Brandenburgs Sozialverbände schränken Angebot ein

Brandenburgs Sozialverbände schränken Angebot ein

Die Corona-Krise hat zahlreiche Angebote im sozialen Bereich in Brandenburg wegbrechen lassen. Nach und nach greifen aber auch hier die Lockerungen und Einrichtungen öffnen wieder, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergab. «Während der Pandemie und den damit einhergehenden Eindämmungsverordnungen standen unsere Kreisverbände und die Einrichtungen vor großen Herausforderungen», sagt die Sprecherin des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Brandenburg, Marie-Christin Lux. Angebote wie etwa Kleiderkammern mussten vorübergehend schließen, in Pflegeeinrichtungen galten Besuchsverbote.

«Wo immer es möglich war, haben wir unsere Angebote jedoch weitergeführt oder der aktuellen Lage angepasst», sagt die Sprecherin. So wurden Beratungen online oder per Telefon angeboten. «In einigen Pflegeeinrichtungen haben wir es unseren Bewohnern ermöglicht, per Videotelefonie mit ihren Angehörigen zu sprechen», berichtet Lux. Auch die Brandenburger Tafel und die DRK-Suppenküche in Calau (Oberspreewald-Lausitz) hielten ihr Angebot weiter aufrecht. Bis Ende Mai mussten Erste-Hilfe-Kurse ausgesetzt werden. Seit Juni laufen diese mit einer wesentlich geringeren Teilnehmerzahl wegen der Abstandsregeln wieder an.
Eine Art Telefonseelsorge gab es auch bei der Kontakt- und Beratungsstelle (KBS) der Arbeiterwohlfahrt (Awo) in Wittstock (Ostprignitz-Ruppin). Die Einrichtung bietet Menschen mit psychischen Erkrankungen einen Ort des Austausches und Beratung sowie kulturelle Veranstaltungen. «Das ist gut angenommen worden», sagt KBS-Betreuerin Katrin Ulmer. Zwar werde die Einrichtung wohl erst Anfang Juli wieder öffnen, die Besucher hätten aber schon vorher Wege gefunden, sich zu sehen. «Mitglieder einer Selbsthilfegruppe sind dabei gemeinsam durch die Stadt spaziert und haben sich ausgetauscht - immer mit Abstand natürlich», berichtet sie.
Rund fünf Wochen war das Sozialkaufhaus des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) in Rathenow (Havelland) geschlossen. «Beim ASB Nauen ist während der Corona-Krise die Nachfrage im Bereich Hauskrankenpflege zurückgegangen, da viele Angehörige durch Homeoffice oder Arbeitslosigkeit selbst Pflege- und Betreuungsaufgaben übernommen haben», sagt ASB-Sprecherin Cindy Schönknecht. Die Kleiderkammer des ASB Uckermark sei ebenfalls mehrere Wochen geschlossen gewesen.
Solange es beim ASB Neuruppin (Ostprignitz-Ruppin) keine oder kaum Schutzausrüstung gegeben hatte, sei die Arbeit im ambulanten Pflegedienst überaus schwierig gewesen. «Einige Service-Angebote mussten vorübergehend abgesagt werden, sehr zum Leid der Menschen, die bis dahin selbstverständlich versorgt wurden», sagt die ASB-Sprecherin.
Die Ausfälle im Bildungsbereich des DRK haben Sprecherin Lux zufolge nicht nur die Kunden, sondern auch Aus- und Fortbildungen der ehrenamtlichen Helfer in den Bereitschaften und der Wasserwacht betroffen. «Auch diese laufen seit Beginn des Monats wieder», so die Sprecherin. Allerdings sei es eine Herausforderung, die Vermittlung der Inhalte so anzupassen, dass Abstandsregeln eingehalten werden.
Zudem hat die bisherige Krise den Sozialverbänden finanzielle Einbußen gebracht. «Durch den Wegfall von Großveranstaltungen leisten unsere Helfer dort auch keine Sanitätswachdienste mehr», sagt Lux. Dadurch seien allein beim DRK in Brandenburg Einnahmen in Höhe von gut einer halben Million Euro entfallen. «Diese Mittel fehlen nun für die Beschaffung und Pflege von Ausrüstung und Einsatzkleidung sowie für die Bildung», sagt die Sprecherin.
Erfreulich sei, dass die Menschen wegen der Krise Zeit hatten, Kleidung aus ihren Schränken zu sortieren. «Die Lagerkapazitäten unserer Kreisverbände sind deshalb aber in den vergangenen Wochen an ihre Grenzen gestoßen», sagt Lux. Einige Verbände mussten die Sammlung von Kleiderspenden über Altkleidercontainer vorläufig einstellen.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Samstag, 27. Juni 2020 10:28 Uhr

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