Mahnwache vor Kraftwerk Jänschwalde: Zweiter Block vom Netz

Mahnwache vor Kraftwerk Jänschwalde: Zweiter Block vom Netz

Mit einer Mahnwache haben etwa 100 Mitarbeiter des Kraftwerks Jänschwalde (Spree-Neiße) die Abschaltung des zweiten von sechs Blöcken begleitet. Nach Block F im vergangenen Jahr wurde am Montagnachmittag Block E vom Stromnetz getrennt. Mit diesem Schritte werden in den kommenden Jahren insgesamt etwa 600 Stellen nicht mehr neu besetzt. Das betrifft sowohl den Tagebau als auch das Kraftwerk. «Heute ist wieder ein schwerer Tag für uns Kraftwerker. Uns fällt es heute genauso schwer wie vor einem Jahr, einen modernen und flexiblen Kraftwerksblock abschalten zu müssen», erklärte Kraftwerksleiter Andreas Thiem.

Zweiter Kraftwerksblock wird in Jänschwalde abgeschaltet

© dpa

Grüne Holzkreuze und Schutzhelme liegen auf der Zufahrtsstraße zum Haupteingang des Braunkohlekraftwerkes Jänschwalde.

Als stillen Protest hatten Mitarbeiter 600 Holzkreuze und Arbeitsschutzhelme auf die Zufahrt zum Kraftwerk gelegt - für jeden einzelnen Arbeitsplatz, der verloren geht. Geplant war zudem ein Autokorso zum Tagebau.
Ab Mitternacht werden nach Angaben des Betreibers Leag keine CO2-Emissionen mehr erzeugt, der 500-Megawatt-Block geht wie auch Block F in Sicherheitsbereitschaft. Thiem zufolge werden sich Mitarbeiter in den nächsten zwei Monaten um die Außerbetriebnahme des Blocks kümmern und die Turbine in die Bereitschaftsphase führen.
«Seit der Netztrennung von Block F sind in der Lausitz keine adäquaten Ersatz-Arbeitsplätze entstanden», kritisierte Leag- Vorstandschef Helmar Rendez in Jänschwalde. Anstatt seitens der Bundespolitik anzuerkennen, dass der Aufbau von Industriearbeitsplätzen Zeit brauche, werde seit Bekanntgabe des Kohlekompromisses im Januar dieses Jahres immer wieder daran gerüttelt und das Ausstiegsdatum 2038 in Frage gestellt.
Von der Grünen Liga hieß es dazu, der LEAG-Konzern werde für die heutige Abschaltung «fürstlich» von der Bundesregierung belohnt. «Wir hoffen, dass das Unternehmen die jährlich dreistelligen Millionenbeträge tatsächlich in der Region verwendet», sagte der Sprecher der Umweltgruppe, Rene Schuster.
Für die vorzeitige Abschaltung der Kraftwerke werden die Energiekonzerne RWE, Leag und Mibrag entschädigt. Sie erhalten nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums voraussichtlich insgesamt rund 1,6 Milliarden Euro. Diese Kosten werden über die Netznutzungsentgelte von den privaten Haushalten und der Wirtschaft bezahlt.
Die Abschaltung der Blöcke war im Energiewirtschaftsgesetz der Bundesregierung geplant. Die Trennung vom Netz wurde nach Betreiberangaben für insgesamt 2 700 Megawatt Braunkohlenkraftwerkskapazität beschlossen, verteilt auf fünf Kraftwerksstandorte in ganz Deutschland. Alle drei deutschen Braunkohlereviere sind betroffen: das Rheinische Revier, das Mitteldeutsche Revier und das Lausitzer Revier. Schrittweise werden die vorgegebenen Blöcke nach einem Zeitplan vom Netz genommen und für jeweils vier Jahre in Bereitschaft gehalten.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Montag, 30. September 2019 19:29 Uhr

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