Deutlich weniger Tuberkulose-Fälle in Brandenburg

Deutlich weniger Tuberkulose-Fälle in Brandenburg

Die Zahl der Tuberkulose-Erkrankungen ist in Brandenburg zuletzt um fast 40 Prozent zurückgegangen. 2019 wurden nach Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) 100 Fälle registriert, im Jahr davor waren es noch 162. Damit wurden 2019 so wenig Infektionen gemeldet wie zuletzt im Jahr 2013. Im Schnitt waren vier von 100 000 Einwohnern infiziert. In den ersten Monaten des Jahres 2020 wurden rund 30 neue Fälle registriert.

Tuberkulose-Fälle

© dpa

Ein Arzt zeigt einen Tuberkulose-Fall anhand eines Röntgenbildes.

Oft treten dabei sogenannte Cluster auf: Wenn eine Person erkrankt, sind auch die Familie, Freunde oder Mitbewohner in einer Gemeinschaftsunterkunft betroffen, erklärt Ralf Otto-Knapp vom Deutschen Zentralkomitee zur Bekämpfung der Tuberkulose (DZK). Besonders Wohnheime für Geflüchtete, wo viele Menschen auf engem Raum leben, seien ein Risiko. Dort werden Röntgenuntersuchungen gemacht, bevor Leute aufgenommen werden. So soll Tuberkulose in der Lunge, wo rund 90 Prozent der Fälle auftreten, ausgeschlossen werden.
Pro 100 000 Einwohner gab es in Brandenburg die meisten Fälle im Landkreis Oder-Spree, dort waren 10,63 von 100 000 Menschen erkrankt, gefolgt von der Prignitz (9,15) und Potsdam (6,74). Die wenigsten Infektionen meldeten die Landkreise Spree-Neiße (0,87), Oberspreewald-Lausitz (0,91) sowie Frankfurt Oder (1,73) und Potsdam-Mittelmark (1,86). «Einzelne Fälle fallen in kleinen Landkreisen stärker ins Gewicht», sagt Otto-Knapp. Das könnte die regionalen Unterschiede erklären.
Um das Ziel der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu erreichen, Tuberkulose bis 2050 zu eliminieren, ist nach Experten-Meinung ein jährlicher Rückgang um zehn Prozent erforderlich. Otto-Knapp betont, dass die Fallzahlen in Deutschland im weltweiten Vergleich sehr gering sind. 2019 erkrankten 4789 Menschen, zwölf Prozent weniger als im Jahr davor. Weltweit gibt es laut DZK rund zehn Millionen Erkrankte, pro Jahr sterben rund 1,5 Millionen Menschen an einer Tuberkulose-Infektion - also rund 4000 Menschen pro Tag.
«Um bei den aktuell niedrigen Fallzahlen in Deutschland weitere Erfolge zu erzielen, muss man an die sogenannten latent Infizierten ran», sagt Otto-Knapp. Das heißt, dass Träger des Erregers präventiv behandelt werden müssen, bevor die Krankheit ausbricht. Dazu gebe es Präventions-Kampagnen.
Landschaft in der Prignitz
© Antje Kraschinski/Berlinonline

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Tuberkulose ist eine Infektionskrankheit, die durch Bakterien ausgelöst wird. Häufig wird die Krankheit von Mensch zu Mensch durch Einatmen von infektiösen Tröpfchen übertragen. Man muss laut Otto-Knapp etwa acht Stunden in einem Raum mit einer erkrankten Person gewesen sein oder besonders intensiven Kontakt wie Mund-zu-Mund-Beatmung gehabt haben, um sich anzustecken. Die Krankheit ist in der Regel gut behandelbar - aber langwierig. Mindestens sechs Monate lang müssen Infizierte behandelt werden.
2015 gab es bei der Tuberkulose wie auch bei anderen Krankheiten einen ungewöhnlichen Anstieg. Das ist auch auf die Einwanderung, die in diesem Jahr besonders stark war, zurückzuführen. Geflüchtete stecken sich den Angaben nach oft während ihrer Flucht oder in Sammellagern an. Und Infektionskrankheiten übertragen sich dort besonders schnell, wo viele Menschen auf engem Raum zusammenleben müssen.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Sonntag, 3. Mai 2020 08:46 Uhr

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