Elternbeirat sieht späte Lockerung für Kita-Kinder kritisch

Elternbeirat sieht späte Lockerung für Kita-Kinder kritisch

Brandenburgs Kita-Elternbeirat sieht eine späte Wiedereröffnung von Kitas in der Corona-Krise kritisch. «Die Situation ist eh schon sehr angespannt bei vielen Eltern. Wenn das jetzt noch länger anhält, das werden einige finanziell nicht durchhalten», sagte der Sprecher des Landes- und Bundes-Kita-Elternbeirats, Danilo Fischbach, am Dienstag.

Spielzeug liegt in einer Kindertagesstätte auf dem Boden

© dpa

Spielzeug liegt in einer Kindertagesstätte auf dem Boden.

Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina hatte am Montag empfohlen, Kitas bis zu den Sommerferien im Notbetrieb zu lassen, und nur Fünf- bis Sechsjährige mit höchstens fünf Kindern im Raum auf den Übergang in die Grundschule vorzubereiten. Grundschulen und die Sekundarstufe I sollten unter bestimmten Voraussetzungen so bald wie möglich zuerst schrittweise öffnen.
Aus Sicht des Kitaelternbeirates ist eine solche schrittweise Wiederaufnahme nicht sinnvoll. Das könne laut Fischbach zu Stigmatisierungen bei Eltern durch Arbeitgeber führen, wenn sie beispielsweise auf Jobsuche sind. «Dann heißt es, sie haben ein Kita-Kind, dann sind sie erstmal nicht voll einsetzbar - mit Schulkind aber schon.» Das könne Eltern zuzüglich finanziell belasten. Mehrere Eltern hätten bereits jetzt Schwierigkeiten, Rechnungen zu bezahlen.
Die Situation der Kinderbetreuung sei eh schon schwierig in Brandenburg - auch ohne Corona, berichtete eine 32-jährige Mutter aus Königswusterhausen (Landkreis Dahme-Spreewald), die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Eigentlich wollte sie nach der Elternzeit mit einem neuen Job beginnen. Die Familie sei auf ihr Einkommen angewiesen. Der Vater habe in Kurzarbeit wechseln müssen. «67 Prozent weniger Geld, da fehlt eine Menge», sagte sie. Doch der Arbeitgeber, ein Hotel, kann sie aufgrund der Einschränkungen wegen des Coronavirus derzeit nicht beschäftigen. «Wir müssen jeden Euro drei Mal umdrehen.»
Aber nicht nur finanziell sei die Situation der Familie mit drei Kindern (10 Monate, 3 und 11 Jahre) eine Belastung. «Fünf Wochen sind die Kinder jetzt zu Hause. Die sozialen Kontakte sind eingeschränkt. Wenn die Schließungen weiter andauern - beim Besten willen, tut den Kindern das nicht an», sagte die 32-Jährige. «Sie müssen gefordert und gefördert werden.» Zwar habe man Hausaufgaben mit nach Hause bekommen. Damit fühle sie sich aber überfordert, wie auch ihr 11-jähriger Sohn.
Kinderbetreuung und Arbeit aus dem Homeoffice - Mike Lippok von der Bürgerinitiative Kitaplätze aus Oberhavel findet: «Das ist im Grunde nicht vereinbar». «Auch, wenn man sein Bestes gibt, wird man keinem wirklich gerecht - weder der Arbeit, noch den Bedürfnissen der Kinder.» Lippok und seine Frau arbeiten beide in sogenannten systemrelevanten Berufen und hätten damit einen Anspruch auf einen Platz in der Kita-Notbetreuung. Sie wollen ihre Familie aber vor der Gefahr durch eine Ansteckung mit dem Coronavirus schützen und den Kontaktkreis nicht vergrößern, so Lippok. Daher arbeiteten beide derzeit aus dem Homeoffice.
Landschaft in der Prignitz
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Um Väter und Mütter zu unterstützen, hatte der Bundestag Ende März unter anderem beschlossen, dass der Staat für zunächst sechs Wochen 67 Prozent des Lohns weiter zahlt, wenn Eltern Kinder unter zwölf Jahren wegen geschlossener Kitas und Schulen daheim betreuen müssen. Die Summe ist gedeckelt auf höchstens 2016 Euro pro Monat. Bund und Land teilen sich die Lohnfortzahlung. Brandenburg hat zudem noch die Kita-Beiträge für die ausgesetzt, die keine Betreuung haben.
Für Lippok, Vater von zwei Kindern (4 und 6), ist das zu wenig. Dass sie die Arbeit zur Seite legen und eine Lohnfortzahlung beantragen, darüber denke die Familie gar nicht erst nach. «Das wäre für uns finanziell nicht zu tragen.» Lippok ist Führungskraft. Von vielen seiner rund 20 Mitarbeiter höre er ähnliches. «67 Prozent, das reicht für viele nicht. Da denkt keiner drüber nach, weil das finanziell nicht machbar ist.»

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Mittwoch, 15. April 2020 08:01 Uhr

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