Ostdeutsche Baubranche: Fachkräftesituation noch verschärft

Ostdeutsche Baubranche: Fachkräftesituation noch verschärft

Der Fachkräftemangel in der ostdeutschen Bauwirtschaft hat sich weiter verschärft. So hat sich der Anteil der Unternehmen, bei denen das Personalmanko zu Einschränkungen bei der Bautätigkeit führten, in den zurückliegenden zehn Jahren deutlich erhöht, wie der Bauindustrieverband Ost in Leipzig mitteilte. Der Verband vertritt 260 Unternehmen mit etwa 20 000 Beschäftigten in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Berlin und Brandenburg. Etwa ein Fünftel der Unternehmen (19 Prozent) mussten sich 2018 demnach aufgrund Personalmangels einschränken - 2008 waren es nur knapp zwei Prozent.

Bauarbeiter auf einer Baustelle

© dpa

Bauarbeiter arbeiten auf einer Baustelle in der Leipziger Gerberstraße.

Bei einer Verbands-Umfrage in diesem Jahr gaben 72 Prozent der Unternehmen an, das sich besonders die Lage bei gewerblichen Arbeitnehmern wie Maurern sowie Beton- und Gerüstbauern von 2014 bis 2018 verschlechtert hat. Aber auch bei den Bauingenieuren sieht es nicht rosig aus. 64 Prozent der Firmen sind der Meinung, dass es schwieriger geworden ist, studierte Fachleute zu finden.
«Die Situation wird sich in den kommenden Jahren weiter verschärfen», sagte der Hauptgeschäftsführer des Bauindustrieverbandes Ost, Robert Momberg. Etwa ein Viertel der gewerblich Beschäftigten im Verbandsgebiet sei älter als 55 Jahre, daher werde in den kommenden zehn Jahren etwa ein Viertel von ihnen die Unternehmen verlassen. In Berlin seien das fast 8600 Beschäftigte, in Brandenburg knapp 11 000, in Sachsen knapp 17 000 und in Sachsen-Anhalt gut 10 000.
Eine Hochrechnung ergab den Angaben zufolge, dass allein bis 2030 die Bauunternehmen in Ostdeutschland insgesamt einen Bedarf von 70 000 Arbeitnehmern haben, um die durch das altersbedingte Ausscheiden freiwerdenden Stellen wieder zu besetzen sowie die Kapazitäten der Unternehmen bedarfsgerecht zu entwickeln.
Um dem Problem zu begegnen, wolle die Branche noch stärker für die Ausbildung am Bau werben, so Momberg. Dabei solle die Attraktivität des Bauberufe noch stärker herausgestellt werden. Ein Instrument dafür sei die bundesweite Kampagne «BAU - DEIN DING». Zudem ziehe auf den Baustellen die Digitalisierung zunehmend ein. Momberg nannte in diesem Zusammenhang die elektronische Steuerung von Baugeräten wie Baggern sowie Drohnen. Diese werde sich positiv auf Attraktivität der Bauberufe auswirken.
Positiv sei, dass sich seit 2015 die Zahl der ausländischen Bewerber für eine Ausbildung in der Bauwirtschaft erhöht hat, wenn auch noch auf niedrigem Niveau, so Momberg. So kämen nicht mehr nur Jugendliche aus Süd- und Osteuropa, sondern auch aus Asylherkunftsländern. Herausforderungen seien dabei der Abbau von Bürokratie und das Schaffen von klaren Perspektiven für die Bleibe in Deutschland.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Freitag, 4. Oktober 2019 07:33 Uhr

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