Dolmetscher kommen in Behörden immer häufiger zum Einsatz

Dolmetscher kommen in Behörden immer häufiger zum Einsatz

In Brandenburg sind die Behörden immer häufiger auf die Hilfe von Dolmetschern angewiesen. Das ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur. Allein im Polizeipräsidium habe sich die Zahl der Fälle in den vergangenen fünf Jahren von rund 3300 Sachverhalten auf rund 7000 Sachverhalte mehr als verdoppelt, sagt etwa Stefanie Klaus, Sprecherin im Polizeipräsidium Potsdam. Ein erheblicher Anstieg sei in den Jahren 2015 und 2016 festzustellen gewesen. In dieser Zeit hatte es einen starken Zuzug von Geflüchteten gegeben. Dolmetscher würden beispielsweise im Rahmen einer Hinweisgebung, Vernehmung, Befragung oder Anzeigenerstattung eingesetzt.

Zugeschaltete Dolmetscherin in JVA

© dpa

Der Häftling (r) und eine Mitarbeiterin der JVA, schauen auf die über Video zugeschaltete Dolmetscherin.

Ähnliches ist aus den Landkreisen und kreisfreien Städten des Landes zu hören. Seit 2015 habe es einen signifikanten Anstieg gegeben, berichtet Cottbus' Stadtsprecher Jan Gloßmann. «Im Jugendamt sind beispielsweise im Bereich Asyl bis zu 15 Dolmetschereinsätze pro Woche Normalität», so der Sprecher. In anderen Kontexten reichten die Sprachkenntnisse mittlerweile zur Verständigung aus.
20 Mal pro Jahr kommen Dolmetscher allein im Sozialpsychiatrischen Dienst im Gesundheitsamt des Landkreises Märkisch-Oderland zum Einsatz, bis zu dreimal jährlich auch für die Tuberkulose-Ermittlung, wie es aus der Kreisverwaltung in Seelow heißt. Für die Beratung von Prostituierten nehme das Amt seit dem vergangenen Jahr einen Telefondolmetscherdienst in Anspruch. «Erst seit 2016 häufen sich die Zahlen, vorher wurden nur sporadisch vereinzelte Dolmetscher in Anspruch genommen», sagt Kreissprecher Thomas Behrendt.
In Cottbuser Behörden sind besonders Dolmetscher für die Sprachen Arabisch, Russisch und Persisch notwendig, wie Stadtsprecher Gloßmann sagt. Im Jugendamt müsse auch noch Englisch und Vietnamesisch übersetzt werden. Dort besonders bei Hilfeplangesprächen, Ansprachen bei Kindeswohlgefährdung, Beratung bei Trennung und Scheidung sowie der Jugendgerichtshilfe. Die Fachstelle zur Vermeidung von Obdachlosigkeit sehe zudem einen erhöhten Bedarf bei Zuwanderern aus Bulgarien und Rumänien.
In einer offenen Liste des Potsdamer Polizeipräsidiums sind bisher 382 Dolmetscher und Übersetzer sowie 16 Dolmetscher- und Übersetzerbüros für 103 Sprachen und Dialekte registriert. «In Einzelfällen können auch Polizisten Dolmetscherarbeit leisten», sagt Klaus.
In der Landeshauptstadt Potsdam sind die Einsätze von Dolmetschern nach Angaben eines Sprechers hingegen rückläufig. Entsprechend gebe es auch keine Probleme, Dolmetscher zu rekrutieren.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Samstag, 2. November 2019 11:12 Uhr

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