Erster Bericht über Virusausbruch an Bergmann-Klinik

Erster Bericht über Virusausbruch an Bergmann-Klinik

Nach dem Coronavirus-Ausbruch am Klinikum Ernst von Bergmann in Potsdam hat die Brandenburger Landesregierung einen ersten Bericht der bisherigen Klinikspitze über die Krise erhalten. Der Zwischenbericht sei eingegangen und werde nun geprüft, teilte der Sprecher des Gesundheitsministeriums, Gabriel Hesse, am Samstag mit. Potsdams Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) hatte beide bisherigen Geschäftsführer nach der Häufung von Infektions- und Todesfällen an dem Klinikum für ein halbes Jahr beurlaubt.

Ernst von Bergmann Klinikum

© dpa

Der Eingansbereich des Ernst von Bergmann Klinikum.

Seit Samstag hat das größte Potsdamer Krankenhaus, das rund eine halbe Million Menschen versorgen soll, eine neue Leitung. Seit Mitte März hatten sich dort Corona-Infektionen gehäuft. Experten des Robert Koch-Instituts kritisierten danach unter anderem, dass Umzüge ganzer Stationen die Virusübertragung begünstigt haben könnten. Bis Samstag starben 41 Corona-Patienten in der Klinik. Derzeit werden dort nach Angaben einer Sprecherin 39 infizierte Patienten versorgt.
Die bisherige Klinikleitung hatte zugesagt, bis zum vergangenen Freitag wie vom Land gefordert einen Zwischenbericht vorzulegen. Der Oberbürgermeister sieht ihn als eine Grundlage, damit das Klinikum wieder Patienten aufnehmen kann. Seit 1. April gilt ein Aufnahmestopp - außer für Notfälle. Am Samstag übernahmen Hans-Ulrich Schmidt und Tim Steckel die Leitung. Die neue Spitze will mit der Beratung Kienbaum ein Konzept zur Wiederaufnahme des Betriebs vorlegen. Die Klinik soll in drei Bereiche aufgeteilt werden: in coronafreie Stationen (weiß), solche mit Verdachtsfällen (grau) und mit Infizierten (schwarz).
Eine unabhängige Kommission unter Leitung von Brandenburgs Ex-Gesundheitsministerin Anita Tack (Linke) soll den Virusausbruch untersuchen. Die Staatsanwaltschaft Potsdam prüft, ob sich drei leitende Ärzte und die nun beurlaubten Geschäftsführer strafbar machten. Dabei geht es um Meldepflichten. Sie prüft auch eine Strafanzeige der Deutschen Stiftung Patientenschutz gegen die verantwortlichen Geschäftsführer und Ärzte unter anderem wegen des Verdachts fahrlässiger Tötung.
Ein weiterer Corona-Schwerpunkt im Land ist die Brandenburgklinik in Bernau. Dort waren dem Kreis Barnim zufolge 72 Patienten und 60 Mitarbeiter infiziert. Von den infizierten Patienten starben 11, die laut Kreis schwere Vorerkrankungen hatten. Der Vizechef des Gesundheitsausschusses im Landtag, Ronny Kretschmer (Linke), forderte im rbb Inforadio, den Ausbruch aufzuklären und einzudämmen. Er sagte außerdem, nahezu alle Kliniken im Land beklagten zu wenig oder nicht die qualitativ richtige Schutzausrüstung.
Landschaft in der Prignitz
© Antje Kraschinski/Berlinonline

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In einer Flüchtlingsunterkunft in Hennigsdorf wurden nach Angaben des Kreises Oberhavel bisher 68 Corona-Infektionen bestätigt. Die Linke-Landtagsabgeordnete Andrea Johlige forderte mehr Platz für die Geflüchteten. Alleinreisende Geflüchtete müssten in Einzelzimmern untergebracht werden, Familien und Großfamilien brauchten mehr Räume.
Die Zahl der mit dem neuartigen Coronavirus infizierten Menschen stieg in Brandenburg auf 2738 bestätigte Fälle (Stand 10.00 Uhr). Bisher starben 125 Patienten, das ist zum Vortag ein Anstieg um zwölf Tote, wie das Gesundheitsministerium berichtete. Schwerpunkt der Infizierten und der Todesfälle ist weiter Potsdam, gefolgt von den Kreisen Potsdam-Mittelmark und Barnim. Allein aus Potsdam kamen sieben Tote hinzu. Immer mehr Corona-Patienten gelten als genesen: Derzeit sind es rund 1820 Menschen, 330 mehr als am Vortag.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Samstag, 25. April 2020 17:54 Uhr

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