Regierung: Ausbildung von Berufsschullehrern forcieren

Regierung: Ausbildung von Berufsschullehrern forcieren

Vor dem Hintergrund des zunehmenden Fachkräftemangels wollen die rot-schwarz-grünen Regierungsfraktionen im Brandenburger Landtag einen Vorschlag zur Ausbildung von Berufsschullehrern einbringen. «Schon jetzt ist das Fehlen spürbar», sagte Michael Schierack, wissenschaftspolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, der Deutschen Presse-Agentur.

Berufschule

© dpa

Ein Auszubildender setzt an einer Berufsschule eine Schweißnaht an ein Metallteil, während ein Berufsschullehrer zuschaut.

Bislang werden die Lehrer im Land nur berufsbegleitend für die Aufgabe nachqualifiziert. Eine sogenannte grundständige universitäre Ausbildung für Berufsschullehrer gebe es nicht. «Brandenburg bedient sich damit bislang an den Fachleuten, die auf diesem Weg in anderen Bundesländern ausgebildet wurden», sagte Schierack.
Heute sind bereits gut zwei Drittel der Lehrer an märkischen Berufsschulen über 50 Jahre alt. Die Landesregierung rechnet nach einer Erhebung aus dem Jahr 2018 mit einem Bedarf von rund 380 neuen Lehrkräften für berufliche Schulen für die Schuljahre 2020/21 bis 2024/25.
Derzeit sind nach Angaben des Lehrerverbandes beruflicher Schulen im Land etwa 2000 Lehrer beschäftigt. Er begrüße ausdrücklich, dass sich die Parteien und das Land zur Berufsschullehrerausbildung bekennen und einen Studiengang einrichten wollen, sagte Landesvorsitzender Thomas Pehle.
In der Sitzung des Landtags kommende Woche stellen SPD, CDU und Bündnis 90/Grüne ihren gemeinsamen Antrag vor. «Wir wollen die Landesregierung auffordern, bis etwa September kommenden Jahres ein Konzept zu entwickeln», sagte Schierack. Im Blick stehe die Ausbildung auch an Universitäten.
Das 3. Quartal 2021 sei deutlich zu spät, ein Konzept müsse jetzt kommen, kritisierte Kathrin Dannenberg, bildungspolitische Sprecherin der Linksfraktion, die kommende Woche ebenfalls einen Antrag zu dem Thema stellt. Statt auf die Qualifizierung von Seiteneinsteigern zu setzen, müsse es ein klares Bekenntnis zu einer grundständigen universitären Ausbildung mit entsprechenden Lehrstühlen geben. Die Koalition lasse das aus Sicht von Dannenberg offen.
Es sei wichtig, die Berufsschulen mit ausgebildeten Lehrern gut zu besetzen, betonte Schierack. Das Wissenschaftsministerium solle auch prüfen, ob Bachelor- Studiengänge für den Einstieg in eine universitäre Ausbildung von Berufsschullehrern aufgebaut werden könnten.
«Alle Möglichkeiten, um recht schnell Nachwuchs zu gewinnen, sollten ins Auge gefasst werden», sagte er. Es sei bewusst, dass eine universitäre Ausbildung eine Menge Geld kosten werde. «Wir denken deshalb auch an Seiteneinsteiger, die jedoch entsprechend für die Aufgabe qualifiziert werden müssen», sagte er. Zudem seien berufsbegleitende Studienangebote interessant.
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Wichtig sei auch eine frühe und langfristige Bindung der Absolventinnen und Absolventen an das Land, wird in dem Antrag betont. Ihnen sollen Aufstiegschancen und finanzielle Absicherungen eröffnet werden. Mit dem Antrag wollen SPD, CDU und Bündnis 90/Grüne erreichen, dass möglichst bis zum Wintersemester 2022/2023 ein Programm vorliegt.
In Deutschland gilt das Duale System der beruflichen Bildung. 330 Ausbildungsberufe sind anerkannt. In den Betrieben wird die Praxis gelehrt, in der Berufsschule lernen die Auszubildenden die Theorie.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Freitag, 12. Juni 2020 16:52 Uhr

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