom Hofladen aus, auf Wochenmärkten oder über touristische Dienstleister.
Die ausgefallenen großen Events und Messen wie die Grüne Woche oder Erntefeste und der Gästerückgang im Spreewald wegen Corona hätten zu Absatzeinbußen geführt, sagte der Inhaber der Kanow-Mühle Sagritz in Golßen, Christian Behrendt. Seine Mühle, die 25 verschiedene Öle presst, habe im vergangenen Jahr zwischen 50 und 60 Tonnen Leinsamen verarbeitet. In diesem Jahr werde es weniger werden, schätzte er ein. Behrendt hofft, dass nun wegen der Corona-Pandemie mehr Menschen in Brandenburg Urlaub machen und in den Ölmühlen vorbeischauen.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Dienstag, 30. Juni 2020 14:17 Uhr

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